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28.01.2003

08:43 Uhr

IBM kündigt erste Branchenpakete an – Unternehmen sparen Anschaffungskosten

Computerindustrie bietet Rechnerleistung nach Bedarf

VonRUDI KULZER

Der Wettbewerb um die Unternehmenskunden der Computerindustrie ist in eine neue Phase getreten. IBM kündigte für fünf Industriezweige Angebote für eine rechnerübergreifende Computernutzung auf Nachfrage an. Auch Konkurrent Hewlett-Packard macht für sich diese neue Dienstleistung stark.

MÜNCHEN. Informationstechnik (IT) soll künftig so verkauft werden wie Strom, Wasser oder Gas - Rechnerleistung je nach Bedarf. Ob man nun das Leitungsnetz (Grid) oder den Versorger (Utility) in den Vordergrund stellt, wird das neue Verfahren in der Branche als Grid- oder Utility-Computing bezeichnet.

Wurde der IT-Versorgungsansatz bisher in erster Linie im Kreis der Forscher und Entwickler genutzt, so soll ein flexibles Angebots- und Abrechnungssystem nun auch in breitere Industrie- und Wirtschaftsbereiche Einzug halten. So kündigte der US-Computerkonzern IBM für fünf Industriezweige "Grid-Pakete" an. Dabei handelt es sich um die Einsatzfelder Finanzmärkte, Pharma/Biotechnologie, Automobil und Luftfahrt sowie Behördenverwaltung.

Nach IBM-Angaben könnte mit den neuen Angeboten der Sektor Finanzdienstleistungen seine Analyse- und Informationstechnik ausbauen, die Pharma-Industrie Analyse und Datenzugang, Automobil und Luftfahrt ihre Design-Entwicklung und die Behörden ihre Datenverwaltungen.

Neben IBM haben auch die Wettbewerber wie Hewlett-Packard und Sun Microsystems Strategien für Grid- Computing in der Hinterhand. HP nennt sein Angebot UDC (Utility Data Center). Bei Sun ist dieser Ansatz in die erst vor kurzem vorgestellten N1-Struktur integriert.

Seit Mitte Januar hat Hewlett-Packard auf zwei internationalen IT-Veranstaltungen seinen Kunden die jüngsten strategischen Bemühungen erläutert. Der Konzern zeigte seinen US-Kunden etwa auf der Messe Globusworld, wie derzeit HP-Forscher daran arbeiten, für kommerzielle Einsätze in verschiedenen Branchen UDC-Schnittstellen aufzubauen. Als wichtigstes Softwarewerkzeug für diese Aufgabe nannte HP das "Globus Toolkit 2.0", mit dessen Hilfe Entwickler ihre Anwendungen "gridfähig" machen können.

HP-Manager Rudi Schmickl sagte in einem Gespräch mit dem Handelsblatt, künftig sollten Kunden Computerleistung flexibel sowohl aus dem Systempark des eigenen Hauses wie von UDC-kompatiblen fremden Dienstleistern beziehen können.

Damit betritt die Computerbranche, wie Insider einräumen, Neuland. Nach herkömmlicher Ansicht lag das Risiko, ob die Systemkapazität ausreicht, ausschließlich beim Kunden. In guten Zeiten wurde daher beim Kauf sicherer Überkapazität nicht gespart. Seit aber die Sparkommissare auch das Thema IT-Anschaffung beherrschen, müssen die Verkäufer von Computern und Business-Software neue Wege gehen und stetige Erlösquellen suchen. Für die Unternehmen hätte die neue Technik den Vorteil, nur die gerade benötigte Rechenleistung einzukaufen.

Technisch ist Grid-Computing in erster Linie ein Thema der Systemintegration. Praktisch alle DV-Abteilungen von Unternehmen sind über viele Jahre gewachsen und daher mit Systemen verschiedener Hersteller ausgestattet. Diese müssen trotz unterschiedlicher Betriebssysteme miteinander arbeiten können. Ohne entsprechende Integrationswerkzeuge ist an den Einsatz von Computerleistung auf Nachfrage nicht zu denken.

Die Aufgabe der Integration steht jedoch schon seit zwei bis drei Jahren im Pflichtenheft der DV-Verantwortlichen. Bis jetzt war es vor allem der Aufbau von Web-Services im Internet, der diese Integration verlangte. Nun kommt das neue Verkaufskonzept des Grid-Computing hinzu.

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