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28.04.2003

12:45 Uhr

Ifo-Index schlechter als erwartet

Trübe Wirtschaftsstimmung dämpft Hoffnung auf Erholung

Die überraschend schlechtere Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat den Hoffnungen auf eine baldige wirtschaftliche Erholung nach dem Ende des Irak-Kriegs einen empfindlichen Dämpfer verpasst. Ein kräftiger Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex belegt nach Ansicht von Experten Zweifel der Unternehmen an der Reformfähigkeit in Deutschland.

Reuters BERLIN. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland fiel nach Angaben des Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) vom Montag im April auf 86,6 Punkte von 88,1 Zählern. "Damit sind beim Geschäftsklima Anzeichen für eine Wende zum Besseren in Deutschland weiter ausgeblieben", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Zukunft negativer als im Vormonat.

Volkswirte: Diskussion um Reformen dürfte belastet haben

Volkswirte hatten vor allem im Ende des Irak-Kriegs einen Grund für eine Stimmungsverbesserung gesehen und im Schnitt einen Index-Anstieg auf 88,6 Zähler erwartet. Ifo-Volkswirt Gernot Nerb sagte dagegen Reuters, die Einnahme Bagdads durch US-Truppen habe keine große Wirkung gehabt. Die Ifo-Daten dürften nun aber auch nicht überdramatisiert werden. "Es ist keine Verbesserung der Aussichten feststellbar, sondern eine gewisse Skepsis", kommentierte Nerb den gesunkenen Index-Stand.

Andreas Scheuerle von der DekaBank wertete den Index als Beleg dafür, dass für die Unternehmen nach den Unsicherheiten um den Irak-Krieg wieder die heimischen Probleme in den Vordergrund treten: "Die Wirtschaft glaubt nicht an Reformen." Schon die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angekündigten Reformschritte seien eher zu wenig, doch selbst diese drohten nun zerredet zu werden. "Warum sollte ein Unternehmer auch hier Arbeitsplätze schaffen, wenn er das woanders günstiger tun kann?", fragte Scheuerle mit Blick auf Berichte, wonach der Chiphersteller Infineon möglicherweise seinen Konzernsitz in die Schweiz verlegen wolle.

Auch Manfred Kurz von der Bayerischen Landesbank hob auf die Reformdiskussion ab: "Neben der allgemeinen wirtschaftlichen Verunsicherung spielt natürlich auch die politische Verunsicherung eine Rolle, die durch die Diskussion um die Agenda 2010 entstanden ist." Unterdessen drohte der Kanzler am Montag indirekt mit seinem Rücktritt, sollte seine Partei ihm bei den angekündigten Reformen die Unterstützung verweigern.

Volkswirte: Bestenfalls mühsame Erholung in diesem Jahr

Nachdem jüngste Daten einen überraschend guten Start der deutschen Wirtschaft in dieses Jahr belegt hatten, lässt der gewachsene Pessimismus der Unternehmen die Volkswirte am Beginn einer deutlichen Erholung im Jahresverlauf zweifeln. "Jetzt, wo sich der Nebel des Krieges verzieht, sieht man, dass die deutsche Wirtschaft fundamental schwach ist", sagte Christoph Weil von der Commerzbank. Auch im zweiten Halbjahr 2003 werde wohl kein Aufwärtstrend zu sehen sein.

Scheuerle bezeichnete ein Wirtschaftswachstum von knapp einem halben Prozent - wie von den meisten internationalen Organisationen und den Wirtschaftsforschungsinstituten prognostiziert - als realistisch. Bestenfalls werde eine mühsame Erholung einsetzen, sagte der Volkswirt. Die Bundesregierung wird ihre Prognose Regierungskreisen zufolge allerdings nur auf 0,75 % von bislang einem Prozent senken.

Ifo: Stimmung in fast allen Bereichen schlechter

Die vom Ifo befragten mehr als 7000 Unternehmen beurteilten sowohl ihre Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate als auch ihre aktuelle Geschäftslage schlechter. Der Teilindex für die Erwartungen fiel auf 94,9 nach 97,2 Punkten im Vormonat. Der Geschäftslageindex fiel auf 78,6 nach 79,2 Punkten. Die Eintrübung des Geschäftsklimas habe nahezu alle Bereich erfasst, überdurchschnittlich kräftig sei der Rückgang in der Industrie gewesen, erklärte Sinn. In Ostdeutschland stagnierte der Klimaindex im April den Ifo-Angaben zufolge bei 100,8 Punkten.

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