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04.01.2002

16:43 Uhr

Idol in der Modewelt

Yves Saint-Laurent geht wahrscheinlich in Rente

Die Gerüchte über einen Rückzug des französischen Designers Yves Saint Laurent aus dem Modegeschäft verdichten sich. Mehrere Vertraute bestätigten am Freitag in Paris Informationen, wonach sich der 65-jährige Star-Modemacher am Montag auf einer Pressekonferenz in den Ruhestand verabschieden werde.

afp/dpa PARIS. Dies sei "höchstwahrscheinlich" oder zu "99,5 Prozent" sicher, hieß es. Im Stammhaus des Couturiers in der Pariser Avenue Marceau wurden die Gerüchte nicht kommentiert. Über die möglichen Gründe für sein Ausscheiden wurde zunächst nichts Näheres bekannt. Die für den kommenden Montag angesetzte Pressekonferenz seines Modehauses "YSL" wird nun mit viel Spannung erwartet.

Yves Saint Laurent, dessen Haus am 22. Januar den 40. Geburtstag feiern wird, ist in den Jahrzehnten seiner Karriere in der Modewelt zu einem Idol geworden: Teile seiner Mode gelten längst als Kunst, seine Kollektionen wurden als "Sensationsorgien" gefeiert. Der verstorbene Staatspräsident François Mitterrand nannte den berühmten Couturier einen Botschafter französischer Kultur im Ausland.

Saint Laurent gehört mit Coco Chanel, Christian Dior und Hubert de Givenchy zu den bedeutendsten Modemachern Frankreichs, welche die Haute Couture im 20. Jahrhundert entscheidend prägten. Weltweiten Erfolg erzielte er auch mit den in seinem Haus hergestellten Parfüms, darunter "Opium". Vor zwei Jahren wurde das Modehaus YSL vom italienischen Luxus-Hersteller Gucci übernommen, der zum französischen Kaufhaus-Konzern Pinault-Printemps-Redoute (PPR) gehört. Mit der Übernahme wurde der Gucci-Modeschöpfer Tom Ford Kreativ-Chef bei YSL.

Saint Laurent begann seine Karriere Ende der 50er Jahre in Paris und baute im Laufe der Jahre ein weltweites Imperium mit Spitzenmode, Luxusartikeln und Parfüms auf. Der Durchbruch gelang ihm 1958 mit seinem Trapezkleid, das den Frauen-Korsetts der Nachkriegszeit ein Ende setzte. Im Laufe seiner Karriere sorgte der Modeschöpfer immer wieder für Skandale, so 1966 mit seiner See-through-Bluse in den USA. Auch war er der erste Couturier, der ein schwarzes Blouson vorstellte und diese Farbe salonfähig machte. "Schwarz ist mein Zufluchtsort", hatte er einmal gesagt.

In den 70er Jahren sorgte Saint Laurent für einen Skandal, als er sich von dem Starfotografen Jean-Loup Sieff nackt abbilden ließ, um für eines seiner Parfüms zu werben. Im Jahr 2000 verbot der britische Werberat ein Plakat, auf dem ein nacktes Model für "Opium" warb, wegen Frauenfeindlichkeit.

Der Multi-Millionär hatte sich im vergangenen Frühjahr bei einem Sturz in Parlermo das Schulterblatt gebrochen. Seine wichtigsten Mode-Schöpfungen sind seit zwei Jahren in einem eigenen Museum in Paris zu sehen. Zu der Sammlung gehören mehr als 5 000 Modelle, die Bandbreite reicht von der Haute Couture bis zur Prêt-à-porter-Mode.

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