Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2003

09:32 Uhr

Hilfspakete für die Wiederaufbau

Opfer der Jahrhundertflut lassen Fördergelder liegen

Das jüngste Hochwasser hat Deutschland überrascht, noch bevor die Schäden der Jahrhundertflut aufgearbeitet sind. Die Hilfstöpfe der staatlichen Förderbanken sind erst zu einem geringen Teil ausgeschöpft. Die hohe Spendenbereitschaft der Bevölkerung, die Hilfen von Bund und Ländern sowie die Verschiebung größerer Bauvorhaben bremsten den Ansturm auf diese Gelder. Außerdem haben viele Betroffene noch keinen Überblick über ihre Schäden.

HB/dpa FRANKFURT. Für den Wiederaufbau stellte die Bundesregierung einen Hilfsfonds mit insgesamt 7,1 Milliarden Euro zusammen, darin waren auch die Flut-Hilfen der Förderbanken enthalten. Von den Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wurden bislang etwa ein Drittel zugesagt.

Möglicherweise hängt das auch mit den zunächst übertrieben hohen Schadensschätzungen zusammen. Zunächst hatte die Bundesregierung 20 Milliarden Euro befürchtet. Nach jüngsten Regierungszahlen vernichtete das Hochwasser an Elbe und Donau aber Häuser, Betriebe und Straßen im Wert von rund 9,1 Milliarden Euro. Bei privaten Haushalten wurden Werte von rund 2,5 Milliarden Euro fortgespült, Betriebe verloren 1,4 Milliarden Euro. Am größten ist die Nachfrage nach Flut-Zuschüssen der DtA, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

Das Bonner Institut, seit Dezember in die KfW integriert, verwaltet einen 600 Millionen Euro großen Hilfstopf. Die zugesagten Mittel belaufen sich bislang auf etwa 180 Millionen Euro, wobei erst über vier Fünftel der Anträge entschieden wurde. Der Löwenanteil floss mit 175 Millionen Euro nach Sachsen.

Die Sachsen-Anhaltiner und die Bayern erhielten 4,5 und 2 Millionen Euro. "Viele Betroffene zögern größere Baumaßnahmen hinaus", erläutert der DtA-Koordinator für die Fluthilfe, Jürgen Struckmann. Handwerker seien wegen der hohen Nachfrage zur Zeit teuer, außerdem seien die Wände zahlreicher Gebäude noch feucht. "Daneben braucht es manchmal auch Zeit, bis man das Ausmaß der Schäden abschätzen kann." Hinzu käme, dass Anfragen auf hohe Zuschüsse gründlicher bearbeitet würden.

Anträge könnten aber noch bis Ende Mai 2003 gestellt werden. "Dann wird unser Volumen sicher ausgeschöpft sein", betont Struckmann. Die Nachfrage nach Flut-Sonderkrediten sei deutlich geringer gewesen. Dies trifft auch auf die angebotenen Förderkredite der KfW zu. Von 100 Millionen Euro erhielten hochwassergeschädigte Mittelständler und Wohnungsbesitzer Zusagen über knapp 24 Millionen Euro.

"Unsere Programme sind nur ein wichtiges Element in einer Palette von Bausteinen", erklärt eine KfW-Sprecherin. "Der Bedarf war nicht so groß angesichts der Spenden und sonstigen Hilfen." Schon bei anderen Flutkatastrophen wie dem Oder-Hochwasser habe die Bank die Erfahrung gemacht, dass auch andere Hilfsmaßnahmen eine große Rolle spielten. "Mit den Soforthilfen und Zuschussprogrammen konnte schon der wesentliche Anteil der Schäden ausgeglichen werden", berichtet der Ostdeutsche Sparkassen- und Giroverband. "Die KfW-Darlehen wurden im Wesentlichen für Schadensklassen von einer Million Euro und darüber benötigt, die nicht so häufig vorkamen."

Die KfW-Darlehen müssen zurückgezahlt werden, außerdem hat eine Hausbank für 20 Prozent der Kreditsumme zu haften. "Dafür stehen diese Kredite sehr schnell zur Verfügung", ergänzt die KfW. 158 kleine und mittlere Betriebe bekamen 8,9 Millionen Euro zugesprochen. Etwa 500 Privatleute können mit 15 Millionen Euro rechnen, um Schäden an Wohnungen zu beheben. Auch bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank sind von den Hilfskrediten in Höhe von 100 Millionen Euro erst 27,5 Millionen Euro zugesagt. Die Mittel sollten Bauern helfen. "Die Spenden fielen deutlich höher als erwartet aus, außerdem müssen viele ihre Schäden erst einmal feststellen", sagt eine Sprecherin des Spezialinstituts.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×