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06.07.2000

16:57 Uhr

dpa BELFAST. Nach schweren Auseinandersetzungen zwischen radikalen nordirischen Protestanten und den Sicherheitskräften wächst in Nordirland die Angst vor einer Eskalation der Gewalt. Erstmals seit knapp zwei Jahren setzte die britische Regierung in der Nacht zum Donnerstag wieder Soldaten auf den Straßen von Belfast ein.

Etwa 100 Soldaten unterstützten die Polizei bei Straßenschlachten mit Anhängern des pro-britischen "Oranier-Ordens". Diese protestierten in der dritten Nacht in Folge gegen ein Verbot, ihre traditionellen Siegesmärsche am kommenden Wochenende durch die von Katholiken bewohnte Garvaghy-Straße von Portadown zu führen. Nicht nur in Belfast, auch in einer Reihe von anderen Orten Nordirlands kam es zu Angriffen von Mitgliedern oder Anhängern protestantischer paramilitärischer Gruppen auf die Sicherheitskräfte.

Der britische Nordirland-Minister Peter Mandelson sagte, Gewalt und Drohungen würden nicht dazu führen, das Marschverbot durch die katholische Straße aufzuheben. Der Präsident der katholisch- republikanischen Sinn-Fein-Partei, Gerry Adams, sprach von einer "sehr gefährlichen Lage". Robin Saulters, "Großmeister" des Oranier- Ordens, forderte die Gewalttäter auf, die Konfrontation einzustellen: "Sie schaden ganz eindeutig dem Oranier-Orden und sollten sich zurückziehen."

Polizisten und Soldaten wurden in verschiedenen Teilen Belfasts von den protestantischen Loyalisten mit Steinen und Molotowcocktails angegriffen. Drei Polizisten wurden verletzt, als sie erfolglos versuchten, einen Bus wegzufahren, mit dem die Anhänger der Oranier eine Straßensperre errichtet hatten. Nach Militärangaben wurden am Mittwoch 61 politische Gewaltakte in Belfast registriert - innerhalb von nur 24 Stunden mehr als während des gesamten vergangenen Jahres.

Ein Polizeisprecher sagte am Donnerstag, es gebe keine Pläne, die vor zwei Jahren im Rahmen des Friedensabkommens für Nordirland beendeten routinemäßigen Patrouillen von Soldaten in den Straßen von Belfast wieder aufzunehmen.

Auch in Portadown in der nordirischen Grafschaft Armagh, einem Brennpunkt des Konflikt zwischen den pro-britischen Protestanten und den republikanischen Katholiken, kam es zu einer Konfrontation mit den Sicherheitskräften. Britische Soldaten hatten innerhalb von wenigen Stunden einen sieben Meter hohen Drahtzaun gezogen, um die Protestanten am geplanten Marsch durch die vor allem von Katholiken bewohnte Garvaghy-Road zu hindern. Protestanten verbrannten Autoreifen vor dem Zaun, versuchten jedoch nicht, diesen niederzureißen.

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