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30.01.2003

13:50 Uhr

Hessische Sparkassen vor Kooperation mit Landesbank

Auch Sparkassen kämpfen mit schwacher Ertragslage

Die deutschen Sparkassen und Landesbanken kämpfen wie ihre privaten Konkurrenten mit einer schwachen Ertragslage. Zudem müssen die Landesbanken ab 2005 den Wegfall staatlicher Haftungsgarantien verkraften.

Reuters FRANKFURT. Eine engere Zusammenarbeit im Verbund soll die Probleme lösen helfen, aber innerhalb der einzelnen Häuser und auch in den politischen Gremien gibt es höchst unterschiedliche Interessen und Vorstellungen über die Umsetzung solcher Kooperationen.

In Hessen könnten die Weichen für die künftige Strategie von Landesbank und Sparkassen bereits kurz nach der Landtagswahl am 2. Februar gestellt werden. Diese könnte dann auch als Modell für andere Bundesländer dienen. Nach Informationen aus Bankenkreisen sollen die Landesbank Hessen Thüringen (Helaba) und die Sparkassen auf Basis eines vom Hessischen Sparkassen- und Giroverband entwickelten Modells kooperieren. Ein ursprünglich ebenfalls diskutiertes Holdingmodell unter dem Dach der Helaba unter Beteiligung der Frankfurter Sparkasse 1822 (Fraspa) oder sogar eine Fusion der beiden Häuser werde dagegen derzeit nicht weiter forciert, hieß es in den Kreisen weiter.

"Es wird vermutlich nicht den lauten Knall, sondern erst einmal ein leises Plop geben", hieß es aus den Kreisen zur künftigen Zusammenarbeit zwischen Landesbank und Sparkassen. Das Kooperationsmodell des Verbandes soll die rechtliche und wirtschaftliche Selbstständigkeit der Sparkassen erhalten. Es sieht jedoch unter anderem vor, dass es künftig bei der Nutzung von Dienstleistungen und bei der Entwicklung von Produkten der Helaba für die Sparkassen verbindliche Absprachen gibt, um eine höhere Planungssicherheit zu erreichen. Zudem ist ein gemeinsames Risikomanagement vorgesehen. Der Verband strebt auch einen einheitlichen Marktauftritt der Sparkassen Finanzgruppe an. Ziel ist dabei unter anderem ein Gruppenrating und nicht die Bewertung einzelner Häuser durch die großen Rating-Agenturen.

Kooperationsmodell als kleinster gemeinsamer Nenner

Das Kooperationsmodell gilt als der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich die Interessen im öffentlichen Bankensektor in Hessen bringen lassen. Dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) sei diese Lösung nicht weit genug gegangen, hieß es in den Bankenkreisen. Koch befürworte die Schaffung einer Holding oder eine Vertikalfusion von Helaba und Fraspa. Dies habe sich aber angesichts der Anteilsverhältnisse bei der Helaba nicht durchsetzen lassen, auch wenn die Beteiligung des Landes schwer wiege. Hessen hält an dem Institut zehn Prozent, Thüringen fünf Prozent und der Verband 85 Prozent.

Die Landesregierung fürchte, dass sich das Rating der Landesbank nach dem Ende der staatlichen Haftungsgarantien verschlechtern könne, hieß es. Durch die Angliederung einer großen Sparkasse wie der Fraspa hätte die Helaba im Hinblick auf ein künftiges Rating ihre Ausgangsposition verbessern können.

Die Fraspa pochte jedoch immer auf ihre Selbstständigkeit: "Dem Erhalt der unternehmerischen Eigenständigkeit misst die Sparkasse eine besondere Bedeutung bei, bleibt jedoch für sinnvolle Kooperationen weiterhin offen", teilte Deutschlands drittgröße Sparkasse erst kürzlich wieder mit. Auch bei anderen hessischen Sparkassen waren Vorbehalte gegen eine Einbindung der Fraspa in eine Holding laut geworden. Die Option war als Versuch der Helaba gewertet worden, zunächst das stärkste Glied aus der Kette der Sparkassen herausbrechen und damit später auch die anderen Institute unter das Dach der Holding zu zwingen.

Fraspa-Naspa-Fusion auf Eis

Fraspa-Vorstandschef Klaus Wächter hatte ursprünglich eine noch andere Variante bei der Konsolidierung der hessischen Sparkassenlandschaft angestrebt: Eine Fusion mit der Nassauischen Sparkasse (Naspa) galt als Lieblingsprojekt von Wächter und dem früheren Naspa-Chef Anton Mauerer. Dessen Nachfolger Jens Fischer kündigte jedoch nach seiner Amtsübernahme im Oktober 2002 an, das Projekt liege auf Eis.

Eine noch weitergehende Option zur Neuordnung des hessischen Sparkassensektors fordert derweil Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP). Er kündigte an, in der kommenden Legislaturperiode das Sparkassengesetz ändern zu wollen. Posch forderte in diesem Zusammenhang von den Sparkassen, die Hereinnahme privaten Kapitals in Verbindung mit dem Einräumen von Stimmrechten zu prüfen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband bekämpft diese Option allerdings vehement. Er fürchtet, dass dann vor allem Privatbanken Anteile an Sparkassen mit ihrem teilweise lukrativen Privatkundengeschäft übernehmen und so den Verbund aufsprengen könnten.

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