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26.06.2000

16:43 Uhr

Höchste Steigerung seit neun Jahren

Kraftstoffpreise heizen Inflation in Deutschland an

Die hohen Preise für Rohöl und Mineralölprodukte haben die Inflation in Deutschland im Juni beschleunigt.

Reuters FRANKFURT. Die anhaltend hohen Preise für Rohöl und Mineralölprodukte haben die Inflation in Deutschland im Juni beschleunigt. Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise auf Basis vorläufiger Berechnungen im Juni mit einer Jahresrate von 1,9 % und zum Vormonat um 0,6 %. "Die Beschleunigung des Preisanstiegs ist im wesentlichen auf die Preise für Kraftstoffe zurückzuführen, die im Juni rund neun Prozent höher waren als im Mai", teilte das Bundesamt mit. Der Euro fiel kurzzeitig unter die Marke von 93 Cents, stabilisierte sich am Mittag jedoch leicht darüber.

Im Mai hatte die Teuerung im Jahresabstand noch bei 1,4 % gelegen und war gegenüber dem Vormonat mit minus 0,1 % sogar leicht rückläufig. Zuvor hatte das Amt bereits für die Erzeugerpreise im Mai im Jahresabstand einen beschleunigten Anstieg auf 2,7 (2,1) Prozent ermittelt. Gegenüber dem Vormonat verlangsamte sich der Preisanstieg im Mai dagegen etwas auf 0,3 (0,4) Prozent. Auch hier beeinflussten den Angaben zufolge steigende Preise für Mineralölprodukte die Entwicklung stark.

Analysten erwarten, dass die Inflation in der Euro-Zone kurzzeitig über die Marke von 2,0 % steigen könnte. Für Deutschland sei mit 1,9 % die Spitze aber möglicherweise schon erreicht, hieß es bei einer Frankfurter Großbank. Am europäischen Rentenmarkt gerieten die Kurse erneut unter Druck, Auch der Euro fiel am Vormittag kurzzeitig unter die Marke von 0,93 $ gegen einen Schlusskurs am Freitag in New York von 0,9363/67 $. Am Mittag notierte der Euro mit Kursen um 0,9315 $ wieder etwas fester.

Analysten macnten vor allem die gestiegenen Rohölpreise und den weiterhin vergleichsweise schwachen Euro für den Preisanstieg verantwortlich. Da jedoch eine Erholung des Euro und ein Rückgang der Ölpreise erwartet werde, sei der Inflationsdruck wohl nur vorübergehend. Nach dem Entschluss der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die Ölförderung nur moderat um 708 000 Barrel (1 Barrel = 159 Liter) pro Tag zu erhöhen, war der Ölpreis jedoch bereits in der vergangenen Woche wieder gestiegen. Branchenepxerten hatten erklärt, die Fördererhöhungen würden kurzfristig kaum etwas an den hohen Ölimportkosten der Industrienationen ändern, weil die von der Opec beschlossene Ausweitung der Produktion nicht ausreichend sei.

Die vorläufigen Verbraucherpreisdaten für Deutschland werden vom Statistischen Bundesamt auf der Basis von Daten aus sechs deutschen Bundesländern ermittelt. Am Montag hatten Nordrhein-Westfalen und Brandenburg als letzte Länder ihre Preisdaten bekannt gegeben. In Brandenburg betrug die Teuerung im Juni im Jahresvergleich 2,0 (Mai plus 1,4) Prozent. In Nordrhein-Westfalen zogen die Preise sogar um 2,2 (Mai plus 1,7) Prozent an. Auch in den übrigen Bundesländern, deren Daten in die Rechnung des Bundesamtes eingehen, lag der Preisanstieg leicht über oder nahe an der Marke von 2,0 %. Bis zu diesem Wert sieht die Europäische Zentralbank (EZB) im Hinblick auf die Euro-Zone die Preisstabilität gewährleistet.

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