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13.02.2001

12:58 Uhr

IG Metall: Thema nicht den Versicherungsagenten allein überlassen

Gewerkschaften planen Einstieg in private Altersvorsorge

Als Vorbild sollen nach den Vorstellungen der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) dabei auch Modelle wie etwa die mächtigen amerikanischen Pensionsfonds dienen.

ap FRANKFURT/MAIN. Die Gewerkschaften in Deutschland planen im großen Stil den Einstieg in die private Altersvorsorge. Als Vorbild dienen dabei auch Modelle aus dem Ausland, wie etwa die mächtigen amerikanischen Pensionsfonds. DAG-Chef Roland Issen sprach sich in der "Börsen-Zeitung" (Dienstagausgabe) dafür aus, Kapitalsammelstellen nach dem Vorbild der großen US-Pensionsfonds zu gründen, um die Arbeitnehmerbeiträge für die private Altersvorsorge zu verwalten.

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel hatte schon im Dezember erklärt, die Gewerkschaften sollten dieses Thema nicht allein den Versicherungsagenten überlassen. Konkrete Vorstellungen äußerte er jedoch nicht. Er sagte aber, dass jüngst verabschiedete Volkswagen-Modell sei eine Möglichkeit. Allerdings sei es nicht in jedem Fall übertragbar.

In den USA, Großbritannien und den Niederlanden spielen Pensionsfonds nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln für das Anlagegeschäft bereits eine zentrale Rolle. Allein zwei der renommiertesten US-Pensionsfonds, die vorwiegend Gelder von öffentlich Bediensteten anlegen, verwalteten zusammen fast 480 Mrd. Dollar (1,010 Billionen DM).

Aus Gewerkschaftskreisen verlautete am Dienstag, vorstellbar seien für Deutschland überbetriebliche Lösungen, die via Tarifvertrag geregelt werden. Arbeitnehmer kleiner, mittlerer und großer Betriebe können einzahlen und eingeteilt in verschiedene Risikoklassen - von sehr sicher bis risikoreicher - könne dieses Geld dann in verschiedenen Pensionsfonds verwaltet werden. Erste Sondierungen mit Arbeitgebern, wie ein solches Modell aussehen könnte, gebe es bereits in verschiedenen Bezirken.



Issen für professionelle Fondsmanager

Issen sagte, die einzelnen Gewerkschaften seien sich noch nicht ganz einig bei diesem Thema. "Ich selber aber bin überzeugt, dass dies ein vernünftiger Schritt wäre", zitiert ihn die "Börsen-Zeitung".

Nach dem Entwurf zur Rentenreform stehen Teile der privaten Zusatzvorsorge unter einem Tarifvorbehalt. So haben die Gewerkschaften die Möglichkeit, private Rentenbeiträge der Arbeitnehmer einzusammeln und zu verwalten. Issen gehe davon aus, dass sich sehr schnell beträchtliche Vermögenswerte ansammeln, schreibt die Zeitung.

Der Vorsitzende der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) sagte aber auch, dass sich die Gewerkschaften die Tariffonds nicht zu Nutze machen wollten, um bestimmte politische Ziele durchzusetzen. Es gehe nicht um einen zusätzlichen Hebel für die Mitbestimmung über die Kapitalseite. Auch eine Anlagepolitik in Richtung ökologischer oder ethischer Investments könne nicht im Vordergrund stehen. Vielmehr müsse der Renditeaspekt Vorrang haben.

Issen sprach sich zugleich für die Anwerbung professioneller Fondsmanager aus. Gewerkschaftsfunktionäre brächten nicht die Erfahrungen mit, die das Fonds- oder das Versicherungsgeschäft erfordere. Mit der Gründung eigener Kapitalsammelstellen wollten die Gewerkschaften aber nicht an die Zeit der Gewerkschaftsbanken anknüpfen.



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