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04.03.2003

18:00 Uhr

Hoffnungsträger Breitband und UMTS

Cebit im Zeichen neuer Bescheidenheit

Von der einst gefeierten New Economy ist wenig übrig geblieben. Die Zeit überschwänglicher Wachstums- und Gewinnprognosen für die Informations- und Telekommunikationsbranche (ITK) ist vorbei. Die weltgrößte Computermesse Cebit in Hannover steht deshalb kommende Woche im Zeichen einer neuen Bescheidenheit.

Reuters HANNOVER. Nach mehr als 7900 Ausstellern im Vorjahr haben sich diesmal nur noch 6526 Unternehmen und Institutionen aus aller Welt angemeldet. Die Cebit bleibe dennoch das weltweit führende Forum einer Branche, die nach dem besonders schwierigen Jahr 2002 wieder auf Zuwächse hoffe, erklärte die Deutsche Messe AG am Dienstag. Allein 700 Aussteller konnten im vorigen Jahr ihren Cebit-Auftritt nicht bezahlen und tauchen in der offiziellen Messe-Bilanz für 2002 gar nicht mehr auf.

In der Branche werden inzwischen von Managern Sünden der Vergangenheit eingeräumt. Ende der 90er Jahre habe niemand gewagt, gegen die von Unternehmen im Verbund mit Börsenanalysten und Medien geschürte Aufbruchstimmung anzugehen. "Wer damals nicht für Milliardenbeträge in Übernahmen investierte, bekam intern doch Schwierigkeiten", sagt ein Manager. Zur Cebit 2003, die von Mittwoch kommender Woche an rund 600 000 Besucher erwartet, ist der Neue Markt - Quelle aller New-Economy-Euphorie in Deutschland - der Börse bereits nahezu Geschichte.

An dem Vertrauensverlust in die Branche leiden noch viele derjenigen, die mit seriösen Geschäftsideen und solider Finanzierung überlebt haben. So berichten Unternehmen inzwischen von großen Schwierigkeiten, einen Kredit für eine Investition zu bekommen. 2002 gilt als Jahr der Konsolidierung. "Die Branche hat an Reife gewonnen", sagt der Vizepräsident des Branchenverbandes Bitkom, Jörg Menno Harms.

Das gilt vor allem für Deutschland, dem einzigen Land, in dem die Informations- und Telekommunikationstechnik (ITK) im vergangenen Jahr sogar zwischen einem und zwei Prozent an Geschäft verloren hat. Europaweit war zumindest ein schwaches Wachstum von 0,6 Prozent zu verzeichnen. Bei deutschen ITK-Unternehmen gingen laut Bitkom rund 35 000 Stellen verloren. Mit gut 780 000 Beschäftigten sei damit der Stand von Anfang 2000 wieder erreicht. Auch in diesem Jahr dürften nochmals 10 000 Stellen wegfallen.

Viele Unternehmen, die noch in den vergangenen zwei Jahren auch auf der Cebit für Wirbel sorgten, sind von der Bildfläche verschwunden. "Die Marktschreier sind gescheitert an ihrem eigenem lauten Gerede", sagt Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. Manchen Firmen breche allein schon der ein in der Euphorie auf zehn Jahre festgelegter Mietvertrag für noble Geschäftsräume in teuerster City-Lage das Genick. "Dennoch dürften in diesem Jahr wohl viele Manager der Branche wieder besser schlafen." Die Gründe: Viele Unternehmen hätten ihre Kosten in den Griff bekommen und gelernt, in einem schrumpfenden Markt mit geringerem Umsatz Gewinne zu machen.

Und es werden noch Wachstumsfelder gesehen. In der Wirtschaft hält trotz der Konjunkturkrise bis in den Mittelstand hinein die Digitalisierung Einzug. "Da findet inzwischen vieles unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt", sagt Rohleder. ITK-Dienstleistungen werden zunehmend ausgegliedert. In Zeiten schwacher Konjunktur können sich etliche Unternehmen keine eigenen IT-Fachleute mehr leisten. Auch an eigenen Rechnern und Software wird gespart. Statt dessen bieten Service-Provider diesen Firmen Rechnerleistung per Internet an. Dagegen schrumpft das Geschäft der Hardware-Hersteller weltweit.

In Europa rechnet Bitkom 2003 mit einem Branchenwachstum von 2,3 Prozent auf 650 Milliarden Euro, weltweit mit 4,5 Prozent auf 2,25 Billionen Euro. In Deutschland sei nur eine "schwarze Null", ein Plus unter einem Prozent zu erwarten. Deutschland hat bei der Nutzung neuer Technologien im europäischen Vergleich großen Nachholbedarf. In den USA steht laut Bitkom in 85 Prozent der Haushalte ein Computer, in Deutschland liegt der Anteil bei 35 Prozent. Gleichwohl werde per Internet nirgends in Europa so viel umgesetzt wie in Deutschland.

Hoffnungen setzt die Branche auch weiterhin auf die Breitbandtechnologie und den seit langem angekündigten neuen Mobilfunkstandard UMTS. "Es wird mobile Breitbandnetze geben. UMTS wird noch eine große Geschichte", gibt sich Rohleder überzeugt, auch wenn die potenziellen Anbieter unter der milliardenschweren Schuldenlast des UMTS-Lizenzerwerbs ächzen. Der Bedarf an schnellerer Übertragung großer Datenmengen, ob per Breitband-Festnetz oder mobil per UMTS-Handy sei gerade in der Wirtschaft groß, sagt Rohleder.

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