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16.06.2000

21:29 Uhr

Hintergrund angeblich bekannt

Mutmaßliche Draskovic-Attentäter verhaftet

Nach dem Anschlag auf den serbischen Oppositionsführer nahm die montegrinische Polizei mehrere Täter fest. Angeblich wissen die Behörden auch, wer die Tat angeordnet hat.

ap PODGORICA/BUDVA. Knapp einen Tag nach dem Anschlag auf den serbischen Oppositionsführer Vuk Draskovic hat die montenegrinische Polizei am Freitagabend die mutmaßlichen Attentäter verhaftet. Der stellvertretende Innenminister Vuk Boskovic sagte in Podgorica, die Polizei habe die Waffen beschlagnahmt und Helfer der Attentäter festgenommen. Außerdem sei bekannt, wer die Tat angeordnet habe. Draskovic war in der Nacht zum Freitag in seinem Ferienhaus in Budva beschossen und am Kopf leicht verletzt worden. Er beschuldigte den serbischen Geheimdienst, hinter dem Anschlag zu stecken.

Boskovic sagte weiter, die Täter seien Draskovic von Serbien aus nachgereist, um ihn zu ermorden. Weitere Einzelheiten nannte er nicht, kündigte aber eine Erklärung zu einem späteren Zeitpunkt an.

Zur Zeit des Anschlags war der Führer der Serbischen Erneuerungsbewegung nach eigenen Angaben allein in seinem Haus an der Adria-Küste. Nachdem eine Kugel seine Schläfe streifte, warf sich der 53-Jährige zu Boden. Eine zweite Kugel traf sein Ohrläppchen. Nach den Schüssen flüchtete er aus der Wohnung und verständigte bei Nachbarn die Polizei. Er wurde in ein Krankenhaus nach Kotor gebracht und nach kurzer Behandlung entlassen. Nach Angaben eines Beraters beobachtete Draskovic zwei Attentäter.

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP beschuldigte Draskovic den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, ihn umbringen und das Land zu einem "gesetzlosen Konzentrationslager" machen zu wollen. Der Anschlag sei mit Sicherheit vom serbischen Geheimdienst organisiert worden, sagte Draskovic weiter.

Draskovic hielt sich in Montenegro ohne seine vier Leibwächter auf, die vor zwei Wochen wegen illegalen Waffenbesitzes verhaftet wurden. Laut seiner Frau hatte Draskovic die montenegrinische Polizei von seinem Aufenthalt unterrichtet, Personenschutz aber abgelehnt.

Vertreter der Serbischen Erneuerungsbewegung trafen sich in Belgrad zu einer Krisensitzung. Mitglieder anderer serbischer Oppositionsparteien verurteilten den Anschlag als Versuch, das Land in Anarchie und Chaos zu stürzen. Die staatliche Nachrichtenagentur Tanjug meldete die Tat kurz und sprach von einem unklaren Hintergrund.



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