Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2000

21:57 Uhr

Höchste jemals in den USA verhängte Zivilstrafe

US-Tabakindustrie soll 145 Milliarden Dollar Strafe zahlen

Nun wird den Tabakkonzernen die Luft abgedreht. Die betroffenen Unternehmen sind jedoch zuversichtlich, die Revisionsverhandlung zu gewinnen.

Reuters MIAMI. Eine US-Jury im Bundesstaat Florida hat die führenden US-Tabakkonzerne und zwei Brancheninstitute zu Schadensersatz für kranke Raucher in Höhe von umgerechnet 303 Milliarden DM verurteilt. Die Jury ordnete am Freitag in Maimi nach mehrstündigen Beratungen an, dass die führenden fünf Konzerne zusammen 142,7 Milliarden Dollar zahlen müssen, während zwei von der Industrie ins Leben gerufene Institute zusammen zu einem Schadensersatz 2,2 Milliarden Dollar verpflichtet seien. Die Verfügung wird jedoch zunächst nur wenig Wirkung entfalten, da die Konzerne die Verantwortung für die Erkrankungen von Rauchern ablehnen und über eine moderatere Schadensersatzsumme verhandeln werden.



Der US-Branchenführer Philip Morris wurde von der Jury zu einem Schadensersatz in Höhe von 73,96 Milliarden Dollar verurteilt. Der Hersteller der Zigarettenmarke "Marlboro", der am Verkauf jeder zweiten Zigarette in den USA beteiligt ist, erklärte nach Verkündung der Juryentscheidung durch einen Rechtsanwalt, man erwarte "praktisch keine Wirkung" von dem Juryspruch. Der US-Branchenzweite R.J.Reynolds ("Camel) muss der Verfügung zufolge 36,28 Milliarden Dollar zahlen.



Die festgesetzten Schadensersatzsummen sind mit Abstand die höchsten, die bislang gegen US-Unternehmen verhängt wurden. Die höchste Summe musste bisher der Autohersteller General Motors mit 4,8 Milliarden Dollar zahlen, weil sechs Menschen von einem explodierten Treibstofftank verletzt wurden. Seit 1988 streben Raucher in den USA Klagen gegen die Tabakkonzerne an. Im November 1998 einigten sich die US-Branche und mehrere Dutzend US-Bundesstaaten, dass die Industrie bis zum Jahr 2021 insgesamt mehr als 200 Milliarden Dollar zur Vor- und Nachsorge zur Verfügung stellt.



Branchenanalyst David Adelman von Morgan Stanley Dean Witter hält die Entscheidung in der Sammelklage in Florida für "bedeutungslos". Seiner Einschätzung zufolge werden die Konzerne Rechtsmittel einlegen und den Prozess gewinnen. Die Höhe der Schadensersatzsumme sei "absurd", die für die "Absurdität" des ganzen Verfahrens stehe.



An der New Yorker Börse erhielten die Aktien der Tabakkonzerne einen Dämpfer, erholten sich im Verlauf aber von den zunächst deutlichen Kursverlusten. Philip Morris schwächten sich um zunächst um einen Dollar ab, schlossen dann aber lediglich 3-16 niedriger bei 24-11/16 Dollar. Reynolds erholten sich von einem anfänglichen Verlust von 1-5/8 Dollar und schlossen 15/16 Dollar tiefer bei 26-03/16 Dollar. Bei Loews Corp, dem Besitzer des Branchendritten Lorillard Tobacco kam es zu Einbußen von 7/16 Dollar auf 63-01/16 Dollar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×