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17.01.2003

12:47 Uhr

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Ihr Business Schools kommet

Jedes Jahr Ende Januar das gleiche Spektakel: Im Schweizer Nobelluftkurort Davos vereint das World Economic Forum (WEF) 2 000 handverlesene Big Names aus Wirtschaft und Politik. So wird es auch in der nächsten Woche sein, wenn WEF-Präsident Klaus Schwab zum offiziellen Thema "Building Trust" bittet.

Auf der Gästeliste: alte Bekannte wie der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und Shimon Peres und Neulinge wie Luis Inacio Lula da Silva, der neue brasilianische Präsident, Abdullah Gül, der amtierende türkische Premierminister, und Recep Tayyip Erdogar, der eigentliche starke Mann der Türkei, oder König Abdullah von Jordanien.

Weniger bekannt ist, dass zu den regelmäßigen Davos-Gästen nicht nur Regierungschefs und die Bosse von Weltkonzernen gehören, sondern auch Vertreter der Business Schools. Zu den regelmäßigen Gästen zählen etwa Harvard-Dean Kim Clark, Laura D?Andrea Tyson, ehemalige Clinton-Beraterin und heute Chefin der London Business School, oder auch IMD-Professor Derek Abell, seit kurzem Präsident der neuen European School of Management and Technology in Berlin.

In diesem Jahr werden nach Handelsblatt-Recherchen Angel Cabrera (Instituto de Empresa), Thomas Donaldson (Wharton), Stephan Kobrin (Wharton), Peter Lorange (IMD), Richard Schmalensee (Sloan/MIT), Blair Sheppard (Duke) und Laura D. Tyson (London Business School) erwartet. Besonders stark das Insead-Kontingent: Gleich ein halbes Dutzend Insead-Professoren wurden nach Davos eingeladen.

Business Schools sind in die Kritik geraten

Management-Reflexion ist von jeher Teil von "Davos" gewesen, lange bevor es als weltweit wichtigster Treff der großen Namen legendär wurde. Spötter behaupten sogar, das World Economic Forum sei vor dreißig Jahren von Klaus Schwab, damals noch ein völlig unbekannter deutscher Management-Professor an der Uni Genf, nur erfunden worden, um deutschen Mittelständlern das neueste Managementdenken beizubringen.

Aber die Business-School-Vertreter kommen diesmal nicht nur, um den versammelten Konzernlenkern ihre neuesten Management-Theorien zu verkaufen. In gewisser Weise sind die Business Schools selbst in die Kritik geraten. Wenn solche Skandale wie Enron passieren können, so der Vorwurf, dann kann ja wohl etwas mit der Manager-Ausbildung der Business Schools nicht stimmen. Ihren Absolventen fehle, so das neue Modewort, der "moralische Kompass". So darf erwartet werden, dass die Business School-Vertreter in der nächsten Woche auch pflichtschuldig ihre Mea- culpa-Statements abgeben werden.

Sehr viel weiter geht die Initiative des jungen Madrilener Business School-Chefs Angel Cabrera. Der Instituto-de-Empresa-Dean, den das World Economic Forum im letzten Jahr zu einem der "Global Leaders for Tomorrow" kürte (siehe www.handelsblatt. com/glt), fordert auch für Manager einen Schwur wie den hippokratischen Eid bei Medizinern.

WEF-Chef Schwab hat auch auf verschiedene andere Weise versucht, die Expertise von Business Schools zu nutzen. So finden sich Business- School-Vertreter nicht nur regelmäßig bei Podiumsdiskussionen und anderen Veranstaltungen.

Als prestigereich gilt auch die Ernennung zum Berichterstatter, der die Diskussionsergebnisse einzelner Veranstaltungen schriftlich zusammenfasst. LBS-Chefin Laura Tyson leitete im letzten Jahr das Panel zum Thema "Redefining Business Challenges" und schrieb das entsprechende Kapitel für den "Global Agenda Monitor". In diesem Jahr werden Wharton-Professor Stephen J. Kobrin und Joseph S. Ney, Dean der John F. Kennedy School of Government (Harvard), solche Aufgaben übernehmen.

Studie über Internetfähigkeit verschiedener Länder

Noch weiter geht die Rolle von Soumittra Dutta, der an Insead in Fontainebleau die Roland-Berger-Professur für E-Business bekleidet. Er zeichnet für den "Global Information Technology Report" verantwortlich, eine vergleichende Studie über die Internetfähigkeit verschiedener Länder.

Eine solche enge Forschungskooperation bestand lange Zeit auch zwischen dem World Economic Forum und dem IMD in Lausanne, geographisch nur ein paar Kilometer vom WEF-Hauptsitz in Genf entfernt. Doch vor sechs Jahren trennten sich die Partner im Streit. Seitdem gibt jeder alljährlich seine eigene Studie zur Wettbewerbsfähigkeit von Ländern heraus: das IMD allein als "World Competitiveness Yearbook", das World Economic Forum in Kooperation mit Harvard als "World Competitiveness Report".

"Die Beziehung zwischen IMD und World Economic Forum ist heute besser als jemals zuvor", sagt dennoch IMD-Chef Peter Lorange. "Es gibt regelmäßig Treffen zwischen Professor Schwab und mir, und wir kooperieren auch bei der Lösung von IT-Problemen oder bei Personalmanagementfragen. Viele unserer Kunden sind identisch, und ich erwarte sogar noch eine verstärkte Kooperation in der Zukunft." Schließlich machten die Business School und das World Economic Forum doch eigentlich das Gleiche: Sie seien "global meeting places".

Lorange sieht seine Davos-Teilnahme auch eher pragmatisch: "Ich sehe es in erster Linie als eine Möglichkeit, Business-Leute aus aller Welt zu treffen, die zum Teil auch Kunden von IMD sind. Die Gespräche sind sehr offen. Alles sehr effizient." Eine Möglichkeit auch, den Puls der Zeit zu fühlen: "Davos ist ein Schnappschuss der kollektiven Meinung der (politischen und wirtschaftlichen) Führer, die die Welt von heute und morgen prägen", sagt Insead-Professor Dutta. "Für mich ist Davos damit auch ein Weg, für mögliche, zukünftige Entwicklungen sensibilisiert zu werden", sagt Lorange.

Und was ist mit der geheimnisumwitterten Beziehungspflege? "Natürlich ist Networking ein wichtiger Teil von Davos. Und damit die Gelegenheiten zur Zusammenarbeit", sagt Doutta. Und, ganz Management-Professor: "Darin liegt ja die Wertschöpfung."

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