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02.08.2000

16:20 Uhr

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In diesem Jahr keine Atomtransporte nach Gorleben

In diesem Jahr werden voraussichtlich keine Castor-Behälter mit deutschem Atommüll aus Frankreich in das Zwischenlager Gorleben transportiert. Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, bestätigte, dass sein Amt einen für Ende 2000 beantragten Rücktransport von sechs Castor-Behältern über Sachsen-Anhalt in das niedersächsische Lager nicht genehmigen werde.

Reuters BERLIN. Mit Königs Entscheidung entfällt die einzige bekannte Alternative zu dem bisherigen direkten Transportweg über Niedersachsen, der wegen einer baufälligen Eisenbahnbrücke jedoch erst im kommenden Frühjahr wieder befahrbar sein wird. Niedersachsens Innenminister Heiner Bartling (SPD) begrüßte die Entscheidung.

König bestätigte zudem, dass Atomtransporte in Deutschland nach dem 1998 verhängten Transportstopp nun grundsätzlich wieder frei gegeben seien. Gegen die Transporte gebe es keine atomrechtlichen Bedenken mehr. Im Mai 1998 hatte die damalige Umweltministerin Angela Merkel (CDU) alle Transporte wegen zu hoher Strahlenwerte an den Behältern bis auf weiteres gestoppt. Anfang dieses Jahres hatte das BfS bereits grünes Licht für innerdeutsche Transporte von den Kraftwerken in die Lager Ahaus und Gorleben gegeben, davon Transporte zur und aus der Wiederaufarbeitung in England und Frankreich aber ausgenommen.

König sagte, das BfS habe der Deutsche-Bahn-Tochter [DBN.UL] Nuclear Cargo+Service GmbH (NCS) einen vorläufigen Ablehnungsbescheid für einen Transport über Sachsen-Anhalt zugestellt. Die Ablehnung werde damit begründet, dass die Absicherung eines Transports auf diesem Weg durch die Polizei nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand möglich wäre, der dem öffentlichen Interesse entgegen stünde. Die NCS könne dazu nun bis zum 15. August Stellung nehmen.

Die Ausweichroute über den Kurort Arendsee im Norden von Sachsen-Anhalt hatte die NCS beantragt, da die bisherige Route nicht zur Verfügung steht. Nach Angaben des Eisenbahnbundesamtes (EBA) wäre die Eisenbahnbrücke über die Jeetzel bei Dannenberg vor einer grundlegenden Sanierung der Belastung durch einen Castor-Transport nicht gewachsen. Das EBA geht davon aus, dass die Sanierung nicht vor April oder Mai 2001 abgeschlossen wird.

Im Fall eines Ausweichens über Arendsee müssten die Castor- Behälter einen weitaus längeren Weg über die Straße zurück legen. Bisher wurden die Behälter in Dannenberg von Bahnwaggons auf Tieflader umgeladen und unter strengem Schutz Tausender Polizisten über die Straße die letzten 20 Kilometer bis ins Zwischenlager Gorleben gebracht. Bei den Transporten gab es immer gewalttägige Auseinandersetzungen mit Demonstranten.

Die Straßenverbindung zwischen Arendsee und Gorleben dagegen ist nach Königs Angaben je nach Routenführung 29 bis 43 Kilometer lang und führt größtenteils durch dicht bewaldetes Gebiet, dessen Bewuchs teilweise bis direkt an den Straßenrand reiche. Bartling und sein sachsen-anhaltischer Kollege Manfred Püchel (SPD), hätten übereinstimmend geltend gemacht, dass eine Absicherung von Castor-Transporten über diese Strecke nach menschlichem Ermessen unmöglich sei.

Niedersachsens Innenminister Bartling sagte am Samstag im Norddeutschen Rundfunk, er sei froh, dass das BfS den Bedenken des Landes folgen werde. Es sei eine entlastende Nachricht, dass es in diesem Jahr keinen Atommüll-Transport nach Gorleben geben werde. Den nächsten Castor-Transport könne er sich frühestens im nächsten Jahr nach Ende der Sanierungsarbeiten an der Brücke vorstellen. Es werde zudem ein halbes Jahr benötigt, um den Einsatz der Polizei vorzubereiten.

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