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08.02.2002

17:34 Uhr

Index aus technischer Sicht angeschlagen

Dax-Ausblick: Analysten sind uneins

Irritiert von den jüngsten Rückschlägen am deutschen Aktienmarkt halten sich die Experten über die Aussichten für die kommende Woche relativ bedeckt. Eine Flut von Unternehmens- und Konjunktur-Zahlen dürfte den Dax in beide Richtungen beeinflussen.

HB DÜSSELDORF. "Wie soll ich wissen, was mit dem Aktienmarkt in einer Woche ist, wenn ich nicht mal ahne, was in der nächsten Stunde passiert", fragt ein Händler ratlos. Der Kursrückgang der vergangenen Tage hat ihn wie viele andere Marktteilnehmer auch überrascht und verunsichert. Für den weiteren Verlauf ist die Entwicklung der Unternehmensgewinne entscheidend. Beobachter schätzen diese ganz unterschiedlich ein: Mit den künftigen Gewinnen begründen sowohl Optimisten wie auch Pessimisten ihre Einschätzungen.

Lege man die für das Jahr 2003 von weltweit führenden Analysehäusern geschätzten Gewinne der Dax-Unternehmen zugrunde, ergebe sich ein gewichtetes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20,7, schreiben die Analysten von Intermediär Center Frankfurt (ICF). "Damit wird erkennbar, dass der Aktienmarkt gegenüber dem Rentenmarkt keine 'Überbewertung' aufweist", urteilen die Experten. Denn bei einer durchschnittlichen Rendite zehnjähriger Bonds von 4,8 Prozent lasse sich ein Kurs-Zins-Verhältnis von 20,8 ermitteln.

Noch deutlich besser sähen die Zahlen aus, wenn man die Deutsche Telekom nicht berücksichtige: Das gewichtete KGV des Dax falle dann auf 15,5. Ohne MLP und SAP liege es sogar nur bei 12,5. "Dies zeigt, dass die restlichen 27 Dax-Titel eindeutig unter Wert gehandelt werden," so ICF. Die Analysten verweisen zudem darauf, dass viele Dax-Titel allein durch ihre respektable Dividenden-Rendite im Vergleich zur Verzinsung von Rentenpapieren keinen allzu großen Kursrisiken mehr ausgesetzt seien.

Die Pessimisten setzen ebenfalls bei den Unternehmens-Gewinnen an: Sie befürchten, dass sich die Gewinne langsamer erholen als von der Mehrheit erwartet wird und in den Aktienkursen eingepreist ist. So rechnen Analysten mit einem Anstieg der Gewinne der S&P-500-Unternehmen im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent. Selbst wenn das Gewinnwachstum tatsächlich so deutlich ausfalle, bedeute das noch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 - und liege damit noch immer über dem historischen Schnitt von 16.

Insgesamt sei auch in der kommenden Woche keine Trendwende an den deutschen Aktienmärkten zu erwarten. Im Mittelpunkt des Interesses werden nach Einschätzung von Händlern die Papiere der Deutschen Telekom stehen, da am kommenden Freitag die Frist des Bundeskartellamtes für Änderungen zum Verkauf der Telekom-Kabelsparte an den US-Konzern Liberty Media am nächsten Freitag ausläuft. Liberty sieht keinen Änderungsbedarf. Der Verkauf des Kabelnetzes würde der Telekom 5,5 Milliarden Euro einbringen. Die Telekom will bis zum Jahresende ihren 65-Millionen-Euro-Schuldenberg auf 50 Millionen Euro reduzieren. "Die Telekom hat versprochen, ihre Schulden zu senken und diese Geldquelle bereits fest eingeplant. Ich denke, die Geschichte ist sehr entscheidend", sagte Fondsmanager Ernst Konrad von Activest in München.

Technische Analysten rechnen weiterhin mit starken Schwankungen und tendenziell nachgebenden Kursen. Aus markttechnischer Sicht sehe das Chartbild des Dax angeschlagen aus, sagte Heinz Weyershäuser, Marktanalyst bei der DZ Bank. "Der Ausblick auf die kurzfristige Markttendenz fällt nicht besonders zuversichtlich aus", sagte Weyershäuser mit dem Hinweis auf die zuletzt nach unten durchbrochenen Unterstützungsmarken im Dax und Nemax-50. Uwe Wagner, technischer Analyst bei der Deutschen Bank, rechnet in der kommenden Woche mit starken Schwankungen, aber unter dem Strich mit einer Seitwärtsbewegung der Märkte.

"Auch fundamental sprechen der schnelle Kursanstieg seit September und die dadurch gestiegenen Bewertungsrelationen vieler Aktien zunächst noch für Konsolidierungs-Bedarf", sagte Weyershäuser. Die wesentlichen Einflüsse seien aber erneut von den US-Märkten zu erwarten. In dieser Woche hatten immer wieder Sorger der Anleger um die Bilanzierungs-Praktiken der US-Unternehmen nach dem Zusammenbruch des Energiehändlers Enron die Börsen stark belastet.

Geschäftszahlen für 2001 wird am Donnerstag unter anderem der im MDax gelistete Sportartikel-Hersteller Puma vorlegen. Puma war im vergangegen Jahr die erfolgreichste Aktie im MDax und hat sich 2001 mehr als verdoppelt. Seit Jahresbeginn 2002 hat Puma mehr als acht Prozent zugelegt. Von Reuters befragte Analysten rechnen für 2001 im Schnitt mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) inklusive Lizenzerträge von 54,83 (Vorjahr: 22,80) Millionen Euro.

Zahlen werden ferner die MDax-Unternehmen Merck , Bilfinger + Berger, Beru und Heidelberger Druckmaschinen vorlegen. Am Neuen Markt werden die Blue Chips Intershop, AT&S und Pandatel über die jüngste Kursentwicklung berichten. Auch die zur Allianz gehörende Dresdner Bank wird Zahlen für das abgelaufene Gesamtjahr veröffentlichen. In den USA wird am Donnerstag der weltgrößte Computer-Hersteller Dell Zahlen zum vierten Quartal präsentieren.

Außerdem: Am Dienstag steht die deutsche Leistungsbilanz für Dezember auf der Tagesordnung, veröffentlicht werden außerdem die Jahres-Ergebnisse von Intershop sowie von BP und Thomson Multimedia . Am Mittwoch folgen die Jahres-Ergebnisse von AWD , ABB und die Bilanz-Pressekonferenz von Aventis. In Frankfurt tagt der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse, aus den USA kommen Daten zum Einzelhandelsumsatz im Januar.

Auch am Donnerstag stehen zahlreiche Unternehmens-Ergebnisse auf der Tagesordnung: Es berichten Unilever , Merck , IKB , GlaxoSmithKline , Barclays , Sanpaolo-IMI , UBS und ABN Amro. Aus den USA kommen die Import- und Exportpreise für Januar und Daten zu den Lagerbeständen im Dezember. Am Freitag stehen die US-Erzeugerpreise für Januar auf der Tagesordnung, die Industrieproduktion und die Kapazitätsauslastung für Januar. Pandatel , Lloyds TSB und Suez berichten über Unternehmens-Ergebnisse.

In der folgenden Übersicht finden Sie die Einstufungen der Hessischen Landesbank.



Hessische Landesbank

Unternehmen

Gewinn 2001

Gewinn 2002

Gewinn 2003

Empfehlung

Adidas

-Salomon
4,855,345,70neutral
Allianz7,211,212,5neutral

BASF

0,852,082,68übergewichten

Bayer

0,891,622,51neutral

BMW

2,382,662,91neutral

Commerzbank

0,160,280,52neutral
Daimler-Chrysler0,902,504,34untergewichten

Deutsche Bank

0,274,245,58untergewichten
Degussa1,202,532,90übergewichten
Deutsche Post1,401,451,50neutral
Deutsche Telekom-0,54-0,240,06neutral

Eon

2,673,053,31neutral

Epcos

2,281,091,59untergewichten

FMC

2,764,164,84neutral

Henkel

2,133,313,89übergewichten

Hypo

-Vereinsbank
1,021,251,43neutral

Infineon

-0,92-0,80-0,07neutral

Lufthansa

0,110,781,17übergewichten

Linde

2,442,603,13übergewichten

MAN

1,051,201,75übergewichten

Metro

1,411,672,23übergewichten

MLP

0,991,311,69neutral
Münchener Rück.2,6510,9012,30neutral
Preussag1,762,022,58untergewichten

RWE

2,242,522,77übergewichten

SAP

1,753,013,92neutral

Schering

2,152,522,87übergewichten

Siemens

0,11,412,43neutral

Thyssen

-Krupp
0,580,471,24übergewichten

VW

7,046,707,32übergewichten



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