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17.07.2000

15:53 Uhr

afp FRANKFURT/KÖLN. Die Commerzbank kann ihre Strategieentscheidungen künftig ohne Einmischung des Großaktionärs CoBra fällen. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) untersagte der Investorengruppe überraschend, ihre Stimmrechte auszuüben, wie eine BAKred-Sprecherin am Montag in Berlin bestätigte. Zu den Gründen wollte sie sich aus Vertraulichkeitsmotiven nicht äußern. Das Bundesaufsichtsamt ist grundsätzlich verpflichtet, die Zuverlässigkeit von Anteilseignern an Finanzinstituten zu überprüfen. CoBra-Chef Hansgeorg Hofmann kündigte umgehend Rechtsmittel gegen den Beschluss an. Die Commerzbank, die gegenwärtig mit der Dresdner Bank über eine Fusioin verhandelt, gab an der Börse kräftig nach.

BAKred-Sprecherin Kristin Witt sagte, der Bescheid gegen die CoBra Beteiligungsgesellschaft GmbH sei am Freitag ergangen. Das Bundesaufsichtsamt muss Beteiligungen an Finanzinstituten prüfen, sobald diese zehn Prozent überschreiten. Witt betonte, vergleichbare Fälle einer Stimmrechtsuntersagung seien äußerst selten.

CoBra verfügte bislang via Aktienoptionen über 17 % der Stimmrechte am Commerzbank-Kapital. Hofmann betonte nun, die Gesellschaft habe schon vor der Verfügung des Bundesaufsichtsamtes auf die Ausübung der Stimmrechte verzichtet. Sie würden von den mit CoBra verbundenen Aktionären nun selbst ausgeübt. Damit laufe der Beschluss des Amtes "ins Leere". Zudem stütze sich die Untersagung der Stimmrechtsverfügung ausschließlich auf einen von Hofmann selbst angezeigen steuerrechtlichen Verstoß. Der ehemalige Dresdner Bank-Vorstand hatte im November 1997 seinen Vorstandsposten geräumt, nachdem er in einer Selbstanzeige private Steuerhinterziehungen eingestanden hatte. Hofmann verwies darauf, dass der Verstoß vor drei Jahren straffrei geblieben sei und mit seiner Funktion als Bankvorstand nichts zu tun gehabt habe.

Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch sprach von einer "wichtigen Entscheidung" für die Bank, wollte aber keine weitere Einschätzung des Schrittes geben. Der Kurs der Commerzbank-Aktie fiel zeitweise um fast fünf Prozent, nachdem der BAKred-Beschluss bekannt geworden war. Die Aktie notierte gegen 16.30 Uhr dann aber wieder bei 37,20 Euro (72,76 DM), was noch einem Minus von 3,6 % entsprach. Händler betonten mit einem Blick auf den möglicherweise notwendigen Verkauf der CoBra-Anteile, die Zukunft der Commerzbank sei nun wieder offen. Zu den Fusionsverhandlungen mit der Dresdner als drittgrößter Bank Deutschlands wurde betont, der Commerzbank-Partner gehe angesichts der bisher schwierigen Haltung von CoBra gestärkt in die nächsten Verhandlungsrunden.

Zwischen der Investorengruppe CoBra, hinter der vor allem die Geschäftsleute Klaus-Peter Scheidewind und Clemens Johannes Vedder mit der Firma Rebon BV stehen, und der Commerzbank-Führung war es zum offenen Konflikt über die künftige Strategie des Unternehmens gekommen. Während Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen Kooperationen auf nationaler Ebene und eher lose Bündnisse mit ausländischen Partnern anstrebt, dringt CoBra auf eine internationale Fusion.

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