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25.05.2000

14:36 Uhr

Ihr persönlicher Karriereberater

Uwe Böning: Zehn Regeln, die die Zukunft sichern

VonUwe Böning

Fusionen, Megafusionen, Hyperfusionen: Die Entwicklung scheint keine Grenze zu haben. Führungsprozesse ändern sich, die Probleme der Zusammenarbeit mit Angehörigen verschiedener Firmenkulturen und Landeskulturen stellen sich neu. Früher buchstabierte man EDV, dann IT, jetzt Internet. Digitalisierung, Telekommunikation und E-Commerce: Die Geschwindigkeit wird atemberaubend, die Erreichbarkeit total und der neue Wettbewerb ändert die Spielregeln in einem bisher völlig unbekannten Ausmaß.

Natürlich haben wir die Begriffe parat: Paradigmenwechsel, Old Economy versus New Economy, Chaoskompetenz und neues Unternehmertum. Wir können Vorträge darüber halten, Artikel schreiben und im Gespräch spielerisch damit umgehen. Nichts Neues also. Das ungeheuerliche Ausmaß der Veränderung kommt im bescheidenen Gewand von Alltag und Normalität daher. Aber es ist, als ob die kopernikanische Wende in der Physik, das Zeitalter der Entdeckungsreisen, die industrielle Revolution, die Entdeckung der Evolution und ihrer Spielregeln durch Darwin und die Entdeckung des Unbewussten durch Freud in einem Punkt zusammenfallen würden. Alle Vergleiche scheinen zu gering und übertrieben zugleich.

Haben sich die heutigen Macher, eigentlich die Erbauer der Old Economy, auf die Jetztzeit in ihren Unternehmen und auf die Zukunftszeit ihrer Mitarbeiter genügend eingestellt? In einigen Top-Etagen der alten Konzerne hat man alle Hände voll zu tun, den Fusionswahn als notwendig, das Fiasko als unerwartet und unglücklich, das Desaster als Normalität oder gar als geschickten politischen Schachzug darzustellen. Probleme? Fast ein Unwort für Topmanager. Unsicherheit? Kennt eine gestandene Führungskraft nicht. Orientierungsmangel? Da weiß ein richtiger Manager die Richtung und hat heiße Visionen. Angst? Bestenfalls etwas für therapeutische Fälle. Emotionen? Hat mit hartem Business wenig zu tun. Widerstand gegen Veränderungen? Da fehlt das unternehmerische Bewusstsein. Da fehlen Mobilität und Flexibilität der Mitarbeiter. Kommunikation? Die Nachrichten sind doch für jedermann in den Medien, und die Führungskräfte haben sogar einen Infoletter erhalten. Hintergrundinformationen? Man kann doch nicht alles auf dem offenen Markt behandeln.

Persönliches Kümmern um die Führungskräfte? Sicherlich richtig, aber dafür fehlt einfach die Zeit. Change Management? Darüber hat man doch schon Vorträge gehalten - und damit ist das Thema in der Firma bekannt. Persönliche Entwicklung? Bestenfalls für Nachwuchsleute. Menschen verändern? Das ist deren eigene Verantwortung. Als Top-Mann kann man sich nicht mit dem zwischenmenschlichen Nahkampf beschäftigen - es rufen große Dinge.

Nur, eine Frage haben die Manager doch: Warum klappt das mit der Umsetzung so schlecht? Warum sind so viele Fusionen erfolglos? Warum dauert Change Management so lange? Nein: Mit den selbstkontrollierten, vernünftigen Herren, die emotionsarm ihr Business machen, hat das sicher alles nichts zu tun. Das Problem ist doch klar: Das Problem, das sind die anderen!

Was macht der Einzelne damit? Wie sollen Mittelmanager und aufgeweckte Nachwuchskräfte damit umgehen? Aussteigen oder einsteigen? Kämpfen oder flüchten?



Zehn Regeln, die die Zukunft sichern:

  1. Stellen Sie sich darauf ein: Wandel, Beschleunigung, Neuanfang sind normal. Wer eine positive Grundeinstellung entwickelt, kommt weiter. Wer stets das Negative, das Gefährliche sieht, blockiert sich. Nur wer an sich glaubt, kann andere von sich überzeugen. Lernen Sie die Kunst des realistischen positiven Denkens.
  2. Suchen Sie Verbündete, die mit Ihnen Ziel, Spirit, die Lust zur Aktion teilen. Wer den Mut des Einzelnen mit der Kraft des Teams verbindet, kommt weiter, schafft Großes. Soziale Netzwerke muss man pflegen. Gute Produkte haben Viele, funktionierende Netzwerke Wenige.
  3. Legen Sie Ihre berufliche Entwicklung möglichst von Anfang an auf permanenten Wechsel an. Suchen Sie sich immer wieder neue Aufgaben. Gehen Sie in neue Projekte, obwohl Sie schon genug zu tun haben. Der Wandel findet stets gleichzeitig statt.
  4. Sie können, aber Sie müssen nicht dauernd die Firma wechseln. Was Sie immer wieder verbessern müssen, ist Ihre Qualifikation. Schaffen Sie die Voraussetzungen, breit einsetzbar zu sein. Ihre Ausbildung ist nie abgeschlossen. Wer nicht bereit ist, lebenslang zu lernen, definiert in der Wissensgesellschaft den Zeitpunkt für sein "Outsein" selbst.
  5. Kaufen Sie sich ruhig ein Haus, aber nicht zu früh - und stellen Sie sich darauf ein, dass Sie es mehrmals verkaufen. Wer sich örtlich bindet, begrenzt sich selbst.
  6. Suchen Sie sich einen Partner, der ähnlich denkt und fühlt wie Sie. Setzen Sie Ihre Beziehung nicht der Zerreißprobe aus: Job oder Liebe. Die Umerziehung des Partners funktioniert nicht so leicht. Doch nur wer durch dasselbe Fenster sieht, hat die gleiche Aussicht.
  7. Machen Sie eine Spitzenausbildung oder halten Sie sie kurz. Machen Sie sich lieber selbstständig als im Mittelfeld zu verschwinden.
  8. Setzen Sie sich erreichbare Ziele. Man kann nirgendwo so viel Selbsterfüllung finden wie im Rahmen seiner eigenen Möglichkeiten.
  9. Machen Sie sich frustfest, motivieren Sie sich selbst. Wer darauf wartet, dass andere dies tun, versklavt sich. Nur wer sich selbst bewegt, bringt sich weit nach vorne.
  10. Halten Sie das Chaos für Normalität. Unordnung ist es nur für den, der weder Wege noch Spielregeln kennt. Lernen Sie Chaoskompetenz, indem Sie die Firma wechseln oder ins Ausland gehen.

Der Autor ist Geschäftsführender Gesellschafter von Böning-Consult , Frankfurt

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