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13.02.2003

08:07 Uhr

Hohe Risikovorsorge belastet die Institute

Sparkassen feilen an Sicherungsfonds

VonCASPAR DOHMEN

In zwei Jahren fallen die Staatsgarantien für Sparkassen weg. Deshalb überarbeiten die Institute ihre eigenen Sicherungseinrichtungen. Eine Sparkassenpleite müsse ausgeschlossen bleiben, fordert der westfälisch-lippische Sparkassenpräsident Rolf Gerlach. Eine weitere Kapitalspritze für die WestLB erwartet er nicht.

BOCHUM. "Niemals geht in Deutschland eine Sparkasse pleite, das muss auch in Zukunft gelten", fordert der Präsident des Westfälisch-Lippischen Sparkassen Verbandes (WLSGV), Rolf Gerlach, angesichts der Bankenkrise. Derzeit sind die 537 Sparkassen doppelt abgesichert: durch den Staat und die eigenen Feuerwehrfonds. Doch nach dem Auslaufen der staatlichen Bestandsgarantien 2005 bleiben nur die Sicherungsfonds der Sparkassenfinanzgruppe übrig. Doch im Gegensatz zum Staat, der immer einspringt, entscheiden die Sicherungseinrichtungen fallweise, ob sie einem angeschlagenen Institut unter die Arme greifen.

"Man muss über eine stärkere haftungsmäßig Verknüpfung nachdenken," sagte Gerlach auf einer Pressekonferenz in Bochum. Derzeit überprüfe eine Arbeitsgruppe des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), ob die Haftungsverpflichtung der Sicherungseinrichtungen künftig verbindlich werde. Bis Mai erwartet Gerlach, der auch dem DSGV-Präsidium angehört, eine Vorentscheidung.

Seit 1992 mussten die derzeit mit rund 1,5 Mrd. Euro ausgestatteten zwölf regionalen Sicherungsfonds der Sparkassen in zwölf Fällen einspringen. Dabei sollen Mittel in einer Höhe von netto 784 Mill. Euro geflossen sein, der größte Teil zur Sanierung der Sparkasse Mannheim. Aus diesem Fall zog die Landesregierung Baden-Württemberg auf Druck der Sparkassen Konsequenzen. Seit dem Ende vergangenen Jahres können sanierungsreife Sparkassen vom regionalen Sparkassenverband übernommen werden. Dies sichert den Sparkassen, welche über die Sicherungseinrichtung quasi die Sanierung bezahlen, bei angeschlagenen Instituten Einfluss. Eine Regelung wie in Baden-Württemberg kann sich Gerlach auch in den anderen Regionen vorstellen.

Dagegen lehnt er die Überlegungen ab, möglichst viele Aufgaben der Sparkassen in Abwicklungsfabriken zu zentralisieren. "Dieser modische Fabrikgedanke ist kein Bild der Zukunft." Entsprechende Überlegungen beispielsweise bei den rheinischen Sparkassen will er nicht nachahmen. Diese wollen bei einzelnen Sparkassen Zentralen für bestimmte Aufgaben schaffen, etwa für den Zahlungsverkehr. "Es macht keinen Sinn, eine Sparkasse auf den Vertrieb und die Steuerungsfunktion zu beschränken - sie muss ein vollständiges Kreditinstitut bleiben", erklärt der Sparkassenpräsident entschieden. Ohnehin würden die Einspareffekte solcher von Beratern vorangetriebenen Bankfabriken oft überschätzt. Allein die Hälfte der vermeintlichen Kosteneinsparungen durch eine Abwicklungsbank könnten durch Verbesserungen in den einzelnen Häusern erreicht werden. Zudem warnt Gerlach vor einem Indentitäts- und Motivationsverlust bei den Mitarbeitern durch eine Auslagerung des Sparkassengeschäfts im großen Stil. Durch diese "Entgrätung" würden die Sparkassen ihre eigene Grundlage untergraben.

Zu schaffen macht den westfälisch-lippischen Sparkassen wegen der anhaltenden Konjunkturflaute das Firmenkreditgeschäft. Im Schnitt hätten die Institute vergangenes Jahr von einem verdienten Euro 46 Cent für die Risikovorsorge aufwenden müssen, räumte Gerlach ein: "Dies ist das schlechteste Bewertungsergebnis im Kreditgeschäft der vergangenen zehn Jahre." Gleichzeitig verzeichneten die Sparkassen einen Tilgungsboom, sowohl bei den Privat- als auch bei den Firmenkunden. Mit Sorge sieht Gerlach die Entwicklung, dass viele Unternehmen lieber ihre Schulden tilgen statt investieren. "Schließlich ist das Kerngeschäft der Sparkassen das Kreditgeschäft."

Keine weiteren Belastungen erwartet der WestLB-Aufsichtsrat Gerlach derzeit für die Sparkassen durch ihr WestLB-Engagement. Nach der Milliardenkapitalspritze sieht er keinen weiteren Kapitalbedarf bei dem Institut. Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) gehört zu 43,2 % dem Land Nordrhein-Westfalen und zu je 16,7 % den rheinischen und westfälisch-lippischen Sparkassen sowie zu je 11,7 % den Landschaftsverbänden aus dem Rheinland und Westfalen-Lippe. Optimistisch ist Gerlach hinsichtlich einer stärkeren Verzahnung von WestLB und Sparkassen. Voranbringen soll dies ein Verbundbeirat, der am 19. Februar erstmals tagt.

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