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16.01.2001

18:43 Uhr

rtr LONDON. Don Johnston, Leiter der Europa-Abteilung für Fusionen und Akquisitionen (M&A) der Deutschen Bank , stellt sich auf ein schwieriges Jahr 2001 ein. Trotz eher trüber Aussichten für das Geschäft mit Fusionsberatungen steige der Druck, die M&A-Aktivitäten des Instituts weiter auszubauen, sagte Johnston in einem Gespräch. Seine Strategie, um diesem Druck standzuhalten, klingt einfach: Ziehe die besten Banker an Land, berate die größten Unternehmen und bringe so die Deutsche Bank im weltweiten M&A-Geschäft in Spitzenpositionen.

"Wenn es derzeit ein Geschäftsfeld gibt, das hinter den Erwartungen des Bankvorstands zurückbleibt, dann ist es M&A. Ich sitze deshalb auf einem heißen Stuhl", erklärte Johnston. Die Deutsche Bank hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr von einer Universalbank zu einer Investmentbank entwickelt. Die M&A-Einheit des Instituts ist nach Ansicht von Analysten eine Schwachstelle bei den Bestrebungen der Bank, im Investment-Bereich zur weltweiten Spitze der Finanzdienstleister zu gehören.

In der Bankenliste der Thompson Financials Global League über alle weltweit abgeschlossenen Fusionen und Übernahmen, an denen Banken beteiligt waren, ist die Deutsche Bank im vergangenen Jahr nur von Platz zwölf auf Platz elf aufgestiegen. Die Dresdner Bank würde in dieser Liste inklusive der von ihr Anfang des Jahres erworbenen US-Investmentbank Wasserstein Perella auf Platz 12 vorrücken. Spitzenreiter ist die US-Investmentbank Goldman Sachs, die an der Übernahme des Mobilfunkunternehmens Mannesmann durch Vodafone beteiligt war. "Tabellen dieser Art sind eine ständige Qual für mich. Denn wir vergleichen uns nur mit den größten und besten Konkurrenten", sagte Johnston.

Der Banker ist sich des Drucks, der auf ihm lastet, wohl bewusst. Denn bei den M&A-Aktivitäten will das Institut schon bald zur weltweiten Spitzengruppe zählen. Die Deutsche Bank ist in das Investmentbanking-Geschäft erst relativ spät im Jahr 1995 mit der Integration von Morgan Grenfell eingestiegen. Als weiterer bedeutender Schritt folgte 1999 der Kauf der US Bankers Trust. -Investmentbank Die Beratung in M&A-Fragen gilt als einer der lukrativsten und zugleich schwierigsten Segmente des Investmentbankings.

Johnstons Strategie für den Aufstieg zur Spitzengruppe beruht auf drei Punkten. Erstens müsse die Deutsche Bank künftig mindestens bei einer oder zwei der ganz großen Übernahmen beteiligt sein. Morgan Stanley Dean Witter war als einer der weltweit größten M&A-Beraterhäuser im vergangenen Jahr beispielsweise bei zwei der drei größten Fusionen beteiligt.

"Zweitens benötigt man eine Siegermannschaft, die sich aus führenden Investmentbankern und gut ausgebildeten Mitarbeitern zusammensetzt", sagte Johnston. Drittens müsse man mit dieser Mannschaft Tag für Tag die Konkurrenz ausstechen. Man dürfe jedoch nie vergessen, dass ein Institut von eher hinteren Plätzen nicht von heute auf morgen in die vorderen Ränge aufsteigen könne.

Vor allem die Aktivitäten am deutschen Markt plant Johnston in diesem Jahr weiter auszubauen. Deutsche Unternehmer seien mittlerweile jünger geworden und schauten mehr über den eigenen Tellerrand hinaus. "Der deutsche M&A-Markt hat in diesem Jahr mehr Potenzial als jeder andere in Europa", sagte Johnston. Die Reform der Unternehmensbesteuerung und die in 2002 abgeschaffte Steuer auf Erlöse aus dem Verkauf von Unternehmensanteilen wird Experten zufolge bereits in diesem Jahr überfällige Umstrukturierungen der Firmen beschleunigen.

Sicher ist Johnston, dass 2001 angesichts fallender Aktienkurse an den Technologiebörsen und rückläufiger Gewinne ein schwieriges Jahr für M&A-Aktivitäten wird. "Firmen sind bei Zukäufen derzeit viel vorsichtiger", sagt Johnston. Mit einem vollkomen ruhigen Jahr rechnet er jedoch nicht. Denn einige etablierte Unternehmen, die die jüngsten Verluste an den Aktienmärkten relativ unbeschadet überstanden haben, werden nach seiner Ansicht schon bald ein Auge auf die kleineren Firmen werfen, die stärker gelitten haben.

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