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28.01.2003

10:02 Uhr

Ifo-Index leicht gestiegen

Ifo: Stimmung in der deutschen Wirtschaft stabilisiert sich

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Januar zum ersten Mal seit acht Monaten wieder minimal verbessert. Eine nachhaltige Trendwende ist nach Einschätzung von Experten auch wegen der hohen ökonomischen Risiken eines Irak-Krieges aber noch nicht eingetreten.

Grafik: Handelsblatt.com

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Reuters MÜNCHEN. Der an den Börsen mit Spannung erwartete Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland sei wie erwartet auf 87,4 Zähler von revidiert 87,3 Zähler im Dezember gestiegen, erklärte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung am Dienstag. Dabei beurteilten die befragten Unternehmen sowohl ihre Geschäftsaussichten als auch ihre gegenwärtige Geschäftslage geringfügig besser. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sprach von einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau: "Insgesamt ist es noch zu früh, auf Grund der Befragungsergebnisse auf eine Trendwende zu schließen."

Die Kurse an den Finanzmärkten reagierten kaum. Der Deutsche Aktienindex (Dax) notierte nach der Veröffentlichung der Ifo-Daten nahezu unverändert mit rund 1,5 % im Plus.

Firmen beurteilen Lage und Aussicht besser

Einen Konjunkturaufschwung würde der Ifo-Index nach einer gängigen Faustformel erst mit einem Anstieg in drei aufeinander folgenden Monaten signalisieren. Im Januar drehte der wichtigste deutsche Klima-Indikator nun erstmals seit Mai 2002 wieder nach oben. Dabei stieg der Teilindex zur Lagebeurteilung auf 77,1 Zähler nach revidiert 76,9 Zähler im Dezember. Der Teilindex der Geschäftserwartungen kletterte auf 98,1 Punkte nach revidiert 98,0 Punkten im Vormonat. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt einen Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex auf 87,5 Punkte erwartet. An der Ifo-Umfrage beteiligen sich rund 7000 Firmen.

Sinn erklärte, der minimale Anstieg werde von einer Verbesserung im Bauhauptgewerbe und im Großhandel getragen, während im verarbeitenden Gewerbe und beim Einzelhandel ein Rückgang des Klimaindikators verzeichnet worden sei. Ifo-Volkswirt Hans Russ sagte Reuters, die Ifo-Zahlen für Januar beinhalteten noch nicht die Zuspitzung des Irak-Konfliktes. Die Wachstumsprognose der Bundesregierung für 2003 von einem Prozent nannte er realistisch, Deutschland brauche aber eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank. In Ostdeutschland stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex auf 97,4 Punkte von 97,2 Punkten im Dezember.

Irak bleibt das zentrale Problem

Banken-Volkswirte zeigten sich wenig überrascht von den Ifo-Daten. "Im Prinzip kann man daraus nicht viel ablesen. Das ist ein sehr verhaltener Anstieg", sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank. Erst ein neues Plus in den kommenden Monaten wäre ein positives Signal: "Aber mehr als eine vage Hoffnung ist es noch nicht." So gebe es weiter Wirtschaftsbereiche wie die Bauwirtschaft, die nach wie vor in einer depressionsähnlichen Lage seien. Gerd Haßel von der ING BHF-Bank sagte, das Geschäftsklima scheine langsam zu drehen. Deshalb sei in den nächsten Monaten tendenziell mit einen Anstieg zu rechnen. "Dieser Trend wird vor allem dann eintreten, wenn sich die Lage im Irak geklärt hat", sagte Haßel.

Auch für Ralph Solveen von der Commerzbank kommt der Irak-Krise eine entscheidende Rolle bei der Bewertung der Wachstumschancen in diesem Jahr zu. Der Anstieg der Erwartungskomponente im Ifo-Index deute darauf hin, dass der Boden erreicht sei, und weise auf eine wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr hin. Er fügte hinzu: "Dabei hängt alles vom Irak und vom Euro ab." Anlass zu verhaltenem Optimismus hatte bereits vergangene Woche der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Frühindikator gegeben, der ebenfalls zum ersten Mal seit Mai angezogen war.

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