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08.03.2004

12:33 Uhr

IE, Madrid, Spanien

Ricardo M. Alvarez

Ich erinnere mich noch recht gut an die Situation kurz vor meiner definitiven Entscheidung: Seit meiner Einladung von IE zum Interview schaute ich sehr viel regelmäßiger als sonst in meinen e-mail Posteingang. Was für ein Vorteil, dachte ich in der Zeit häufig, dass die MBA Schulen deutlich progressiver sind als juristische Prüfungsämter, mit denen ich bei früheren Zulassungs- oder Notenentscheidungen zu tun hatte, und die Entscheidung per e-mail versenden und nicht mit der Post.





6. Der zweite Term


Das MBA Leben hat nun so richtig sein wahres Gesicht gezeigt. Ein paar Tage ausruhen nach den Abschlussprüfungen im ersten Term? Denkste! Es ging also direkt weiter: Na ja, haben wir ja auch viel Kohle für bezahlt - ist hier der allgemeine, nicht ganz ernst gemeinte Spruch unter Kollegen.

Die in diesem Term anstehenden Fächer sind Financial Management I, Strategic Management I, Information Systems, Cost Accounting, Marketing II und Operations Management. Bis auf eine Ausnahme haben wir in diesem Term komplett neue Lehrer, was mir gut gefällt, da man so von unterschiedlichen Erfahrungen lernen kann. Bezüglich deren beruflichen Tätigkeiten und Ausbildungshintergründen lässt sich das von mir über die Professoren aus dem ersten Term Geschriebene grundsätzlich wiederholen. Allerdings mit einer kleinen Ergänzung: Diesmal haben wir zusätzlich zu den Lateinamerikanern, Spaniern und Amerikanern auch einen Professor aus Großbritannien, der uns in Marketing unterrichtet. Zusätzlich zu diesen "Kernfächern" haben wir häufiger auch Zusatzveranstaltungen im Klassenverband wie Coaching Workshop, Self Assessment Workshop, etc.

Eine weitere wichtige Veränderung ist die neue Gruppe - schließlich ist die Gruppenarbeit sehr intensiv. Auch diesmal bin ich sehr zufrieden. Wieder stammt jedes Gruppenmitglied aus einem anderen Land, wobei diese Gruppe etwas europäischer und weniger (latein)amerikanisch ist als meine vorherige. Und hier zeigt sich die Qualität und die Vielfalt des IE MBA Programms. Meine jetzigen Gruppenkollegen sind komplett unterschiedlich - damit meine ich nicht weniger sympathisch, sondern einfach nur anders. Das ist auch gut so, denn meiner Erfahrung nach lernt man so am besten, sich geschickt in ein neues Kollegenumfeld einzuarbeiten. Der gesamte Gruppenwechsel ist nach meiner Ansicht ein absolut erlebenswerter Prozess. Eine weitere wichtige interpersonelle Sache ist in diesem Term noch dazu gekommen, jedem aus der Klasse ist ein Coach und ein Coachee zugewiesen worden. Nun haben wir in wöchentlichen Abständen persönliche Vier-Augen-Coachinggespräche hinsichtlich der persönlichen Forschritte bezüglich der vom Coachee definierten "verbesserungswürdigen" Eigenschaften oder Verhaltenweisen.

Noch ein Wort zum Abschluss. Bei aller Lernerei, den ganzen Prüfungen, etc. wird das Feiern nicht vollständig vergessen. Es fällt nicht schwer, sich am Wochenende mit Kollegen auf einer Party zu treffen, die von einem MBA-Kollegen anlässlich seines/ihres Geburtstages o.ä. organisiert wird. So ist sicher gestellt, dass man die Gelegenheit hat, auch die Kollegen aus den anderen Klassen zu treffen und besser kennen zu lernen. Auch gemeinsame Wochenenden werden regelmäßig organisiert. Je nach individuellem Interessenschwerpunkt ist für jeden etwas dabei: Skifahren, Segeln, Golfen, Städte besichtigen, etc.

Eine schönen Frühlingsanfang wünsche ich Euch und bald melde ich mich mit weiteren Neuigkeiten bei Euch.

Euer Ricardo


5. Ende des ersten Terms

Der erste Term war bis Dezember arbeitsintensiv. In den meisten Fächern wurden im Dezember, vor unseren Weihnachtsferien, Zwischenprüfungen abverlangt. Wie nicht anders zu erwarten, war diese Zeit dann nicht nur von viel Arbeit, sondern auch von mehr Druck gekennzeichnet. Aber je größer der Druck aufgebaut wird, desto mehr macht es Freude, diesen dann mit seinen Kollegen nach der letzten Prüfung ausgiebig abzubauen.

Nach dem Skifahren wohl erholt und von der Weihnachtszeit gut genährt, bin ich dann nach Madrid zurückgekehrt, in der Erwartung eine schöne Wiedereingewöhnungsphase mit meinen Kollegen zu verleben. Darin hatte ich mich gewaltig getäuscht. Generell kann ich die Aussage treffen, dass die Monate im neuen Jahr bisher nahezu ausschließlich von extremer Stofffülle, vielen Zusatzprüfungen, z. B. individuellen Fallanalysen und benoteten Gruppenarbeiten, gekennzeichnet waren und sind.

Die Abschlussprüfungen im ersten Term sind unterschiedlich organisiert, abhängig davon welches Fach behandelt wird. Für Marketing war eine dreistündige Fallanalyse zu bearbeiten; in Organizational Behavior hatten wir einen Fall zu analysieren und diesen 24 Stunden später einzureichen; in Economics, Financial Accounting und Quantitative Methods for Business waren jeweils dreistündige Prüfungen zu schreiben, die den gesamten Stoff des Terms abgedeckt haben. In Economics war zusätzlich noch ein Economic Report über ein zur freien Wahl stehendes Land als Gruppenarbeit anzufertigen (in unserem Fall Australien). In Entrepreneurship war ein Business Plan und eine entsprechende Präsentation für ein von der Arbeitsgruppe zu bestimmendes "neues" Unternehmen anzufertigen. Für die letzte Aufgabe war im Vorfeld des MBA die Beschäftigung mit einer eigenen Unternehmensgründung sicher hilfreich. Ich hatte das Glück, meine Kollegen in der Gruppe von meiner Idee, die bereits vor Beginn des MBA durchdacht war, überzeugen zu können.

In dieser Phase der Prüfungen und der Anspannung hatte ich immer das besondere Gefühl von Kollegialität und Solidarität unter uns allen. Sicher eine besondere Zeit, in der man die Chance hat, Menschen in angespannter Situation kennen zu lernen - was dann häufig zu besonders tiefen Bekanntschaften oder gar Freundschaften führt. Auch nach dieser Zeit kann ich meine bisher getroffene Grundaussage nur nochmals wiederholen: Meine Erwartungen sind bisher erfüllt worden! Sowohl in bezug auf die Kollegen, das Programm, die Schule und die Stadt, wobei ich zugegebenermaßen von letzterer in den vergangenen Wochen nicht so viel wie erhofft genießen konnte.

Dabei kann ich nur Gutes über Madrid, oh Madrid, berichten! Die Stadt schläft selten: Eigentlich nur bei Fußball-Ereignissen mit Real-Beteiligung - wie wichtigen Champions League-Spielen, Ligaspielen gegen Barcelona, etc. Die Sehenswürdigkeiten, die Menschen, das Nachtleben, das Essen - alles ´ne Wucht. Leider hatte ich bisher noch kaum die Gelegenheit mal etwas herauszukommen aus Madrid. Doch das habe ich mir für die nächste Zeit fest vorgenommen - zunächst einmal Segovia, Toledo, Sevilla, Granada und dann mal weiter sehen. Auch Orte zum Skifahren sind nicht weit, Sierra Nevada und Baquera sollen sehr empfehlenswert sein. Sicher stehen diese in Vielseitigkeit etwas zurück im Vergleich zu den Skiorten in den Alpen, aber trotzdem gibt es auch hier Skiorte mit bis zu 70 Pisten. Speziell und besonders gut soll auch der Aprés Ski sein. In der Sierra Nevada kann man auch ein weiteres Naturerlebnis genießen, denn bei guter Sicht lässt es sich auf dem Berg skifahren und von dort das Meer und den Strand sehen - traumhaft, oder?


4. Der erste Term

Die erste Woche verläuft wider Erwarten entspannt. Gemeinsames Kennenlernen, Einführungen in Case Method, Kurse zu Action Learning, Presäntationsfertigkeiten, Personalitätsanalyse (Assessment and Development Workshop) stehen im Vordergrund. In Letzterem mussten wir z.B. selbst unsere Schwächen und Stärken identifizieren und analysieren sowie die Eigenschaften bestimmen, an denen wir während des ersten Terms arbeiten möchten. Die erste Woche ließ die schlimmsten Befürchtungen in bezug auf die bevorstehende Arbeitsbelastung erst einmal in den Hintergrund treten. Meines Erachtens ist es sehr gut, dass wir im Verlauf des gesamten MBAs auch in arbeitspsychologischen Fragen geschult werden.

Ab der zweiten Woche wurden wir in vier Klassen eingeteilt. Die jeweiligen Klassen werden in weitere Gruppen mit je acht Personen aufgeteilt. Die Einteilung der Gruppen wurde bedacht und mit Voraussicht vorgenommen - zumindest nehme ich das an - ich bin außerordentlich zufrieden mit meiner Gruppe: Kommilitonen aus Südeuropa, Süd- und Mittelamerika, USA und Asien sind darin vertreten. Wir verstehen uns gut, die Zusammenarbeit klappt hervorragend - trotz oder vielleicht gerade wegen der Unterschiedlichkeit der jeweiligen Kollegen. Die Gruppen werden nach jedem Term neu aufgeteilt, darauf sind wir natürlich alle sehr gespannt, denn die Gruppenarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil im MBA-Programm. Mit der Gruppe gilt es, den überwiegenden Teil der Hausaufgaben abzustimmen und die Business Cases vorzubereiten und zu bearbeiten. Unsere Lösungen müssen den jeweiligen Professoren vor dem nächsten Unterricht immer als Gruppenarbeit via E-Mail gesendet werden. Financial Accounting, Quantitative Methods for Business, Marketing I, Economics, Organisational Behaviour, Entrepreneurship sind die wichtigsten Kurse im ersten Term. Die Note in diesen Kursen setzt sich im wesentlichen aus der mündlichen Mitarbeit sowie den Midterm und den Final Term Prüfungen zusammen. Zusätzlich in die Bewertung kommen einige individuelle Arbeiten während des Terms.

Unsere Professoren im ersten Term kommen entweder aus Lateinamerika, Spanien oder den USA und haben hinreichende Unterrichtserfahrungen an US-amerikanischen Business Schulen gesammelt. Alle sind zusätzlich zu ihrem Lehrauftrag an der IE gleichzeitig in der Wirtschaft tätig. Dieser Umstand lässt sich anhand der ergänzenden Erfahrungsberichten immer wieder - erfreulicherweise - feststellen. Die zahlreichen praktischen Beispiele machen das Lernen verständlicher und ständig aktuell.

Der Unterricht findet täglich von neun bis drei Uhr im Klassenverband statt und die als Hausaufgaben verteilten Lese- und Lernaufgaben sowie die echten Fälle nehmen ein außerordentlich beträchtliches Maß an. Aus meiner bisherigen Erfahrung kann ich sagen, dass die mir im Vorfeld "sehr hoch gestochen" erscheinenden Erfahrungsberichte der Alumnis der IE kein Gerücht darstellen. Trotzdem, auch das kriegt man hin und letztlich ist alles eine Frage der Organisation und vor allem kommt es wie immer darauf an, wie man welche Prioritäten setzt.

Unerwartet, aber willkommen: Bei dem straffen Zeitplan werden von IE Studenten unterschiedliche wöchentliche Sportaktivitäten wie Fußball, Basketball, etc. organisiert. Für mich bedeutet dies eine willkommene Gelegenheit, einige Kollegen aus anderen Klassen besser kennen zu lernen und endlich mal wieder Mannschaftssport zu praktizieren. Letzteres kam bei der Arbeit in den letzten Jahren etwas zu kurz.

IE bietet neben dem Unterricht noch viele andere Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen, Vorträge, etc. an. An diesen kann man selbstverständlich jederzeit teilnehmen und sich je nach Interessengebiet und Arbeitsbelastung entscheiden. Mir erscheint der Entrepreneurs Club besonders reizvoll. Hier werden IE Studenten oder Alumnis und andere Unternehmer bei der Unternehmensgründung oder-fortführung unterstützt, Veranstaltungen mit Venture Capitalists organisiert und interessante Vorträge von Unternehmern geboten. Natürlich werden auch aktuelle Wirtschafts- und Unternehmenspläne diskutiert und vieles mehr. Daneben gehe ich hier am IE vor allem noch einem anderen interessanten Thema nach: Der Frage nach der Sinnhaftigkeit eines "Code of Conduct" für Manager oder spezifischer eines "Managerial Oath for Business Manager". Solltet Ihr Interesse haben: Schaut mal rein bei www.handelsblatt.com/ethik. Diese spannende Idee hat der Dekan des IE vor einiger Zeit aufgebracht und sie wird seit geraumer Zeit heiß an sämtlichen Business Schulen und in der Wirtschaft diskutiert.

Nun noch einige Worte zur spassigen Seite des MBA: Die Schule ist nicht untätig bei der Organisation von gemeinsamen Cocktailabenden, Partys mit den MBA Studenten des aktuellen MBA Absolventenkurses etc. Daneben liegt es an einem selbst wie viel Zeit ins bessere Kennenlernen der Kommilitonen investiert wird. Ohne Zweifel sind dafür besonders gemeinsames Tapas essen, Vino, Cañas oder Copas trinken geeignet. Die Kommilitonen sind durchweg aus den unterschiedlichsten Ländern, mit den unterschiedlichsten Arbeitserfahrungen, offen, wissbegierig, diskussionsfreudig. Mit anderen Worten: Es ist immer ein Erlebnis sich mit Kommilitonen zu treffen. Ständig lernt man neue Menschen kennen und erweitert sein Wissen über Kulturen, Länder, Gepflogenheiten, Arbeitsmarktsituationen, etc. - und obendrauf findet man neue Urlaubsziele. Es lohnt sich also!

Melde mich bald wieder. Alles Gute Euch!

Euer Ricardo


3. Das Vorprogramm

Das Vorprogramm besteht aus einem Spanischkurs, in dem die Teilnehmer, abhängig von ihren jeweiligen Sprachkenntnissen, in drei Gruppen aufgeteilt werden. Das Vorprogramm besteht desweiteren aus Lese- und Lernaufgaben aus Büchern für Financial Accounting sowie aus einem Onlinekurs in Quantitativer Analyse. Die zuletzt genannten Kurse dienen vor allem dazu, alle angehenden MBA-Studenten auf einen ungefähr einheitlichen Kenntnisstand in diesen Fächern zu bringen. Der Sprachkurs findet jeden Tag statt, regelmäßig gibt es zusätzlich spezielle Wirtschaftsspanisch-Kurse. Die anderen beiden Kurse kann man sich je nach Wunsch auf- und einteilen.

Aus meiner Sicht ist es eine gute Idee, schon vor Beginn des eigentlichen Programms in die Universitätsstadt zu kommen, wohl besonders im Fall einer solch faszinierenden Grossstadt wie Madrid. Der Sprachkurs ist eine hervorragende Gelegenheit, einige der "Kommilitonen", mit denen man das gesamte nächste Jahr verbringen wird, kennen zu lernen. Außerdem ist die Arbeitsbelastung im Vorprogramm noch auf ein Minimum reduziert und da sind dann schon einige schöne und längere Restaurant- und Barbesuche durchaus möglich. Madrid hat meine hohen Erwartungen bisher nicht enttäuscht! Diese Anfangszeit ist außerdem gut geeignet, sich ein wenig zu organisieren: Wo ist der beste Supermarkt, einrichten der Wohnung, wo ist eigentlich ein Möbelhaus (auch hier gibt es Ikea!), Fitnessstudio, Schwimmbad, etc? Ich wohne in einer Wohnung unweit der Schule zusammen mit zwei Spaniern, die nicht an der IE studieren. Beide arbeiten, beide sind super nett und tragen bei zu meiner Integration ins spanische Leben. Eine kurze Entfernung zwischen Wohnung und Schule ist Gold wert und unbedingt zu empfehlen.

Beim Spanischkurs hatten wir in erster Linie Spaß. Wir waren 10-12 Personen in unserer Klasse, worunter der Lerneffekt etwas litt, denn die Häufigkeit der eigenen Sprachübung war etwas eingeschränkt. Aber der Kurs hat ein gutes und ausgewogenes Niveau und die LehrerInnen sind sehr bemüht und lassen sich viele aktuelle Beispiele einfallen: Es wird nicht nur Grammatik unterrichtet, sondern auch umgangssprachliche Redewendungen und Feinheiten kommen nicht zu kurz. Financial Accounting war für mich persönlich ein wichtiger Grund mich für das MBA Programm zu entschliessen. Insofern habe ich mich in diese Arbeit mit Begeisterung gestürzt. Quantitative Analyse allerdings bereitete mir doch etwas Kopfzerbrechen. Die Erklärungen waren etwas dürftig und Juristen - wie ich - neigen dazu ständig wissen zu wollen, wieso man etwas macht und wie einem das in Zukunft von Nutzen sein kann. Diese Frage habe ich im Vorprogramm leider nicht zu meiner Zufriedenheit beantwortet bekommen. Diese Ungewissheit löste sich allerdings mit Beginn des ersten Terms. Offensichtlich ist aber auch, dass gerade bei Quantitativer Analyse Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler, Mathematiker, Informatiker etc. nur ein müdes Lächeln übrig haben für die Fragen von Juristen, Psychologen, Medizinern etc. Doch hier zeigte sich bereits zu Beginn des Programms ein feiner Charakterzug der Kollegen: Hilfsbereitschaft und gegenseitige Unterstützung werden groß geschrieben und auch in Phasen hoher Arbeitsbelastung durchgehend praktiziert.


2. Einige nützliche Ratschläge zum Bewerbungsprozess:

Der TOEFL und der GMAT. Beide werden vorausgesetzt für eine erfolgreiche Bewerbung bei den Business Schulen. Im Fall des GMAT kann ich nur sagen: "leider"... Im Gegensatz zum TOEFL erfordert dieser eine intensive Vorbereitung. Zur Vorbereitung empfehlen kann ich für den TOEFL das offizielle Buch und die entsprechende CD. Beim GMAT möchte ich keine Empfehlung abgeben, denn erstens ist dieser ungleich langwieriger in der Vorbereitung und zweitens sind die einzelnen Stärken und Schwächen der Bewerber unterschiedlich ausgeprägt. Insofern kann die Nützlichkeit der vielfältig vorhandenen Literatur und der CDs nur im Einzelfall von jedem selbst entschieden werden.

Für eine erfolgreiche Bewerbung wohl kaum zu unterschätzen sind die Fragen, die die Business Schulen an Euch stellen. Dabei handelt es sich um persönliche wie auch berufliche Themen. Und gerade die über allgemeine Themen zu schreibenden Essays werden von der Zulassungsabteilung genau gelesen. Nach meiner Erfahrung kann mit der Bearbeitung dieser Unterlagen gar nicht früh genug angefangen werden - denn je länger Ihr nachdenkt, desto mehr gute Ideen fallen Euch ein. Die Selbstvermarktung steht bei diesem Teil der Bewerbung im Vordergrund. Hierfür gibt es gute Literatur, vor allem amerikanische. In den USA hat diese persönliche Eigenschaft im Bewerbungsprozess einen deutlich höheren Wert als hier in Europa. Wenn Ihr keine englischen Muttersprachler seid, solltet Ihr die Unterlagen mindestens einmal, am Besten aber mehrmals von solchen überprüfen lassen.

Während des Bewerbungsprozesses mal anzurufen ist meines Erachtens nicht schädlich. Im Gegenteil, die Mitarbeiter bei den Schulen sind durchweg sehr freundlich und hilfsbereit. Das merkt man auch beim Interview, welches in seiner Schwierigkeit etwas überschätzt wird. Zum einen laden die Business Schulen nur Bewerber ein, die sie auch wirklich an der Schule haben möchten und zum anderen war mein Eindruck, dass sie die englische Sprache prüfen möchten. Nach meinen Erfahrungen und denen von mir mitgeteilten anderen Business Studenten kommen keine oder zumindest nur marginal unterschiedliche Fragen im Vergleich zu denen aus den schriftlichen Bewerbungsunterlagen.

Das nächste Mal hört Ihr von mir schon aus dem schönen und lebhaften Madrid! Hasta luego!

Euer Ricardo


1. Die Entscheidung

Hallo zusammen,

ich erinnere mich noch recht gut an die Situation kurz vor meiner definitiven Entscheidung: Seit meiner Einladung von IE zum Interview schaute ich sehr viel regelmäßiger als sonst in meinen e-mail Posteingang. Was für ein Vorteil, dachte ich in der Zeit häufig, dass die MBA Schulen deutlich progressiver sind als juristische Prüfungsämter, mit denen ich bei früheren Zulassungs- oder Notenentscheidungen zu tun hatte, und die Entscheidung per e-mail versenden und nicht mit der Post. Damals wartete ich stets auf den Briefträger und die Erleichterung war immer groß, wenn er wieder nichts dabei hatte - auch wenn mir klar war, dass dies doch bloß eine Verlängerung der Entscheidung war - aber etwas Gutes hatte diese Zeit trotzdem, denn der Briefträger kam immer erst zwischen 9 und 10 Uhr und vorher stand ich dann auch nicht auf! Also, Ihr ahnt schon wie das ausgeht, irgendwann saß ich bei der Arbeit und drückte wieder den Send/Receive Knopf und dann sah ich Absender und Betreff. Erst einmal ging ich aus dem Raum und überlegte mir dort, wie wichtig der Inhalt dieser e-mail für mich und mein weiteres Leben sein könnte. Na ja, nach nicht einmal einer Minute entschied ich, dass es ziemlich wichtig war und meine Neugierde ungleich größer als diese Frage in alle Einzelheiten zu beantworten. Doppelklick und ...Bingo!

Einige kurze Worte zu meiner Person und zu der Entscheidung, mich für dieses Programm zu bewerben: Meine Eltern stammen aus Italien und Costa Rica. In Deutschland habe ich mein Jurastudium absolviert, welches auch inhaltlich sehr viel Spaß gemacht hat. Die Organisation der Ausbildung von Seiten der Universität hat allerdings deutliches Verbesserungspotenzial. Zwischen Universitätsabschluss und dem zweiten Staatsexamen habe ich dann promoviert. Am Ende der Ausbildung entschied ich mich dafür, etwas Anderes zu machen: war ich doch begeistert von wirtschaftlichen Zusammenhängen und von der Überlegung, in Zukunft etwas Unternehmerisches machen zu wollen, Personalverantwortung übertragen zu bekommen sowie strategische Positionen zu vertreten und zu verfolgen. Daher entschied ich mich für die Unternehmensberatung, die mir als erster Schritt in diese Richtung am Geeignetesten erschien. Dabei ist sicher eine hohe Lernkurve garantiert, so dachte ich, doch ich fand noch viel mehr: Kollegialität, Informationen aus den unterschiedlichsten Bereichen durch die Verschiedenheit der akademischen Ausbildung der Kollegen, Verbundenheit durch gemeinsame Neugierde, eine arbeitsintensive Atmosphäre, aber auch Verständnis für private Belange. Kurzum eine Erfahrung, die ich weder fachlich noch persönlich missen möchte. Meine Zeit verbrachte ich bei Arthur bzw. nach der Auflösung des Andersen Netzwerks und dem Zusammenschluss mit Deloitte Consulting bei Deloitte Business Consulting und zwar im Kompetenzbereich Finanzen und im Industriebereich Telekommunikation. Auch nach dem MBA werde ich wieder, so zumindest meine Planung, zur Unternehmensberatung zurück kehren, da ich für die Zeit des MBA vom Arbeitgeber freigestellt wurde.

Meine Entscheidung für einen MBA reifte lange Zeit. Seit mehr als vier Jahren trage ich diesen Wunsch mit mir herum. Zunächst wollte ich einen LL.M. (Master of Law) in den USA machen, doch nach meiner Entscheidung, mich vom klassischen juristischen Tätigkeitsfeld wegzubewegen, erschien der MBA inhaltlich deutlich sinnvoller für mich und meine berufliche Weiterentwicklung. In den letzten Jahren habe ich dann immer wieder die MBA Messen besucht, mich mit den Schulvertretern unterhalten und mit den jeweils aktuellen Broschüren ausgestattet - nur um dann doch wieder zu entscheiden, dass das nächste Jahr vermeintlich sinnvoller sei, um diesen wichtigen, nächsten Schritt zu gehen. Zunächst hatte ich vor, mich bei mindestens fünf Schulen zu bewerben, doch je länger ich über den MBA nachdachte, desto klarer wurde mir, welche Dinge mir bei so einem Programm wichtig sind: Reputation, Dauer, Internationalität und Bilingualität des Programms, Internationalität der Kommilitonen, begeisterungsfähiges städtisches Umfeld. Schon sehr lange möchte ich meine spanischen Sprachkenntnisse um vertiefte Kenntnisse im Wirtschaftsspanisch erweitern. So stand meine Entscheidung, in jedem Fall nach Spanien zu gehen. Daher blieben für mich nur IESE und IE als interessante Schulen übrig. Das Programm an der IE ist kürzer, in der Reputation gibt es marginale Unterschiede, welche m. E. eher noch für IE sprechen, also war meine Entscheidung gefallen einige Tage nach dem Erhalt der e-mail. O.K. einziger Wermutstropfen, Madrid liegt nicht am Meer - doch das gleicht diese Metropole locker in anderen Bereichen wieder aus.

Nun arbeite ich noch bis Anfang September und werde dann nach Madrid umziehen. Die Wohnungssuche habe ich bisher von hier aus organisiert. Nächstes Wochenende werde ich mir zahlreiche Wohnungen anschauen und hoffentlich etwas Geeignetes finden. Ich möchte in jedem Fall soviel wie irgend möglich von meiner Zeit während des MBAs mitnehmen - auch persönlich. Deshalb erscheint mir eine WG mit zwei bis drei Kommilitonen am Sinnvollsten. Die Schule hat eine sehr ausführliche und ständig aktualisierte Wohnungsliste im Intranet, zu dem die Zugriffsmöglichkeit bereits 2 Monate vor Beginn des Programms eingeräumt wird. Mittels dieser Liste ließ sich die Wohnungssuche bisher ganz gut vorbereiten und die potentiellen Vermieter wissen Bescheid und kennen den Namen der Schule etc. Überhaupt wird man mit dem Moment seiner Zusage sofort so behandelt als würde man bereits dazu gehören. Die IE Mitarbeiter, die für das Programm des internationalen MBAs zuständig sind, zeichnen sich durch ausgesprochen Hilfsbereitschaft und Unterstützung in vielen Bereichen aus.

Für Fragen, Anregungen und Anmerkungen aller Art stehe ich Euch jederzeit gerne zur Verfügung. Am Einfachsten erreicht Ihr mich via e-mail: r_alvarezligabue@hotmail.com.

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