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31.05.2000

16:11 Uhr

In der Branche wird Übernahme-Angebot in Höhe von 1,5 Mrd. Mark skeptisch beurteilt

Baan macht sich wieder Hoffnung

Die britische Technologieholding Invenys will den schlingernden Softwarekonzern Baan kaufen.

dpa LONDON/AMSTERDAM. Wie Invensys am Mittwoch in London mitteilte, beträgt das Übernahmeangebot für den einstigen SAP-Hauptkonkurrenten 474 Mill. Pfund (rund 1,5 Mrd. DM). Baan solle in eine neue Abteilung "Software und Systems" integriert werden, hieß es weiter. Baan werde als eigenständige Marke weitergeführt werden. Die Baan-Aktionäre erhalten nach Mitteilung von Invensys 2,85 Euro je Aktie. Dies bedeute einen Aufschlag von acht Prozent auf den Aktienkurs vom Dienstag. Vorstand und Aufsichtsrat von Baan befürworteten die Annahme. Firmengründer, Großinvestoren und Gewerkschaften schlossen sich an. In drei Wochen kann die Rettung perfekt sein.



Ivensys-Chef Allen Yurko bezeichnete das Kaufangebot am Mittwoch als einen "wichtigen Schritt bei der Verwirklichung unseres Ziels, zum integrierten Software-und Systemanbieter zu werden." Er zeigte sich optimistisch, Baan nach tief greifenden Reformen innerhalb weniger Jahre in die Gewinnzone zurückführen zu können. Nach unbestätigten Berichten dürfte eine Übernahme mit dem Verlust von mehr als 1 000 Stellen verbunden sein, davon zwischen 100 und 200 in den Niederlanden. Hauptstandort in Deutschland ist Hannover mit rund 210 Beschäftigten. Nach dem Invensys-Angebot sollen Name und Sitz der Gesellschaft in Barneveld bestehen bleiben. Der Käufer plane aber eine gründliche Umstrukturierung, die Baan innerhalb eines Jahres aus den roten Zahlen bringen soll.



Baan soll nach britischen Angaben im vergangenen Geschäftsjahr Verluste von umgerechnet 576 Mill. DM eingefahren haben. Im ersten Quartal dieses Jahres wurde der Verlust mit umgerechnet 156 Mill. DM beziffert.
Vom SAP-Rivalen zum Dauerpatienten Noch Anfang 1998 galt Baan als der Hauptkonkurrent des Walldorfer Softwareherstellers SAP. Dann aber folgten sieben Quartale mit teils enormen Verlusten. Beteiligungen und Arbeitsplätze gingen verloren. Personelle Probleme an der Spitze des einst mit dem Ziel europäischer Branchenführung aufgetretenen Unternehmens hatten noch zu Beginn des Jahres Nachrichten über neue schwere Verluste begleitet und das Vertrauen des Marktes in Baan erschüttert. Nach nur sechsmonatiger Amtszeit gab Baan-Chefin Mary Coleman am 4. Januar den Versuch auf, das Unternehmen wieder flott zu machen. An der Börse sank der Aktienkurs von einst 48,92 Euro in immer schnellerem Schlingerkurs auf zuletzt 2,68 Euro. Immer wieder hatten zuvor Übernahmegerüchte um potentielle Investoren, darunter Invensys, kurzfristig für Hoffnung gesorgt.



Das Invensys-Angebot von 2,85 Euro je Aktie sei nicht sonderlich hoch, meinten Analysten in Amsterdam skeptisch. Der Markt schien ihnen Recht zu geben. Schließlich wurden Baan-Aktien in Amsterdam den Tag über ständig um 3,0 Euro gehandelt, deutlich höher als das Übernahmeangebot. "Und es müssen mindestens 95 Prozent der Aktionäre dem Invensys-Angebot zustimmen", gaben Zweifler zu bedenken. Andere waren sich aber auch einig, dass ein Übernahmeangebot das Beste war, das Baan in seiner brenzligen Situation geschehen könne. Andernfalls drohe Baan die Pleite.



Der Technologiekonzern Invensys war vor 18 Monaten aus dem Zusammenschluss der Unternehmen BRT und Siebe entstanden. Der Anbieter von Elektronikprodukten und Ingenieursdienstleistungen erzielte nach am Mittwoch vorgelegten Zahlen im vergangenen Jahr einen Vorsteuergewinn von 66 Mill. Pfund. Das Ergebnis lag deutlich unter dem des Vorjahres, als noch ein Gewinn von 295 Mill. Pfund erzielt wurde. Der Umsatz erhöhte sich 1999 um sieben Prozent auf 6,69 Mrd. Pfund.

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