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25.01.2001

17:40 Uhr

Hilfe durch Fonds-Ratings

Qualität gefragt

VonIngo Narat

Das scheint die Lösung zu sein: Auf der Suche nach dem "besten" Fonds kauft der Anleger das Produkt mit der Spitzenperformance. Die simple Auswahlmethode hat viele Fallstricke. Gängige Wertentwicklungs-Hitlisten für einzelne Fondsgruppen spiegeln nur Gewinne und Verluste in einem bestimmten Zeitraum wider. Für einen anderen Zeitraum können die Ranglisten völlig anders aussehen. Außerdem geben reine Performanceangaben keinen Hinweis auf das Anlagerisiko. Wie stark die Wertschwankungen des Anteilpreises im Vergleichszeitraum ausfielen, erfährt der Anleger nicht.

FRANKFURT. Rating-Agenturen und Firmen für Fondsresearch springen an dieser Stelle in die Bresche. Sie haben verschiedene Bewertungskonzepte entwickelt, um die für den Anleger entscheidenden Fragen zu beantworten: Wie gut ist eigentlich ein Fonds? Und wie gut dürfte er in Zukunft sein? Gesucht sind Produkte, die möglichst regelmäßig bessere Anlageergebnisse abliefern als Konkurrenzfonds mit vergleichbarem Investmentschwerpunkt - und das am liebsten auch noch stetig, ohne überdurchschnittliche Anteilpreisschwankungen. Schließlich ist Konstanz gefragt, eine Stetigkeit, der man zumindest eine gewisse Prognosequalität zubilligen möchte.

In Deutschland bieten vor allem die Bad Homburger Vermögensverwaltungs- und Fondsresearchfirma Feri Trust sowie die Rating-Agentur Standard & Poor?s (S & P) so genannte Fonds-Ratings an. Feri setzt auf ein quantitatives Konzept, damit auf eine reine Datenbankauswertung der historischen Anteilpreisentwicklung. In die Bewertung fließen mittel- und längerfristige Performancevergleiche mit Konkurrenzfonds und dem Index sowie verschiedenste Risikobewertungen ein. In der Gesamtbeurteilung schlagen sich die Wertentwicklungsaspekte mit 70 Prozent, die Risikobewertungen mit 30 Prozent nieder.

Das Feri-Rating ist eine Art Schulnote. Die fünfstufige Notenskala reicht von "(A)" für "sehr gut" bis "(E)" für "schwach". Bewertet werden Aktien- und Rentenfonds. Der Bewertungszeitraum in den einzelnen Fondsgruppen, beispielsweise europäische Aktienfonds für Standardwerte, umfasst die letzten fünf Jahre. Feri verlangt mindestens 20 Konkurrenzfonds in einer Produktgruppe, damit die Vergleiche aussagekräftig sein können. Mittlerweile sind etwa 900 in Deutschland angebotene Fonds geratet. Der Anleger findet die Bewertungen in Wertentwicklungstabellen verschiedener Medien, auch im Handelsblatt, darüber hinaus auf der Feri-Website (www.feri-trust.de) sowie auf den Internet-Seiten einiger Direktbanken.

Die für ihre Anleihe-Ratings bekannte Agentur S & P geht teilweise den gleichen Weg. Sie offeriert ein in der Methodik ähnliches "Star Ranking". Die Notenskala reicht von fünf Sternen im besten bis zu einem Stern im schlechtesten Fall. Fast 2 300 der hier zu Lande angebotenen Produkte sind inzwischen geratet. Die im Vergleich zu Feri höhere Zahl ist mit geringeren Anforderungen an die Bewertung zu erklären.

Im Blickpunkt steht S & P hier zu Lande allerdings mit seinem qualitativen Rating, das auf vielen europäischen Fondsmärkten seit langem auf Zuspruch stößt. Seit vergangenem Herbst bewertet die Agentur Produkte von drei großen deutschen Investmentfirmen. Im Konzept spielen weniger die objektiven Wertentwicklungsdaten und ihre computergestützte Analyse eine Rolle. Im Vordergrund steht die subjektive Einschätzung der Fondsmanagement-Fähigkeiten. In Gesprächen mit den Fondsmanagern versuchen die S & P-Experten die Schlüsselfaktoren für den zukünftigen Anlageerfolg zu analysieren. Einige der kritischen Fragen: Wie erfahren ist der Manager? Hält er sich an die festgelegte Anlagepolitik? Wie erklärt er Perioden guter oder schlechter Performance? Für eine derartige Fragerunde kommen aber ohnehin nur die Fonds mit überdurchschnittlicher Performance und unterdurchschnittlichem Risiko in Betracht, denn S & P vergibt ausschließlich Noten für die besten Produkte. Die dreistufige Notenskala orientiert sich an der bei Anleihen verwendeten Systematik. Ein "AAA" gibt es für "außergewöhnlich gute", ein "A" für "gute" Managementfähigkeiten. Die qualitative Bewertung fließt mit 60 Prozent, die quantitative mit 40 Prozent in das Rating für Aktien- und Rentenfonds ein. Darüber hinaus bietet S & P weitere Bewertungen für Renten- und Geldmarktfonds an (Tabelle). In der Zwischenzeit hat die Agentur rund 30 Produkte der deutschen Investmentgesellschaften Adig, DWS und DIT bewertet. Der Grund für die auf den ersten Blick geringe Zahl liegt nicht nur in der Beschränkung auf gute Fonds. Die Fondsfirmen müssen einen Rating-Vertrag mit S & P abschließen und für die Bewertung bezahlen - im Gegensatz zu quantitativen Beurteilungen. Interessierte Anleger können auf die Ergebnisse über die Internetseite www.funds-sp.com zugreifen. Ob sich der eine oder andere Ansatz in der Zukunft durchsetzen kann, ist offen. Vertreter beider Konzepte verweisen auf die relativ gute Prognosequalität ihrer bisher vergebenen Noten. Vertreter von Feri beispielsweise erklären, in den wichtigsten Aktienfonds-Gruppen habe der Durchschnitt der mit "(A)" oder "(B)" bewerteten Produkte in den vergangenen zwei Jahren eine Outperformance von bis zu fünf Prozentpunkten erzielt.

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