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30.01.2002

10:35 Uhr

Image-Krise der Bundesregierung

Top-Manager loben Stoiber

VonKlemens Kindermann

Sicherung des Wirtschaftswachstums, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, solides Haushalten - wer kann es besser, Gerhard Schröder oder Herausforderer Edmund Stoiber? Die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft haben exklusiv im Handelsblatt schon ihr Votum abgegeben: Stoiber trauen sie mehr zu.

Foto: dpa

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DÜSSELDORF. Die Entscheidung der CDU/CSU, mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber als Kanzlerkandidaten in den Bundestagswahlkampf zu ziehen, findet bei den Führungskräften der deutschen Wirtschaft großen Anklang. Dies ergab die repräsentative Befragung der Top-Manager im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors im Januar 2002, die kurz nach der Nominierung Stoibers begonnen und Anfang dieser Woche abgeschlossen wurde.

Der CSU-Vorsitzende kommt auf klare Kompetenzvorsprünge vor dem amtierenden Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in zentralen Bereichen der Wirtschafts- und Innenpolitik. Zugleich sinkt das Ansehen von Bundesregierung und Bundeskanzler bei den Top-Managern weiter, während die CDU/CSU-Opposition ihr Image erneut deutlich verbessert und mittlerweile günstigere Noten erhält als die Regierung.

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Insbesondere in den Politikfeldern Wirtschaftswachstum (89 %) und innere Sicherheit (82 %) halten die Top-Manager Stoiber für kompetenter als Schröder (Grafik). Das gilt ebenso für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (77 %) und die Haushaltspolitik (62 %). Schröder kann einen Kompetenzvorsprung in der Sozialpolitik (53 %) und der Außenpolitik (59 %) erreichen. Mit dem Antritt Stoibers als Kanzlerkandidat zur Bundestagswahl im September dieses Jahres sind nach Auffassung der Entscheider die Erfolgsaussichten der Union bei der bevorstehenden Bundestagswahl im September gestiegen; davon ist man fast ausnahmslos (86 %) überzeugt. Nur 3 Prozent glauben, die Kandidatur des CSU-Vorsitzenden werde sich nachteilig für die CDU/CSU auswirken, und 11 Prozent meinen, es habe sich an den Chancen für die Union dadurch nichts geändert.

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Die Ausgangssituation für den Regierungschef an der Spitze der rot-grünen Koalition ist ohnehin nicht gerade viel versprechend, wenn man das Urteil der Manager zum Maßstab nimmt. Denn Schröder erfährt zu Jahresbeginn 2002 mit 3,5 (im Dezember 2001 waren es noch 3,1) die schlechteste Bewertung auf der von 1 = sehr gut bis 5 = sehr schlecht reichenden Notenskala durch die Führungskräfte seit Ende 1999: Zusammen 50 Prozent (+17 Prozentpunkte) bezeichnen seine Arbeit in den letzten Wochen als (sehr) schlecht, nur noch 9 Prozent (-14) als (sehr) gut, 41 Prozent (-2) als befriedigend.

Der seit Oktober 2001 anhaltende ungünstige Trend für den Kanzler signalisiert dabei auch eine generelle Image-Krise der Bundesregierung bei den Spitzen der Wirtschaft. Mit 3,7 erhält die Bundesregierung zu Beginn des Wahljahrs die schlechteste Note seit dem zweiten Halbjahr 1999. 63 Prozent der Top-Manager (+11 Punkte gegenüber Dezember 2001) kritisieren das Wirken der Koalition, kaum einer mehr äußert sich lobend.

Nur noch bei einem, im Rahmen des Business-Monitor abgefragten, Kabinettsmitglied überwiegt die Zufriedenheit der Top-Manager, nämlich bei Außenminister Joschka Fischer, wenngleich sich auch seine Durchschnittsnote gegenüber Ende 2001 verschlechterte (von 2,5 auf 2,7). Seit November 2001 wird Finanzminister Hans Eichel unverändert bei 3,3 notiert.

Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) sinkt im Januar 2002 sogar auf seinen schlechtesten Notenwert (3,6 nach 3,4 im Dezember 2001) seit Beginn der Erhebungen zum Business-Monitor Anfang 1999 ab. Für Arbeitsminister Walter Riester (4,1) und Verteidigungsminister Rudolf Scharping (4,2) ist ebenfalls ein neuer Tiefpunkt der bisherigen Zeitreihe erreicht. Und Umweltminister Jürgen Trittin (4,2 wie im Dezember 2001) hat ohnehin noch nie eine bessere Note als 4,0 erreichen können.

Deutlich aufwärts geht es hingegen mit dem Image der CDU/CSU-Opposition. Erstmals seit Dezember 1999 wird sie von den Top-Managern wieder besser bewertet als die Bundesregierung. Die Durchschnittsnote von 3,2 im Januar 2002 (nach 3,6 im Dezember 2001) ist die beste seit Oktober/November 1999. Hatte Ende 2001 noch eine Mehrheit von 57 Prozent der Führungskräfte die Oppositionsarbeit als (sehr) schlecht kritisiert, so sind es jetzt nur mehr 32 Prozent (-25 Punkte).

Für Edmund Stoiber vergeben zusammen 57 Prozent die Noten "sehr gut" (5 %) oder "gut" (52 %), nur wenige (6 %) urteilen mit (sehr) schlecht. Mit einer Durchschnittsbewertung von 2,4 lässt er alle anderen bewerteten Akteure der politischen Bühne in Berlin derzeit klar hinter sich. Unterschiede ergeben sich hierbei kaum nach Unternehmensgrößen oder Branchen, stärker spielt hingegen das Alter der befragten Top-Manager hinein: Bei den jüngeren Führungskräften unter 40 Jahren ist die Einschätzung reservierter (2,7) als bei den älteren (2,4).

Neben der Leistungsbeurteilung fällt auch das Imageprofil von Edmund Stoiber bei den Wirtschaftsführern sehr positiv aus. Nahezu alle bescheinigen ihm Kompetenz (96 %), politische Erfahrung (96 %) und Führungsqualitäten (93 %). Im Zuge der ersten großen Fernsehauftritte Stoibers nach seiner Nominierung war sein dortiges Erscheinungsbild kritisiert worden. Doch immerhin knapp zwei Drittel (63 %) der Manager billigen ihm ein medienwirksames Auftreten zu. Wohlgemerkt, die Entscheider konnten sich im Befragungszeitraum sehr wohl ein Urteil über Stoibers Auftritt in den Massenmedien bilden.

Emotional allerdings halten sich die Führungskräfte eher zurück: Nur knapp die Hälfte (47 %) hält den CSU-Vorsitzenden für einen Sympathieträger. Vor allem bei den älteren Führungskräften ab 60 Jahren erfährt Edmund Stoiber die beste Resonanz.

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