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29.01.2002

19:00 Uhr

Hohe Umsätze mit UMTS-Diensten stehen erst einigen Jahren an

Technische Probleme verzögern den Start

VonW. GILLMANN (K. SLODCZYK)

Auf einer kleinen Insel in der Irischen See hat die Zukunft schon begonnen: Auf der Isle of Man bekommen die Menschen seit Anfang Dezember einen Vorgeschmack auf das, was sich hinter dem kryptischen Kürzel UMTS verbirgt.

DÜSSELDORF. Dort testet der britische Mobilfunkkonzern MMO2 das erste UMTS-Netz in Europa. Der Rest Europas muss warten: Der Start des neuen, schnellen Mobilfunk-Standards hat sich weltweit verschoben. Doch nicht nur die Mobilfunker haben sich verkalkuliert; auch im Festnetzgeschäft können vier Jahre nach der Liberalisierung des Marktes viele Anbieter nicht mehr mitspielen im Kampf gegen die ehemaligen Monopolisten. Die Folge: Die Unternehmen traten in diesem Jahr den ungeordneten Rückzug an.

Den Mobilfunk belasten vor allem die hohen Ausgaben für die UMTS-Lizenzen. Auch technische Probleme sorgten für Verzögerungen. Die UMTS-Lizenznehmer in Deutschland wollen zwar im nächsten Jahr erste Testnetze aufbauen, doch das Geschäft wird erst 2003 starten. Mit nennenswerten Umsätzen rechnen die Anbieter im Jahr darauf.

Als Vorstufe von UMTS soll im nächsten Jahr erst einmal GPRS richtig durchstarten. Diese Technik beschleunigt die Datenübertragung in Mobilfunknetzen deutlich. Doch auch dieses Geschäft entwickelt sich nur stockend.

Hinzu kommt: Die Europäer kaufen nicht mehr so viele Handys. Die Zahl der Handy-Besitzer ist in diesem Jahr in Deutschland um etwa ein Fünftel auf über 55 Millionen gewachsen - im vergangenen Jahr hatte sie sich noch verdoppelt. Mehr als 60 % der Deutschen haben inzwischen ein Mobiltelefon, damit dürfte eine Sättigung erreicht sein. Die Folgen: Der Absatz ist eingebrochen, Überkapazitäten, rote Zahlen bestimmen das Bild. Bis auf Marktführer Nokia haben alle Hersteller drastischen Stellenabbau angekündigt oder bereits umgesetzt. Nach dem Boomjahr 2000 wirkt sich die derzeitige Flaute besonders stark aus.

Zudem erfüllte sich die Hoffnung auf flotten Umsatz mit GPRS-Handys nicht. Der Netzaufbau erfolgte schleppend, und nur Motorola präsentierte frühzeitig ein Mobiltelefon für den GPRS-Standard. Die Konkurrenz folgte erst zum Herbst - zu wenig, um ein Massengeschäft zu starten. Hinzu kommt: Überzeugende Anwendungen fehlen immer noch.

Was die Mobilfunker mit den neuen Standards erlebten, mussten die Festnetzanbieter bei den schnellen Internetzugängen per DSL-Leitung erfahren: Der vermeintliche Wachstumsmarkt entwickelte sich für die meisten weit langsamer als erhofft. Nach Ansicht von Branchenkennern ist die DSL-Technik eine der letzten Möglichkeiten, um die Karten im Festnetz-Wettbewerb neu zu mischen und dem ehemaligen Monopolisten Deutsche Telekom Marktanteile streitig zu machen. Doch gerade die Telekom forciert den Ausbau des DSL-Netzes, um der drohenden Konkurrenz durch die Fernsehkabelanbieter zuvor zu kommen.

Andere Geschäftsmodelle, vor allem das Telefonieren über das so genannte Call-by-Call-Verfahren oder der Aufbau von Richtfunknetzen als Alternative zu den Ortsnetzleitungen der Deutschen Telekom, haben sich als Auslaufmodell erwiesen. Viele Unternehmen - darunter Teldafax, Callino und Firstmark - mussten Konkurs anmelden. Andere wie Debitel und Talkline stellten ihre Aktivitäten im Festnetz ganz oder teilweise ein oder korrigierten ihre Geschäftspläne nach unten. Und der Exodus wird sich fortsetzen, sagt der Verband der alternativen Telekomanbieter VATM voraus, wenn sich die Regulierung zu Gunsten der Telekom nicht ändert.

Die drastisch verschlechterte Geschäftslage der Telekomgesellschaften hat voll auf die Ausrüster durchgeschlagen. Netzwerk-Konzerne wie Ericsson, Nortel, Lucent und der einstige Börsenstar Cisco erlebten einen drastischen Verfall ihrer Kurse. Da Aufträge ausblieben, mussten sie ihre Kapazitäten kräftig kappen und Tausende von Stellen streichen - trotzdem schreiben sie noch immer überwiegend rote Zahlen. In Deutschland erwischte es vor allem Siemens: Rund 10 000 Stellen streicht der Konzern im Netzwerkbereich, auch den zuständigen Vorstand kostete es den Arbeitsplatz. Eine Erholung des Marktes erwarten sowohl die Analysten als auch die Firmen selbst frühestens für das zweite Halbjahr 2002.

31.12.2001

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