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03.01.2002

17:00 Uhr

Industriemesse in Bagdad gewinnt an Bedeutung

Deutsche Firmen suchen das Geschäft mit dem Irak

VonGEORG WEISHAUPT

Ungeachtet der möglichen Ausdehnung des Krieges gegen den Terror haben sich die Exporte deutscher Firmen in den Irak mehr als vervierfacht. Konzerne wie MAN und Siemens rechnen auch im neuen Jahr mit höheren Umsätzen. Selbst Mittelständler schrecken vor den langen Genehmigungsverfahren nicht zurück.

DÜSSELDORF. Deutsche Unternehmen exportieren wieder mehr in den Irak. "Wir haben im Export einen Sprung gemacht", erklärte Michael Pfeiffer, Chef der Abteilung Außenwirtschaft des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), gegenüber dem Handelsblatt. Im vergangenen Jahr haben sich die genehmigten Exporte der deutschen Unternehmen trotz des Uno-Embargos von 273 Mill. DM auf rund 1,2 Mrd. DM mehr als vervierfacht. Damit rangiert der Irak zwar nach dem Golfkrieg in der deutschen Exportstatistik noch auf den hinteren Rängen. Aber viele Firmen sind froh, dass sie wieder ins Geschäft kommen.

Die mögliche Ausdehnung des Krieges gegen den Terror auf den Irak durch US-Präsident George W. Bush scheint diese Entwicklung nicht aufzuhalten. So profitiert die Siemens AG, München, von dem großen Nachholbedarf bei der medizinischen Versorgung des Landes. Im Geschäftsjahr 2000/2001 verkaufte die Sparte Medizintechnik erst Waren im Wert von weniger als zehn Millionen Euro an den Irak. Im Geschäftsjahr 2001/2002 rechnet Wolfgang Dintera, Vertriebsleiter für den Nahen Osten, bereits "mit einem Umsatz von über 50 Millionen Euro".

Voraussetzung ist aber, dass Siemens für die Lieferung eine Genehmigung erhält. Ausländische Unternehmen dürfen nur Waren in den Irak exportieren, die dem so genannten Oil-for-Food-Programm entsprechen. Dazu gehören Lebensmittel, und vor allem Produkte, die zur Verbesserung der Infrastruktur und der medizinischen Versorgung im Lande beitragen. Damit soll sichergestellt werden, dass keine Waren eingeschleust werden, die militärischen Zwecken dienen.

Jeder Auftrag braucht zwei Genehmigungen: Zuerst muss das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zustimmen, dann muss noch der Sanktionsausschuss der Uno in New York seinen Segen geben.

"Für das Genehmigungsverfahren muss man mindestens ein halbes Jahr einplanen", weiß Dintera von der Siemens Medizintechnik. Manchmal dauert es noch länger. Für eine Sendung mit Ultraschallgeräten erhielt er erst zwei Jahre nach dem Antrag grünes Licht aus New York. Für Ersatzteillieferungen gilt die gleiche Prozedur.

Warum manche Aufträge im New Yorker Uno-Ausschuss erst verspätet oder überhaupt nicht genehmigt werden, ist für deutsche Firmen nicht immer nachvollziehbar. "Die Amerikaner versuchen, die anderen Länder aus dem Geschäft herauszuhalten", vermutet Uli Burkhardt von der Internationalen Messe- und Ausstellungsdienst GmbH (Imag), München.

Trotz der Schwierigkeiten registriert er ein stetig wachsendes Interesse deutscher Firmen am Irakgeschäft. Sein Gradmesser ist die jährliche internationale Industriemesse, die im November in Bagdad stattfand. "Sie war ein sehr, sehr großer Erfolg für die deutschen Firmen", zieht Burkhardt Bilanz.

Immerhin 112 Unternehmen waren im deutschen Pavillon der Messe vertreten. Das waren schon doppelt so viele wie auf der Schau im Jahr zuvor. Burkhardt hofft, dass es noch mehr werden. "Auch für die nächste Messe in Bagdad erhalten deutsche Firmen wieder eine Förderung vom Bund", wirbt er.

Die Wirtgen GmbH aus Windhagen bei Bonn war im vergangenen November einer der wenigen deutschen Direktaussteller in Bagdad. Der Hersteller von Maschinen und Anlagen für den Straßenbau lieferte schon vor dem Golfkrieg seine Produkte in den Irak. Dieses Jahr rechnet Norbert Beil, Vertriebsmanager für den Mittleren Osten, "mit einem Umsatz im zweistelligen Millionenbereich". Insgesamt erreicht der Mittelständler dieses Jahr einen Gruppenumsatz von rund 1,2 Mrd. DM.

Der Straßenbau kommt auch der MAN AG zugute. Der Münchener Konzern liefert Lastwagen in den Irak. Im Rumpfgeschäftsjahr 2000 (vom 1. Juli bis 31. Dezember) verkaufte er für 16 Mill. Euro Lkw in das Wüstenland. Für das Jahr 2001 rechnet MAN mit einem Umsatz von rund 30 Mill. Euro.

Viele der befragten Unternehmen halten sich angesichts der politischen Lage mit Äußerungen zum Irakgeschäft zurück. Manche hoffen darauf, dass die Sanktionen gegen den Irak in diesem Jahr gelockert werden. Der Weltsicherheitsrat hatte Ende November eine Reform der Sanktionen in Aussicht gestellt.

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