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25.03.2003

07:25 Uhr

In Basra wird Wasser knapp

Alliierte nehmen Saddams Elitetrupps ins Visier

Am sechsten Tag des Irak-Kriegs nähern sich amerikanische und britische Soldaten weiter Bagdad. Nach Angaben des britischen Rundfunksenders BBC standen alliierte Truppen am frühen Dienstagmorgen etwa 90 Kilometer vor der Stadt, die in der Nacht erneut schwer bombardiert wurde. Dabei kam erstmals auch der internationale Flughafen der Hauptstadt unter Beschuss, meldete der US-Nachrichtensender CNN. Ein irakischer Regierungsbeamter bestritt am Dienstagmorgen den Bericht von den herannahenden alliierten Truppen.

Ein britischer Soldat im Kampf um die südirakische Stadt Basra. Foto: dpa

Ein britischer Soldat im Kampf um die südirakische Stadt Basra. Foto: dpa

HB/dpa/vwd/rtr BAGDAD. Vorrückende alliierte Verbände seien am späten Montagabend auf "heftigen" irakischen Widerstand gestoßen, berichtete die BBC weiter. Die Amerikaner und Briten hätten sich "massive" Gefechte mit Irakern geliefert, berichtete ein BBC-Korrespondent, der die Streitkräfte begleitet.

General Stanley McCrystal vom US-Generalstab in Washington bestätigte, dass die US-geführten Streitkräfte bei ihrem Vormarsch nach Bagdad auf erste Einheiten der Republikanischen Garde gestoßen sind, die die irakische Hauptstadt verteidigen sollen. "Apache"-Kampfhubschrauber hätten die Medina-Division der irakischen Elite-Einheit unter Beschuss genommen, sagte McCrystal.

In der Nacht wurden die alliierten Luftangriffe auf den Irak fortgesetzt. Heftige Detonationen wurden vor allem aus Mosul und Bagdad gemeldet. Nach Augenzeugenberichten erschütterten in den frühen Morgenstunden Dutzende heftige Explosionen den westlichen und südlichen Stadtrand der irakischen Hauptstadt. Riesige Rauchwolken stiegen in den nächtlichen Himmel. Ziel des Bombardements waren nach Ansicht von Beobachtern vor Ort Stellungen der irakischen Armee und Spezialeinheiten außerhalb der Fünf-Millionen-Metropole. B-52- Langstreckenbomber hätten auch Stellungen der Republikanischen Garde, der Elitetruppe Saddams, ins Visier genommen, berichtete die BBC. Nach Angaben des arabischen Fernsehsenders El Dschasira wurde mindestens ein Ziel im Stadtzentrum Bagdads getroffen.

El Dschasira berichtete auch von Kämpfen zwischen Subair und Basra im Süden. In anderen Medienberichten aus der Region war auch von heftigen Kämpfen in Nasirija die Rede. Das Rote Kreuz befürchtet für Basra eine humanitäre Krise. Die Menschen seien durch den Stromausfall zwei Tage lang komplett von der Wasserversorgung abgeschnitten gewesen. Durch Notmaßnahmen hätten nun etwa 40 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Wasservorräten.

US-Kampfflugzeuge werden mittlerweile zunehmend zur Unterstützung der Bodentruppen eingesetzt, hieß es bei CNN. Zuvor hatte die Luftwaffe fast ausschließlich ausgewählte Bodenziele bombardiert. Nach amerikanischen Militärangaben ist die irakische Luftwaffe seit Beginn des Krieges vor sechs Tagen noch nicht eingesetzt worden.

Die Bodentruppen werden auch von "Apache"- Kampfhubschraubern unterstützt. Dabei hatten die Amerikaner am Vortag einen Helikopter dieses Typs verloren. Es war unklar, ob er notlanden musste oder abgeschossen wurde. Das irakische Fernsehen zeigte zwei Männer in Fluganzügen, bei denen es sich um die gefangen genommenen beiden Piloten handeln soll.

Das irakische Staatsfernsehen hat in der Nacht zum Dienstag bestätigt, dass sechs Funktionäre der regierenden Baath-Partei von Präsident Saddam Hussein im Kampf ums Leben gekommen sind. Sie seien in der südlichen Provinz Di Kar getötet worden, hieß es. Vertreter der schiitische Opposition im iranischen Exil berichteten dagegen, Saddam Husseins Cousin, Ali Hassan el Madschid, habe sieben Baath-Funktionäre im Südirak wegen mangelndem Einsatzes hinrichten lassen. Zuvor hatte das staatliche Fernsehen Bilder von einem Treffen Saddam Husseins mit Parteifunktionären gezeigt, an dem auch sein als einziger nicht in Uniform gekleideter jüngerer Sohn Kusai anwesend war. Kusai leitet die Elite-Einheit Republikanische Garde, die von den Amerikanern nach US-Angaben bereits außerhalb von Bagdad in Kämpfe verwickelt wurde.

Die USA verfügen derweil angeblich über Informationen, wonach Irak Chemiewaffen gegen Schiiten in Südirak einsetzen und für solche Einsätze die alliierten Streitkräften verantwortlich machen will. Er habe "keinen Zweifel", dass der irakische Machthaber Saddam Hussein zu solchen Maßnahmen greifen würde, "wenn er glaubt, dass es seinen Interessen dient", sagte US-Außenminister Colin Powell dem US-Fernsehsender Fox News. Ein Vertreter des US-Außenministeriums hatte zuvor erklärt, die den USA vorliegenden Berichte gäben Anlass zu der Annahme, dass Saddam Hussein dem General Ali Hassan el Madschid eine Ermächtigung zum Angriff mit Chemiewaffen gegeben gegeben habe. Madschid wird für den Chemiewaffen-Angriff auf die kurdische Stadt Halabdscha vor 15 Jahren verantwortlich gemacht.

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