Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2002

13:55 Uhr

Hunderte Frauen behandelt

Falscher Frauenarzt zu Bewährungsstrafe verurteilt

Das Landgericht München II hat am Freitag einen falschen Gynäkologen ohne Examen zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der 46-Jährige jahrelang Hunderte Frauen behandelt und Dutzende operiert hatte, obwohl er weder Examen noch eine Facharzt-Prüfung besaß.

Reuters MÜNCHEN. Der falsche Arzt, der im Studium durch die Prüfungen gefallen war, hatte mit Hilfe gefälschter Zeugnisse acht Jahre in einem staatlichen Krankenhaus gearbeitet. 1998 ließ er sich im oberbayerischen Schongau als Frauenarzt nieder. Er muss zudem eine Geldstrafe von 14 400 Euro bezahlen.

Das Landgericht wertete die Operationen als vorsätzliche Körperverletzung, weil seine Patientinnen nicht gewusst hätten, dass er gar kein Arzt gewesen sei. Als Betrug werteten die Richter die Abrechnungen des falschen Mediziners mit den Krankenkassen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft rechnete er knapp 215 000 Euro in anderthalb Jahren ab.

Als strafmildernd wertete der Vorsitzende Richter Klaus Rebhan, dass dem falschen Arzt keine Fehler bei seinen Operationen unterlaufen sei. Seine Patientinnen seien zufrieden gewesen, betonte er. Der Familienvater arbeitet inzwischen als Angestellter in der Pharmaindustrie.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×