Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.02.2002

19:46 Uhr

Hypo-Vereinsbank gewinnt an Selbstbewusstsein

HVB-Chef Schmidt bietet Frankfurt die Stirn

VonCASPAR BUSSE (Handelsblatt)

Albrecht Schmidt strahlt in diesen Tagen Zufriedenheit aus. Kein Wunder: Dem ehrgeizigen Vorstandschef der Münchener Hypo-Vereinsbank (HVB) sind in diesen Wochen gleich zwei wichtige Punktsiege gelungen.

Erst fuhr er Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer mächtig in die Parade, indem er Leo Kirch überraschend zur Hilfe eilte und damit die Zerschlagungspläne der Konkurrenz durchkreuzte. Gestern nun veröffentlichte die Hypo-Vereinsbank Geschäftszahlen für 2001, die deutlich besser aussehen als die der Frankfurter Konkurrenz. Das gilt auch, wenn die Ergebnisse durch Aktienverkäufe geschönt sein mögen und deshalb mit Vorsicht zu genießen sind.

Die beiden Ereignisse stehen in keinem direkten Zusammenhang, aber sie zeigen: Das Selbstbewusstsein der HVB in München wächst. Dabei waren die vergangenen Jahre nicht einfach. Zuerst musste die Fusion von Vereinsbank und Hypo-Bank sowie ein unappetitlicher Immobilienskandal verdaut werden. Es folgte die schwierige Integration der Bank Austria und ein grundlegender Umbau der Führungsstruktur.

Bis heute ist der Innenausbau zwar lange nicht abgeschlossen. Doch trotzdem, so das Signal von München nach Frankfurt, will die HVB auftrumpfen. Die Bank - von manchem noch immer als unbedeutende Regionalbank belächelt - sieht sich schon neben der Deutschen Bank als die bestimmende Kraft im Bankgeschäft. So ist die Dresdner Bank unter das rettende Allianz-Dach geschlüpft und hat spürbar an Bedeutung eingebüßt. Auch die Commerzbank ist derzeit nur mit sich selbst beschäftigt. Ganz zu schweigen von BHF-Bank und der früheren BfG, die bei ausländischen Konzernen gelandet sind.

In das Vakuum will die HVB stoßen. Letztlich, so die Einschätzung vieler Experten, bleiben am Ende der Konsolidierung nur zwei große Geschäftsbanken in Deutschland: Deutsche und HVB. Die Ausrichtung könnte unterschiedlicher nicht sein. Während die Deutsche Bank zu einem globalen Spieler mit starkem Investment-Banking werden will, sieht sich die HVB in der Tradition einer klassischen Geschäftsbank. Die Münchener sitzen derzeit auf dem mit Abstand größten Kreditportfolio aller Banken und pflegen das Privatkundengeschäft. Vor diesem Hintergrund ist Schmidts Hilfe für Kirch auch als Signal zu verstehen: "Wir lassen unsere mittelständischen Kunden in der Krise nicht hängen", soll die Botschaft an die Stammklientel lauten.

Doch so selbstbewusst Schmidt jetzt auftritt: sein Kernproblem ist der dahindümpelnde Aktienkurs. Auch wenn das HVB-Papier gestern gegen den Trend zulegen konnte, die Börsenbewertung des Konzerns ist viel zu gering. Nach dem Geschäftsvolumen gerechnet gehört die HVB bereits zu den größten Banken in Europa. Nach der Börsenkapitalisierung rangiert sie aber weit hinten.

Das bringt große Schwierigkeiten: Mit einer Aktie, die im Keller ist, kann Schmidt nicht wie geplant in Südeuropa auf Einkaufstour gehen. Und es gibt noch viele weiße Flecken auf der Landkarte. Zudem könnte der Großaktionär, die Münchener Rück, unruhig werden und doch noch die Mehrheit an der HVB übernehmen. Die Unabhängigkeit wäre dann dahin. Es gibt also noch viel zu tun, bis Schmidt im kommenden Frühjahr den Chefposten räumen wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×