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17.01.2003

16:07 Uhr

Index der Uni Michigan

Kriegssorgen trüben Stimmung der US-Verbraucher

Arbeitsplatzsorgen und die Furcht vor einem langwierigen Irak-Krieg haben die Stimmung der US-Verbraucher Anfang dieses Jahres weiter getrübt. Auch in der Industrie der weltgrößten Volkswirtschaft stehen die Zeichen noch immer auf Stillstand.

Reuters MICHIGAN. Der von der Universität Michigan ermittelte Index des Verbrauchervertrauens sank im Januar nach vorläufigen Berechnungen auf 83,7 Punkte, während Analysten einen unveränderten Stand von 86,7 Zählern erwartet hatten. Die Industrie produzierte nach Angaben der US-Notenbank (Fed) im Dezember 0,2 Prozent weniger als im Vormonat. Volkswirte sprachen nach den am Freitag vorgelegten Daten von trüben Aussichten für die weitere Konjunkturentwicklung. Die Börsen beiderseits des Atlantik gaben kräftig nach, während die Kurse der Staatsanleihen anzogen.

Den überraschenden Rückgang des Michigan-Indexes führten Analysten auf die zunehmenden Kriegssorgen der Konsumenten zurück. Zudem wachse angesichts der steigenden Erwerbslosigkeit in den USA die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. "Sehr häufig geben besorgte Menschen auch weniger Geld aus", sagte Carl Tannenbaum, Chefvolkswirt der Lasalle Bank in Chicago. Sollte das gesunkene Vertrauen zu Konsumzurückhaltung führen, werde dies für den Einzelhandel und die Industrie schwerwiegende Folgen haben. Das letztjährige Weihnachtsgeschäft hatten viele Händler als das schwächste seit 30 Jahren bezeichnet, nachdem die Verbraucher deutlich weniger Geschenke eingekauft hatten.

Enttäuschend nannten Volkswirte insbesondere den Rückgang beim Erwartungsindex, der den Ausblick der Konsumenten für die nächsten zwölf Monate wiedergibt. Dieser fiel auf 75,2 von 80,8 Punkten im Dezember, wie aus New Yorker Finanzkreisen verlautete, denen die vorläufigen Indizes der Universität Michigan vorlagen. Angesichts der trüben Konsumentenstimmung spekulieren einige Analysten bereits, die Fed könnte bald noch einmal die Leitzinsen senken, um die Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen. "Der Ausblick für die Verbraucher liegt in den Händen der Fed. Wir erwarten eine weitere Zinssenkung im März", sagte Avery Shenfeld von CIBC World Markets. Die Fed hatte den Schlüsselzins in den vergangenen beiden Jahren drastisch um insgesamt 525 Basispunkte auf 1,25 Prozent zurückgenommen.

Doch nicht nur von den Konsumenten, sondern auch aus der Industrie kamen am Freitag schlechte Nachrichten für die US-Konjunktur. Vor allem wegen einer deutlich gesunken Autoproduktion sank die Gesamterzeugung der Fabriken, Bergwerke und Energieversorger im Dezember entgegen der Erwartungen um 0,2 Prozent. Im Gesamtjahr 2002 ging die Produktion um 0,6 Prozent zurück nach minus 3,5 Prozent im Jahr zuvor. Dies war der Fed zufolge der erste Rückgang in zwei aufeinander folgenden Jahren seit Mitte der siebziger Jahre.

Die Kapazitätsauslastung lag 2002 bei 75,6 Prozent und damit so niedrig wie seit 1983 nicht mehr. Analysten erkannten darin einen Grund für die Investitionszurückhaltung der Unternehmen. Wenn die Konzerne ihre Kapazitäten nicht auslasten könnten, investierten sie auch nicht in neue, argumentierten die Experten. "Dies sind schlechte Nachrichten für die Wirtschaft und die künftigen Investitionsausgaben der Firmen", sagte David Wyss, Chefvolkswirt von Standard & Poor's in New York. Auch der weltgrößte Software-Konzern Microsoft hatte am Donnerstag nach Börsenschluss mitgeteilt, das Unternehmen erwarte kurzfristig keine Erholung der Technologieausgaben.

An den Finanzmärkten sorgten die Daten für Enttäuschung. "Weniger Produktion und ein gesunkenes Verbrauchervertrauen verheißen nichts Gutes für eine Erholung der Konjunktur", sagte Oscar Gonzalez von John Hancock Financial Services. Trotz der historisch niedrigen Zinsen brauche die Wirtschaft wohl noch einige Monate, bevor sie wieder in Fahrt komme. Der technologielastige Nadaq-Index gab in den ersten beiden Handelsstunden mehr als 2,6 Prozent nach, der Dow-Jones verlor 1,1 Prozent. Der Deutsche Aktienindex baute seine Verluste nach den Daten auf mehr als 3,5 Prozent aus.

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