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28.01.2003

13:12 Uhr

In Deutschland läuft Geschäft langsam an

„Mecca-Cola“ macht nicht nur in Frankreich Furore

Mit 22 000 Euro Startkapital und "etwas Kreativität" hatte er vor einigen Monaten angefangen. 160 000 Flaschen des originellen neuen Koffein-Getränks "Mecca-Cola" (nach dem heiligen Ort der Moslems) wollte der französische Geschäftsmann zunächst nur verkaufen. "Die waren dann aber in drei Tagen weg", sagt Tawfik Mathlouthi (46) heute und weist auf mittlerweile 16 Millionen weltweit georderte Flaschen hin.

HB/dpa PARIS. Warum "Mecca-Cola" nach Frankreich jetzt bereits in zwei Dutzend Ländern Furore macht, das glaubt der gewitzte Unternehmer sehr wohl zu wissen: Es habe mit Politik zu tun. "Nicht doof trinken, sondern engagiert!", so steht auf Französisch und Arabisch auf dem Etikett. Es sei ein Soft Drink gegen Uncle Sam.

Von jeder 1,5-Liter-Flasche, die der Gründer und Leiter des französischen "Radio Méditerranée" seit dem Beginn des Fastenmonats Ramadan verkauft hat, sind laut Etikett zehn Prozent für die palästinensische Sache bestimmt, sie gehen an humanitäre Einrichtungen. Noch ein Zehntel seines Gewinns tritt Mathlouthi an europäische Organisationen ab. Und nicht nur Araber und Moslems kauften Mecca-Cola, sondern auch Menschen, die, wie er behauptet, "die Verbrechen, die Amerika begeht, nicht mehr ertragen können". Seine "Mecca-Cola" sei beileibe nicht nur nach der berühmten saudischen Pilgerstätte benannt, sondern auch nach einem ausgerotteten amerikanischen Indianerstamm diesen Namens.

Das dunkle Getränk schmeckt kräftiger und weniger süß als die überall in der Welt bekannten US-Originale, jene Wegbereiter einer Koffein haltigen Erfrischung. Es steht auch schon mal auf den Tischen einer Moschee oder beim moslemischen Hochzeitsempfang herum.

In Deutschland läuft es mit derzeit 180 000 gelieferten Flaschen langsam an. Der 46-Jährige Mathlouthi sucht noch einen türkischen Großverteiler, der den Verkauf ankurbelt. Der syrische Händler Mahmoud Hinnaui in Hamburg ist hier zuerst einmal sein Mittelsmann für den islamisch-korrekten Schluck.

"Nicht mit Alkohol mischen!" steht für den gläubigen Moslem auf der Flasche. Wobei Mathlouthi energisch dem Hinweis widerspricht, die "Mecca-Cola" sei vom Design her an den US-Vorbildern ausgerichtet - "das Rot auf unserer Flasche ist anders als bei Coca-Cola, und wir haben Grün im Etikett, denn wir halten uns an die palästinensischen Farben." Orientiert hat sich der französische Geschäftsmann also eher an der iranischen "Zamzam Cola", die nach einer Heiligen Quelle in Mekka benannt wurde. Davon wurden mehr als zehn Millionen Flaschen in Länder wie Saudi-Arabien und Bahrain verkauft. Die "Mecca-Cola" ist aber die erste, die in Europa moslemischen Durst löscht. Doch auch in Indonesien, Pakistan, Venezuela und Südafrika gibt es Interessenten.

"Ich kann nicht an 20 Orten gleichzeitig Verkaufsgeschäfte abschließen", sagt der Geschäftsmann zu seiner langen Warteliste. "Bis zum Juni wollen wir jedenfalls auf fünf Kontinenten vertreten sein." Was der französische Unternehmer mit dem politischen Touch zu bieten hat, spricht sich schnell herum: Der "Mecca-Cola"-Konsum in Großbritannien liegt mit 1,8 Millionen Flaschen im Monat heute über dem, was im Ursprungsland der "Mecca-Cola" verkauft wird. Die starke US-Konkurrenz hat, so heißt es, den aufmüpfigen Neuling auch schon wahrnehmen müssen - die US-Medien berichteten über den aus Tunesien stammenden Mann, der stolz jede Flasche zählt, die nach Amerika geht.

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