Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2001

19:00 Uhr

Höhere Förderung in Russland und der Nordsee – Kampf um Marktanteile wird härter

Analyse: Opec will einen Ölpreisverfall verhindern

VonHEINZ JÜRGEN SCHÜRMANN

Das Ziel der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) kommt einer Quadratur des Kreises nahe: Die Preisausschläge auf den Weltölmärkten sollen begrenzt werden. Dies setzt voraus, dass die Erdölförderung immer einer stark schwankenden Nachfrage angepasst werden kann. Morgen wollen die Ölminister der Opec in Wien eine Verringerung ihrer Produktionsquote beschließen, um eine preisdrückende Ölschwemme zu verhindern.

Die Preisturbulenzen der letzten drei Jahre waren selbst für die an unruhige Zeiten gewöhnte Weltölindustrie einmalig. Dabei wurde die letztjährige Erdölproduktion weltweit kräftig gesteigert. Der Zuwachs machte immerhin beinahe vier Prozent aus. Die meisten Ölexperten sind davon überzeugt, dass in den letzten Monaten eigentlich genug Öl in die Märkte gepumpt worden ist, um keine angespannte Versorgungslage entstehen zu lassen. Dennoch kamen Preisspekulationen immer wieder zum Tragen.

Ursächlich hierfür waren sowohl Engpässe in der Mineralölverarbeitung und beim Öltransport als auch stark abgebaute Mineralöllagerbestände und geringe Kapazitätsreserven für den Fall überraschender Produktionsausfälle. Nicht zuletzt der ständig drohende Ausfall irakischer Ölexporte verunsicherte die Märkte zusätzlich.

Für die Öl exportierenden Entwicklungsländer ist nun aber der Rückenwind wesentlich schwächer geworden. Ende Dezember fielen die Rohölnotierungen erstmals wieder aus der von der Opec anvisierten Spanne zwischen 22 und 28 Dollar je Barrel nach unten. Ohne die Ankündigung der Kartellmitglieder, ihre Produktionsmengen nennenswert zu drosseln, wäre wohl bereits im besonders verbrauchsstarken Winter die marktpsychologisch wichtige 20-Dollar-Marke durchbrochen worden. Auf ihrer im November 2000 vereinbarten Sondertagung wollen die elf Ölminister der Opec schon ihre Marktopfer abstimmen; ursprünglich war dies erst für den März geplant.

Im Frühjahr soll es keinen Preissturz geben

Diskutiert wird im Kartelllager über eine Verringerung der Produktionsquote um 1,5 bis 2,0 Millionen Barrel pro Tag. Die Kartellmitglieder wollen so Vorsorge treffen, dass im Frühjahr keine Talfahrt der Ölpreise einsetzt. Im Kartelllager ist eine bittere Lektion aus der Vergangenheit nicht vergessen worden, dass nämlich eine einmal begonnene Spekulation auf sinkende Preise nur schwer gestoppt werden kann. Diesmal soll rechtzeitig ein glaubwürdiges Signal gesetzt werden. Im Kartelllager bestehen jedoch Konfliktpotenziale: Auf der einen Seite wollen Anbieter mit relativ geringen Vorräten und großen finanziellen Nöten wie Venezuela, Iran oder Algerien schon kurzfristig Rohölpreise dauerhaft oberhalb der 30-Dollar-Marke realisieren; auf der anderen Seite sorgen sich Länder wie Saudi-Arabien angesichts gigantischer Ölreserven über eine allzu forcierte Verdrängung ihres Erdöls bei allzu hohen Preisen. In Riad wird ein Ölpreis von 25 Dollar favorisiert.

Einiges spricht dafür, dass der Kompromiss bei der Quotenverringerung bei 1,5 Millionen Barrel pro Tag liegt. So könnte zwei Faktoren Rechnung getragen werden: erstens einer Verlangsamung des Wachstums des Weltölverbrauchs und zweitens einer Steigerung der Ölproduktion in kartellungebundenen Regionen wie der Nordsee und Russland. Beide Quellen werden 2001 ihre Ölförderung nachhaltig steigern. Die Saudis wollen einem Verfall der Ölpreise rechtzeitig vorbeugen

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×