Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2001

09:43 Uhr

dpa BERLIN. Noch gilt für den neuen T-Online-Chef Thomas Holtrop eine Schonfrist. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Vorstandsvorsitzender der Telekom-Tochter auf einem Pressekolloquium in Berlin ließ der ehemalige Banker aber schon einmal aufblitzen.



"Das Potenzial im Internet ist noch nicht annähernd ausgeschöpft", sagte er bei einer Podiumsdiskussion über die Zukunft des Internets. Die Branche stehe im elektronischen Handel (E-Commerce) erst am Anfang der Entwicklung, meinte Holtrop. Über die künftigen Geschäftsstrategien von T-Online selbst wollte er sich allerdings nicht äußern. In allen Komponenten werde sie derzeit überarbeitet - angefangen vom Geschäftsmodell, über Tarife bis zu den internationalen Plänen, sagte er weiter. Seit Anfang dieses Jahres steht Holtrop an der Spitze der T-Online International AG (Darmstadt), mit rund acht Millionen Kunden größter Onliniedienst in Europa.



Wie diese Strategie in den Grundzügen aussehen könnte, ließ er indirekt mit seiner Einschätzung zur nachlassenden Börsen-Euphorie über Internetfirmen durchblicken. Mit einem stabilen Geschäftsmodell, das nicht nur auf den elektronischen Handel beruhe, sondern unter anderem auch auf Inhalte-Teile, würden sich die Werte am Neuen Markt wieder konsolidieren. Dabei schloss er T-Online ein.



Die starke Korrektur der Aktienkurse bezeichnete Holtrop als gesund: "Man hat die Realität wieder gefunden". Ob er damit auch das gegenwärtige Kursniveau der T-Online-Aktie meinte, darf bezweifelt werden. Seit dem Börsengang des Unternehmens im April 2000 ist das Papier nach einem kurzzeitigen Hoch (47 Euro) tief in den Keller gefallen und lag am Donnerstag bei 13,20 Euro. Investoren, die beim Börsengang des Unternehmens Aktien zugeteilt bekamen, haben bis heute mehr als die Hälfte der Summe verloren.



Mit Spannung warten Aktienanalysten und Journalisten auf die erste Pressekonferenz am 13. März in Frankfurt, auf der Holtrop eine "neue" T-Online vorstellen will. In der Darmstädter Unternehmenszentrale sei der neue Chef jedenfalls gut angekommen, meinte ein Mitarbeiter des Unternehmens.



Dabei steht Holtrop vor keiner einfachen Aufgabe: Nicht nur der eingeknickte Börsenkurs macht dem Unternehmen und dem Mutterkonzern zu schaffen. Die Online-Tochter war mit dem Weggang von Wolfgang Keuntje Ende August auch in die tiefe Führungskrise geraten. Neben dem Ex-Vorstandschef warf fast die komplette Führungsmannschaft das Handtuch. Die Suche nach einem neuen Vorstandschef gestaltete sich langwierig. Erst Ende vergangenen Jahres wurde Telekom-Vorstandschef Ron Sommer fündig und präsentierte seine Wahl, den Banker Holtrop.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×