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16.06.2000

16:57 Uhr

Reuters MOSKAU. Ein moslemischer Geistlicher und Vertrauter des Chefs der Übergangsverwaltung in Tschetschenien ist nach Medienberichten am Freitag in Urus-Martan erschossen worden. Der Imam Umar Idrisow starb nur wenige Tage, nachdem die russische Regierung den Geistlichen Mufti Achmad Kadirow mit der Verwaltung Tschetscheniens betraut hatte. Zunächst war nicht klar, ob der Tod Idrisows auf das Konto tschetschenischer Separatisten ging. Auf ihrer Website www.kavkaz.org berichteten sie aber über eine Schießerei in Urus-Martan, bei der "zehn Aggressoren" getötet worden seien.

Kadirow hatte am Vortag in einem Fernsehinterview gesagt, er werde Feuer mit Feuer bekämpfen, wenn die Separatisten ihn ins Visier nähmen. "Wenn sie mich jagen, werde ich sie jagen." Jemand müsse in Tschetschenien die Verantwortung für Recht und Ordnung übernehmen. Drei Jahre lang habe es weder Arbeit noch Lohn oder Freiheit gegeben. Die Macht hatte nach seinen Worten immer derjenige, der die größte Bande um sich hatte. Auch er habe eine gehabt, denn er habe in diesem Umfeld überleben müssen. Kadirow forderte seine Landsleute auf, sich von den radikalen Separatisten abzuwenden.

Kadirow hatte bis 1996 gegen die russischen Truppen gekämpft, dann aber mit der nach Unabhängigkeit strebenden tschetschenischen Führung gebrochen. Vergeblich hatte er sich bemüht, radikale moslemische Kämpfer zu zügeln, deren strikte Auslegung des Islams er als fremd bezeichnet.Der gewählte tschetschenische Präsident Aslan Maschadow wird von Russland nicht anerkannt.

In dem seit neun Monaten andauernden Tschetschenien-Krieg hat Russland nach eigenen Angaben die Kontrolle über Grosny und die meisten Gebiete der Republik erlangt. Die Rebellen haben sich in die Berge im Süden zurückgezogen und führen nach eigenen Angaben einen Partisanenkampf gegen die russischen Truppen.

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