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31.01.2003

09:22 Uhr

Der neue Chef der Münchener Großbank, Dieter Rampl, wirbelt seit seiner Ernennung im vergangenen Oktober. Schon mehrere Beteiligungen, etwa eine Onlinebank in Frankreich oder eine Brauereibeteiligung, wurden eilig verkauft. Jetzt kündigte Rampl auch noch den Umbau des Vorstands und die noch stärkere Konzentration auf das Privat- und Firmenkundengeschäft in Deutschland, Österreich und Osteuropa an. Und heute wird mit den Arbeitnehmern erneut über weiteren Personalabbau diskutiert.

Die Börse feierte gestern zunächst die Nachrichten mit einem Kurssprung. Doch schnell kehrte wieder Ernüchterung ein, schon am Mittag lag das Papier wieder im Minus. Denn das Grundproblem, mit dem im Übrigen fast alle Banken kämpfen, ist nach wie vor ungelöst: Wie kann das Bankgeschäft wieder schnell profitabel werden?

Sprudelnde Ertragsquellen sind kurzfristig nicht zu erwarten. Die Börse muss sich angesichts der Unsicherheit durch den drohenden Irak-Krieg vielmehr eher auf weitere Rückschläge einstellen, was schlecht für das Bankgeschäft ist. Im Kreditgeschäft drohen weitere hohe Ausfälle, denn die Pleitewelle bei den deutschen Unternehmen ebbt nicht ab. Das spürt die Hypo-Vereinsbank mit ihrem traditionell großen Kreditportfolio besonders stark. Auch im Privatkundengeschäft in Deutschland hat die Bank noch viel Arbeit vor sich.

Rampl steht damit vor Problemen, die die gesamte private Bankbranche in Deutschland treffen. Die Lage bei der Commerzbank oder der Dresdner Bank ist eher noch schlechter. Die Marktanteile der Großbanken im Massengeschäft sind zu gering. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben einen großen Teil des Marktes besetzt, Fusionen über die Grenzen der drei Säulen in der deutschen Kreditwirtschaft - Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken - hinweg sind nicht absehbar. Rampl wird hier sicher keinen Königsweg finden. Seine Bank ist aber mit dem eindeutigen Strategie-Fokus auf das Privat- und Firmenkundengeschäft von dem zu geringen Marktanteil besonders betroffen.

Die große "Grundsatzrede" Rampls über den weiteren Weg der Bank steht also noch aus. Sicher: Einiges ist bereits erreicht. So kündigte Rampl den Abbau der Risikoaktiva, also unter anderem des Kreditportfolios, um ein Drittel oder 100 Milliarden Euro an. Das soll insbesondere durch die Ausgliederung der wenig Ertrag bringenden gewerblichen Immobilienfinanzierung in eine neue, selbstständige Einheit umgesetzt werden.

Alle weiteren Möglichkeiten der Kapitalfreisetzung werden derzeit geprüft. Das betrifft insbesondere Verkäufe von Beteiligungen. Rampl sorgte dabei für Unruhe an den Märkten, als er gestern auch die Anteile der Hypo-Vereinsbank an der Allianz und an der Münchener Rück zur Disposition stellte. Und das, obwohl die Aktien der beiden Versicherer zuletzt auch eine böse Talfahrt hingelegt hatten. Doch in der Not ist Rampl sicherlich das eigene Hemd näher als die Solidarität mit den Münchener Nachbarn.

Die Ankündigungen sind auch als Signal an die Finanzmärkte und die Ratingagenturen zu verstehen. Denn schon seit längerem wird darüber spekuliert, die Bank müsse frisches Geld am Markt aufnehmen. Das drückt seit Wochen auf den Kurs. Rampl machte jetzt klar, dass er ohne Kapitalerhöhung auskommen will. Doch werden Analysten und Börsianer ihm das glauben? Auch Rampls eindeutige Aussage, die Hypo-Vereinsbank wolle die Commerzbank nicht übernehmen, sorgte nicht für ein Ende der Spekulationen.

Auf den großen Befreiungsschlag müssen wir also noch warten.

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