Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2003

07:54 Uhr

Immer mehr Unternehmen kaufen neue Verbriefungsprodukte

Der Markt für strukturierte Anleihen boomt

VonWALL STREET JOURNAL

Wird er gefragt, womit er seine Brötchen verdient, gerät der Experte für Kreditrisiken Oldrich Masek III schnell in Erklärungsnot.

bba LONDON. Der 35 jährige Amerikaner leitet bei der US-Investmentbank J.P. Morgan das Londoner Team für strukturierte Anleihen in Europa. Seine Aufgabe: Anlagegelder (Financial Assets) neu mischen, um die Ausfall-Risiken auf verschiedene Schultern zu verteilen. Gleichzeitig verschafft Masek institutionellen Anlegern den Zugang zu einer Reihe von neuen Märkten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen boomt das Geschäftsfeld von Masek, neue Investment-Spezialisten werden derzeit eingestellt. So hat beispielsweise J.P. Morgan in den vergangenen drei Jahren die Zahl seiner Beschäftigten in diesem Bereich vervielfacht, auf heute 180 Mitarbeiter.

Die Banker, welche "strukturierte Anleihen" betreuen und vier bis sieben Jahren an Erfahrung mitbringen, können einschließlich von Bonuszahlungen bis zu 500 000 Pfund pro Jahr verdienen, schätzt Tim Watmough, Chef einer Recruiting Firma, die sich auf die Vermittlung solcher hochspezialisierter Banker spezialisiert hat.

Die Nachfrage nach solchen Finanzprodukten stieg in den vergangenen zehn Jahren deutlich wegen einer langfristigen Veränderung der Märkte an. Während die Banken früher in ihren Bilanzen hohe Posten für die Kreditrisikovorsorge einplanten, versuchen sie mittlerweile, einen Großteil ihrer Risiken auf verschiedene Investoren wie Versicherungsgesellschaften oder Pensionsfonds zu verteilen. Und die Investoren nutzen diesen Markt für Kreditderivate ebenfalls in verstärktem Maße. Denn mit Investitionen in strukturierte Anleihen können sie die Auswirkungen möglicher Erschütterungen am Kapitalmarkt besser abfedern. Gleichzeitig können sie auf diese Weise höhere Erträge im Vergleich zu traditionellen Anlagen erzielen. Von diesem veränderten Verhalten profitieren die Investmentbanken, weil sie für den Verkauf strukturierter Finanzierungen wesentlich höhere Gebühren kassieren, als beispielsweise beim Vertrieb traditioneller Bonds.

Der Markt für strukturierte Anleihen ist aus dem Prozess der Verbriefung entstanden, mit dem die Banken in den späten achtziger Jahren begonnen haben. Die Verbriefung umfasst zunächst die Übertragung von Assets auf Zweckgemeinschaften. Sodann werden hoch bewertete Bonds in mehreren Tranchen begeben, die durch diese Assets besichert sind. Für finanziell angeschlagene Firmen war dies eine willkommene Alternative, sich auch in solchen Phasen zu refinanzieren, in denen traditionelle Kreditgeber sich zurückhielten.

Der Markt entwickelte sich später weiter, indem die Banken Assets nicht mehr nur von einer Firma, sondern von mehreren Dutzend Firmen zusammenfassten und auf eine Zweckgemeinschaft übertrugen. Daraus sind später dann die so genannten Collateralized Debt Obligations (CDO) entstanden, die ab Mitte der neunziger Jahre boomten, als die Banken begannen, ihre Kreditrisiken damit zu handeln. Denn so konnten sie Kapital freisetzen und es für andere, lukrativere Geschäfte verwenden. Bei allen Vorteilen, die diese neuen Finanztools den Anlegern bringen - einfach zu erklären waren sie noch nie.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×