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14.06.2000

19:12 Uhr

Ikea beauftragt Rhenus AG mit der Bewirtschaftung seines Logistikzentrums Salzgitter

Verbesserte Logistik stützt das Wachstum bei Ikea

VonLothar Steckel

Eines haben alle Möbel von Ikea gemeinsam: Sie können aus jedem Geschäft des weltweit agierenden Unternehmens sofort vom Kunden mitgenommen werden. Die ständige Verfügbarkeit der Ware ist ein entscheidendes Verkaufsargument. Ohne eine dahinterstehende leistungsstarke Logistik ist das nicht möglich.

SALZGITTER

. Das stetige Wachstum des Möbelkonzerns Ikea stellt an den Warennachschub für die Geschäfte immer höhere Anforderungen an die Logistik. In Deutschland, wo im vergangenen Geschäftsjahr (1.9.98 bis 30.8.99) mit 3,5 Mrd. DM rund ein Viertel des Weltumsatzes erreicht wurde, plant Ikea laut Geschäftsführer Wilfried Müller der Ikea Lager und Service GmbH, Dortmund, einen Umsatzsprung auf 6 Mrd. DM bis zum Jahr 2003. Fünf Jahre später wollen die Schweden 8 Mrd. DM umsetzen und die Zahl ihrer Möbelhäuser auf 50 verdoppeln. Auch die Zahl der Mitarbeiter soll von derzeit 8 500 auf dann rund 20 000 steigen.

Um dieses Wachstum zu bewältigen, müssen Waren- und Informationsflüsse noch professioneller gemanagt werden. Zur Versorgung seiner derzeit 25 deutschen Möbelhäuser mit rund 11 500 verschiedenen Artikeln hat Ikea seit 1996 drei Distributionszentren gebaut: in Werne bei Dortmund und in Erfurt. Der jüngste Komplex wurde jetzt in Salzgitter eröffnet.

Für rund 80 Mill. DM ist in Salzgitter auf der grünen Wiese ein Logistikzentrum von beträchtlichen Ausmaßen entstanden: Auf etwa 65 000 qm wurden sechs Hallen errichtet. Die Lagerkapazität beträgt 100 000 cbm, das entspricht rund 103 000 Palettenstellplätzen. Davon entfallen 39 000 auf einen konventionellen Bereich am Boden und 64 000 auf ein 22 m hohes Hochregallager. Acht Regalbediengeräte und 20 Stapler sorgen für Bewegung in den Hallen. 44 Lkw-Andocktore und Gleisanschlüsse in drei Hallen für insgesamt 20 Waggons schaffen die nötige Empfangs- und Distributionskapazität. Die Strecken innerhalb und zwischen den Hallen sind bisweilen so weit, dass die Mitarbeiter oft aufs Fahrrad steigen.

Gut ein Drittel des Ikea-Sortiments lagert in Salzgitter, etwa 3 000 Artikel. Sechs Monate nach Baubeginn wurde mit der Einlagerung von Ware in den ersten zwei fertiggestellten Hallen begonnen. Bis jetzt ist Salzgitter fast ausschließlich auf Empfang eingestellt. Zum Katalogstart am 1. September wird dann aber auch der Warenausgang in die Geschäfte hochgefahren.

Als Logistikdienstleister hat Ikea die Dortmunder Rhenus AG & Co. KG verpflichtet. "Wir sind seit Herbst 1999 verantwortlich für die Wareneingänge, die Lagerverwaltung, die Gestellung aller Fördergeräte außer der Hochregalbediengeräte, die Qualitätskontrollen und für die spätere Verladung per Lkw und Eisenbahnwaggon", erläutert Rhenus-Vorstand Peter Eichler. Auch für Reparaturen und die Liegenschaftsverwaltung sind die Dortmunder zuständig. Insgesamt beschäftigt Rhenus 75 Mitarbeiter in Salzgitter, die das Logistikzentrum im Zweischichtbetrieb von montags bis samstags "fahren".

Rhenus-Prokurist Uwe Öhlmann managt den Betrieb vor Ort. Er erwartet, dass die Ware im Lager durchschnittlich dreimal jährlich umgeschlagen wird. "Wir wollen 349 000 Paletten pro Jahr durchschleusen, in Spitzenzeiten werden es rund 5 000 Paletten beziehungsweise 50 Lkw am Tag sein." Zurzeit empfängt Salzgitter jeden Werktag rund 40 Sattelschlepper, die jeweils 45 Kubikmeter Ware geladen haben.

Der überwiegende Teil wird bei Ikea über die Straße angeliefert. "Der geplante Anteil der Straße soll im Wareneingang bei 70 % liegen. Der Rest wird mit der Bahn in Containern angeliefert", erläutert Öhlmann. Eine Besonderheit ist der Transport von Überseecontainern mit Binnenschiffen. Die Container werden in Hamburg vom Seeschiff auf Binnenschiffe umgeladen und zum Hafen Braunschweig transportiert. Von hier aus gelangen die Stahlkisten mit Sattelzugmaschinen in das Ikea-Lager.

Für die An- und Abtransporte ist die Rhenus nicht verantwortlich. "Wir hätten gern auch diese Tätigkeiten übernommen, sind aber ausschließlich für die Abläufe in den Hallen und auf dem Hof engagiert", erklärt Eichler. Entsprechend ausgestaltet sei der Vertrag, den man mit Ikea geschlossen habe.

Die logistische Wertschöpfung, die man in Rechnung stellt, bemisst sich nach der Anzahl der umgeschlagenen Paletten und der so genannten Komissionierpicks. Dabei wird im Regelfall jeder Vorgang registriert und abgerechnet, bei dem die Ware angefasst wird. "Wir kommissionieren hier bis zur einzelnen Verpackungseinheit für den Verkauf herunter", umschreibt Eichler den Umfang der Vereinbarung. Daneben fallen Qualitätskontrollen an, die ebenfalls abgerechnet werden.

Vom Dienstleister Rhenus wird eine hohe Leistung erwartet, betont Ikea-Geschäftsführer Müller. Rhenus-Vorstandssprecher Heiner Brixner versteht darunter, dass sein Unternehmen Optimierungsansätze zum Nutzen des Kunden finden und realisieren müsse. "Der Ikea-Auftrag ist für uns bei Rhenus ein Meilenstein in der Entwicklung komplexer Logistiksysteme", erklärt Brixner. Dennoch gehörten solche Aufgaben inzwischen zum Tagesgeschäft.

Die Rhenus AG, die die Veba-Tochter Stinnes 1998 an den sauerländischen Familienkonzern Rethmann AG & Co. veräußerte, hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Aus dem Binnenschifffahrts- und Massengut-Umschlag- und Lagerunternehmen ist ein Logistikdienstleister mit zahlreichen Betätigungsfeldern bei hochwertigen Stückgütern geworden. Neben den klassischen Schifffahrts- und Umschlagaktivitäten agieren die Dortmunder vor allem in anspruchsvollen Logistikbereichen, beispielsweise für die Automobilhersteller sowie für Chemie- und Pharmaunternehmen.

Rund 150 Mill. DM will Rhenus in den nächsten zwei bis drei Jahren in den Aufbau neuer Logistikzentren in Europa investieren. "Wir haben kürzlich in Mannheim ein großes Zentrum eröffnet, bauen zurzeit in Nürnberg und haben ein Grundstück bei Berlin erworben", berichtet Brixner. Standorte wie Hannover, Zürich, Mailand, Paris, Antwerpen, Rotterdam und Ballungszentren in Österreich sowie in den östlichen Nachbarländern Tschechien und Polen stehen auf der Prioritätenliste. Ziel sei es, jeweils bis zu 50 000 qm große Lager- und Distributionshallen zu errichten, um Güter zu lagern und zu verteilen.

Dabei hat der Rhenus-Chef auch den Bereich E-Business im Blick. Jüngste Aktivität ist die Gründung eines Technologielabors mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik an der Uni Münster. Ziel sei die Entwicklung einer "Business-Networking-Plattform", die es den Teilnehmern entlang der Logistikkette ermöglicht, ihre Geschäftsprozesse zu integrieren und aufeinander abzustimmen.

Die unternehmensübergreifende Infoplattform soll den Austausch und die Verfügbarkeit von Informationen - zum Beispiel zur Disposition, Planung, Abwicklung oder Abrechnung - in Unternehmensnetzen verbessern. Dabei will Rhenus die Kernkompetenzen aus Logistik, Informationstechnologie und Wirtschaft zusammenführen. "Wir bieten deshalb den Kunden an, sich an dem Labor zu beteiligen", sagt Brixner. Rhenus selbst tritt als Vernetzungsdienstleister auf, koordiniert die Aktivitäten und ist für die Realisierung und den Betrieb der E-Business-Plattform verantwortlich.

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