Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.04.2003

07:18 Uhr

Heute Aufsichtsratsitzung

Infineon liebäugelt mit der Schweiz

Infineon will aus Steuergründen den Firmensitz möglicherweise ins Ausland verlegen. Standorte in den USA, Asien und der Schweiz sind im Gespräch. Im Gegenzug muss Infineon damit rechnen, aus dem Dax zu fliegen.

Die Infineon-Zentrale - bald in der Schweiz? Foto: dpa

Die Infineon-Zentrale - bald in der Schweiz? Foto: dpa

cbu MÜNCHEN. Ein Umzug des Chipkonzerns Infineon ins Ausland gewinnt an Kontur. Am heutigen Montag soll sich der Aufsichtsrat erstmals mit den Plänen konkret befassen. Es stünden drei Standorte, nämlich Singapur, die USA und die Schweiz, zur Diskussion, sagte ein Infineon-Sprecher dem Handelsblatt.

Es sei allerdings nicht mit einer endgültigen Entscheidung zu rechnen, hieß es. "Alle Optionen sind offen", sagte der Sprecher. Es wird aber erwartet, dass der Aufsichtsrat eine Empfehlung geben wird, welcher der drei Alternativstandorte weiter verfolgt werden soll. Aus Unternehmenskreisen hieß es dazu, es werde voraussichtlich auf die Schweiz hinauslaufen. Eine endgültige Entscheidung über einen Umzug will Konzernchef Ulrich Schumacher im dritten Quartal dieses Jahres fällen.

Schumacher prüft bereits seit Monaten eine Abwanderung ins Ausland. Er begründet den Schritt unter anderem mit hohen Unternehmensteuern in Deutschland. Die wichtigsten Konkurrenten von Infineon sitzen vor allem in den USA und Asien und zahlen nach Angaben des Chiphersteller teilweise nur halb so hohe Steuern wie die Münchner. Infineon schiebt allerdings Verlustvorträge in Milliardenhöhe vor sich her, die steuerlich geltend gemacht werden könnten. Erst am vergangenen Dienstag hatte der Konzernchef bei der Präsentation der Quartalszahlen betont, der Sparkurs solle weiter verschärft werden. Infineon hatte zuvor den achten Quartalsverlust in Folge bekannt gegeben. Am morgigen Dienstag will sich Schumacher zu weiteren Details auf einer Pressekonferenz in München äußern.

Auch der Bauelementekonzern Epcos, wie Infineon aus dem Siemens - Konzern hervorgegangen, prüft derzeit eine Abwanderung. Firmenchef Gerhard Pegam kündigte kürzlich an, es würden Standorte außerhalb Europas insbesondere in Asien geprüft. Epcos hat bereits einen Großteil der Produktion ins Ausland verlagert. Für Siemens selbst sei eine Verlagerung der Zentrale kein Thema, betonte dagegen ein Siemens-Sprecher in München.

Siemens, mit 39 % Großaktionär bei Infineon, müsste einer Abwanderung des Chipherstellers zustimmen. "Wir haben da ein gewichtiges Wort mitzureden", heißt es in Siemens-Kreisen. Das Vorgehen Schumachers wird in der Siemens-Zentrale kritisch beäugt. Der Münchener Elektrokonzern muss die Infineon-Verluste derzeit anteilig konsolidieren. Infineon hatte im Geschäftsjahr 2002 trotz Sparanstrengungen einen Rekordverlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,14 Mrd. Euro verbucht.

Ein Umzug von Infineon würde die zentralen Konzernfunktionen und etwa 150 bis 200 Mitarbeiter betreffen. Derzeit lässt der Konzern am Rande Münchens jedoch eine neue Hauptverwaltung bauen. Was mit diesen Plänen passiert, ist offen. Die Buchführung hat der Konzern bereits nach Portugal ausgelagert.

In Dresden unterhält Infineon derzeit ein großes Chipwerk, das aber nicht zur Disposition steht. Der Konzern, sechstgrößter Chiphersteller der Welt, ist weltweit aktiv mit Produktionsstätten unter anderem in Österreich, den USA und mit Gemeinschaftsunternehmen in Asien. Weltweit werden 31 000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Infineon-Aktie, seit März 2000 an der Börse, notiert derzeit im Deutschen Aktienindex. Die Infineon-Anteile liegen derzeit deutlich unter ihrem Emissionskurs.

Sollte Infineon Ernst machen mit einem Umzug ins Ausland, riskiert Schumacher allerdings seinen Platz unter den 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex. Ein Hauptsitz in Deutschland ist Voraussetzung für die Mitgliedschaft im exklusiven Club der Dax-Unternehmen. Eine Ausnahmeregelung werde es für die Münchner nicht geben, stellte die Deutsche Börse bereits klar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×