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27.01.2003

12:52 Uhr

Hitzfeld will Titel mit Rekordvorsprung

Spannungs-Killer FC Bayern

Als in letzter Minute auch noch Giovane Elber seinen exakt drei Monate währenden Torfluch besiegte, war das Glück für "Wintermeister" Bayern München und Ottmar Hitzfeld endgültig komplett. So entspannt und unantastbar wie seit langem nicht mehr, konnte der 54 Jahre alte Trainer des Tabellenführers am Montag in München seine Biografie vorstellen, die er nach dem ungefährdeten 3:0-Heimsieg im Bundesliga-Klassiker gegen Borussia Mönchengladbach schon bald mit seinem sechsten deutschen Meistertitel fortschreiben dürfte.

HB/dpa MÜNCHEN. "Besser kann es nicht sein", frohlockte angesichts von acht Punkten Vorsprung sogar Chef-Kritiker Franz Beckenbauer, nachdem er "seinen" Bayern noch am Spieltag eine labile Psyche und die Neigung zum Schlendrian unterstellt hatte.

Das Gegenteil ist der Fall. Statt Arroganz und Leichtsinn haben beim souveränen Tabellenführer die verschärfte Trainingsarbeit und höchste Konzentration erste Früchte getragen. "Die Konkurrenz hatte eigentlich zur Jagd geblasen, doch es war eindeutig der Spieltag des FC Bayern", stichelte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in Richtung der gestrauchelten Verfolger Borussia Dortmund und Werder Bremen. Der 18. Meistertitel scheint nur noch Formsache: "Wir können uns nur selbst ein Bein stellen", sagte Abwehrspieler Thomas Linke.

Hitzfeld denkt insgeheim an eine Verbesserung des Rekordvorsprungs von 15 Punkten bei seinem ersten Titelgewinn mit den Bayern im Jahre 1999. "Wir wollen den Vorsprung ausbauen, nicht verteidigen", betonte er. Die Entlassungs-Ängste nach dem kläglichen Champions-League-K.o., die der 54-Jährige in seiner Biografie verrät, sind kein Thema mehr. Auch die Kritik der Bayern-Bosse an seiner Arbeit ist verstummt.

Gegen hilf- und mutlose Gladbacher passte einfach alles: Owen Hargreaves erzielte im 58. Spiel endlich sein erstes Bundesligator (25.) und entwickelt sich zu einer ernsthaften Alternative auf der Position des rechten Verteidigers. "Es wäre fatal, ihn nicht auf der Position aufzustellen", meinte Manager Uli Hoeneß. Alexander Zickler bewies beim 2:0 in der 85. Minute einmal mehr seinen Wert als Edel- Joker. Und der viel gescholtene Torjäger Elber beendete mit seinem Hacken-Treffer (89.) nicht nur seine seit dem 26. Oktober währende Torflaute, sondern erntete sogar Lob. "Er hat nicht nur getroffen, sondern sehr gut gespielt und sehr viel gearbeitet", sagte Hoeneß.

Abgerundet wurde die heile Bayern-Welt vom erneuten "zu Null" der Defensive. Nationaltorhüter Oliver Kahn fehlen nach 623 Minuten ohne Gegentor nur noch 113 Minuten zu seiner Bundesliga-Bestmarke aus dem Meisterjahr 1999. Ohne Champions League gibt es für den Kapitän keine Auzsreden mehr: "Wir können in allen Spielen Vollgas geben. Bei uns steht jetzt Disziplin an erster Stelle."

Die Gladbacher waren nicht mehr als ein Sparringspartner für den Rekordmeister - zu harmlos war der einstige Titelrivale. Trainer Hans Meyer nahm die "standesgemäße" Schlappe allerdings nicht tragisch: "Über solche Niederlagen zerbreche ich mir am wenigsten den Kopf." Der Tabellen-15. orientiert sich nicht am Spitzenreiter. "Das, was sich hinten in der Tabelle tut, ist interessanter als das, was sich vorne tut", meinte Meyer. Immerhin feierte Torjäger Arie van Lent im Olympiastadion ein Kurz-Comeback nach seinem Kreuzbandriss. Wie dringend der 32-Jährige bei der Borussia gebraucht wird, machte der Stürmer selbst deutlich: "Wir haben wenig Torgefahr ausgestrahlt."

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