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18.02.2002

06:46 Uhr

High-Tech-Branche in den USA auf dem Weg der Besserung – Vertrauen der Verbraucher in die Wirtschaft sinkt

Enron-Pleite verunsichert US-Bürger

VonDIRK COHAUSZ

Die neuen US-Konjunkturdaten geben keinen Grund zur Freude: Die Industrieproduktion ist erneut gesunken und die Kapazitäten sind nicht ausgelastet. Banken-Volkswirte bleiben trotzdem optimistisch, dass die Erholung beginnt.

HB WASHINGTON. Morgen macht sich Deutschlands Bundespräsident Johannes Rau auf die Reise nach Salt Lake City. Dort will Rau das deutsche Team bei den Olympischen Winterspielen anfeuern - zuvor kümmert er sich aber noch um die Wirtschaft und legt einen Zwischenstop in der Autostadt Detroit ein. Dort stehen die Fabriken von General Motors, Ford und Daimler-Chrysler. Auch zahlreiche Auto-Zulieferer haben Niederlassungen in Detroit - beispielsweise das deutsche Unternehmen Behr System, das von Rau Besuch bekommen wird. Die Stimmung in Detroit ist in diesen Tagen allerdings gedrückt.

Denn die Produktion der Automobilbranche ist im Januar um 1,2 % zurückgegangen. Gemeinsam mit den Versorger zogen die Autohersteller den Gesamtindex der Industrieproduktion um 1 % ins Minus. Ohne sie wäre die Produktion in den USA gegenüber dem Vormonat konstant geblieben. Insgesamt schrumpfte die Industrieproduktion im Januar um 0,1 % gegenüber Dezember - der sechste Rückgang in Folge.

Andere Branchen konnten dagegen zulegen: Zufriedenere Gesichter könnte Bundespräsident Rau beispielsweise einige hundert Meilen weiter im Westen der USA finden. Im kalifornischen Silicon Valley haben die Produzenten Grund zu vorsichtiger Freude. Sie haben im Januar mehr Computer, Halbleiter und Kommunikations-Zubehör, wie etwa Telefone, hergestellt. Schon im vierten Quartal 2001 hatte sich eine leichte Erholung angedeutet - die Produktion blieb konstant, nachdem sie in den ersten sechs Monaten 2001 um mehr als 20 % eingebrochen war.

Ob Silicon Valley, Detroit oder Salt Lake City - als "unschön" sehen Volkswirte die geringe Auslastungen der Fabriken an. Sie sank im Januar nochmals um 0,2 % und liegt nun bei 74,2 %. Insgesamt bewerten Ökonomen die Entwicklung der US-Industrie aber dennoch positiv. "Wenn sie im Februar auf dem gleichen Niveau bleiben sollte, ist das wahrscheinlich ein Zeichen für das Ende der Rezession", meint Peter Hooper, Chef-Ökonom der Deutschen Bank in New York. Auch Barbara Lambrecht von der Commerzbank spricht von einem positiven Trend: "Die Zahlen bestätigen, dass sich die Talfahrt in der Industrie zum Jahreswechsel merklich verlangsamt hat." In den nächsten Monaten dürfte wieder mehr produziert werden, schätzt sie.

Letztlich hängen Ausmaß und Dauerhaftigkeit der Konjunktuerholung vom Verhalten der Verbraucher ab. Das Vertrauen der US-Konsumenten hat sich zuletzt verschlechtert. Der von der Universität Michigan für Januar ermittelte Index des Verbrauchervertrauens sank gegenüber Dezember um 2,1 Punkte auf 90,9 Punkte. Nach den Terror-Anschlägen vom 11. September hatte sich das Vertrauen in den vergangenen vier Monaten stets verbessert.

Es scheint, als grassiere die "Enronitis" mittlerweile auch unter den Konsumenten. Nach der Pleite des Energieriesen Enron hat die Furcht vor geschönten Bilanzen schon Politik, Aktienmärkte und Wirtschaftsprüfer viel Kraft gekostet. Offenbar sind jetzt auch die US-Bürger verunsichert. Viele von ihnen sichern die Versorgung im Alter mit Aktienvermögen ab - und haben Furcht vor weiteren Pleiten und Kurseinbrüchen am Aktienmarkt.

Volkswirte rechnen aber mit einer baldigen Genesung von der "Enronitis". "Die Verbraucher gehen nach wie vor von einer Erholung der Wirtschaft aus. Aber sie rechnen jetzt mit einem langsameren Wachstum", sagen die Volkswirte der Universität Michigan. Chris Rupkey, Volkswirt der Tokyo Bank-Mitsubishi in New York bestätigte das: "Wir kommen dem Ende der Rezession immer näher, es wird jedoch eine langsame Erholung werden."

Zumindest an der Inflationsfront bleibt es weiterhin ruhig: Die Erzeugerpreise sind im Januar moderat um 0,1 % gegenüber Dezember gestiegen. Von Januar 2001 bis Januar 2002 gingen die Erzeugerpreise um 2,6 % zurück und damit so stark wie seit mehr als 50 Jahren nicht mehr.

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