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26.07.2000

16:03 Uhr

Reuters FRANKFURT. Die Dresdner Bank hat im ersten Halbjahr ihr operatives Ergebnis zwar deutlich gesteigert, nach Steuern und Sondereinflüssen jedoch einen zweistelligen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. "Zum Wachstum haben vor allem der Provisionsüberschuss und das Handelsergebnis mit zweistelligen Zuwachsraten maßgeblich beigetragen", heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung der Dresdner Bank. Analysten sagten, einige Positionen seien ungewöhnlich hoch ausgefallen.

Wie die Dresdner Bank mitteilte, erhöhte sich der Gewinn vor Steuern und Sonderfaktoren in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr um 63 % auf 1,434 Mrd. Euro. Neben den deutlichen Zuwächsen im Provisionsgeschäft und beim Handelsergebnis habe sich auch die weitere Reduktion branchenfremder Beteiligungen der Bank positiv niedergeschlagen. Nach Steuern und Sonderfaktoren sank der Gewinn im 1. Halbjahr um gut 17 % auf 420 Mill. Euro.

Die Sonderbelastungen der Dresdner Bank beliefen sich den Angaben zufolge im 1. Halbjahr insgesamt auf 728 Mill. Euro. Davon wurden 478 Mill. Euro "für die Sicherung der Wettbewerbsposition" veranschlagt. Hierzu gehören Kosten, die im Zusammenhang mit den fehlgeschlagenen Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank entstanden waren. Daneben wurde erstmals ein Restrukturierungsaufwand in Höhe von 250 Mill. Euro zur Steigerung der Produktivität des inländischen Vertriebsnetzes ausgewiesen.

Belastet wurde das Ergebnis auch durch die deutlich gestiegene Risikovorsorge im Kreditgeschäft. Auf Grund bislang unentdeckter Immobilienrisiken im Volumen von 200 Mill. Euro stieg die Risikovorsorge im Kreditgeschäft den Angaben zufolge in den ersten sechs Monaten um 27 % auf 546 Mill. Euro. Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz erklärte vor der Presse, bei der mit dem Immobiliengeschäft betrauten Einheit der Dresdner, die Deutsche Hypothekenbank, seien Immobilienrisiken in entsprechender Höhe entdeckt worden. Diese hingen mit Geschäften in Ostdeutschland zwischen 1995 bis 1997 zusammen. Drei Vorstandsmitglieder der Deutschen Hypothekenbank seien daraufhin von ihren Ämtern entbunden worden.

Analysten sagten, Zinsüberschuss und Handelsergebnis der Dresdner Bank seien gemessen an den Rahmenbedingungen unerwartet hoch ausgefallen. "In diese beiden Positionen ist viel hineingepackt worden", sagte ein Bankenanalyst aus Frankfurt. Durch Ausschöpfen der legalen, bilanztechnischen Möglichkeiten sei damit versucht worden, die Bewertung der Bank im Hinblick auf die Fusionsgespräche mit der Commerzbank zu verbessern. "Das gleiche gilt auch für die Commerzbank", fügte er hinzu. In der nächsten Zeit sei bei der Dresdner verstärkt mit steigenden Erträgen aus Finanzanlagen der zu rechnen, hieß es weiter. "Da sind durchaus noch einige Mrd. drin, das Pulver ist noch nicht verschossen", sagte er weiter.

Dresdner-Bank-Chef Fahrholz hatte am Mittwoch bekräftigt, die Dresdner Bank wolle ihre branchenfremden Beteiligungen "selektiv" abstoßen. Im Beteiligungsportfolio der Dresdner Bank seien die Kursreserven im 1. Halbjahr gegenüber Jahresende um 1,8 Mrd. auf 14,3 Mrd. Euro gestiegen.

Dresdner-Bank-Aktien lagen gegen 15.00 Uhr MESZ wegen der geplatzten Fusionsgespräche mit der Commerzbank gut vier Prozent im Minus bei 45,65 Euro, nachdem sie am Vormittag kurzzeitig vom Handel ausgesetzt worden waren.

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