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21.01.2003

20:38 Uhr

Infineon-Anleger leiden

Dax schließt im Minus

Der Dax ist am Dienstag trotz guter Konjunkturdaten schwächer aus dem Handel gegangen. Der Index verlor 0,8 Prozent oder 23 Punkte auf 2 871 Zähler. Damit ist der Index unter die wichtige Marke von 2 900 Zählern gefallen. Charttechniker erwarten nun einen Test des Dezembertiefs bei 2 836 Punkten.

vwd FRANKFURT. Hinter den Abgaben sahen Händler neben technischen Gründen vor allem die Angst vor einem Irak-Krieg, die von Präsident Bush am Nachmittag mit neuen Aussagen weiter angeheizt wurde. Dagegen verpufften gute Konjunkturdaten fast wirkungslos. So sind die Baugenehmigungen und-beginne in den USA im Dezember deutlich stärker als erwartet gestiegen. Und auch aus Deutschland gab es eine positive Überraschung: Der ZEW-Index der Wirtschaftserwartungen ist außergewöhnlich gut ausgefallen. Positiv habe sich ausgewirkt, dass die Befragten mittelfristig mit einem sinkenden Ölpreis rechneten, hieß es. "Es zeigt sich wohl ein erster Silberstreif am Horizont", kommentierte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Nach besser als erwartet ausgefallenen Umsatz- und Auftragszahlen gehörten MAN zu den größten Gewinnern im Dax. Der am Abend nachgelieferte Ausblick scheine kämpferisch, sagte ein Händler. Nachdem der Widerstandsbereich bei 15,00 bis 15,20 Euro auch auf Schlusskursbasis überwunden wurde, sei der Weg aus technischer Sicht bis zum Höchststand vom Dezember bei 16,00 Euro frei. Die Aktie gewann 5,2 Prozent auf 15,28 Euro. Nach Einschätzung von Analysten lässt sich aus der Mitteilung von MAN errechnen, dass sich das vierte Quartal 2002 überraschend positiv entwickelt hat. Denn damit das Vorsteuerergebnis des Vorjahres 2001 erreicht werden könne, müsse im vierten Quartal 2002 das Ergebnis vor Steuern nicht wie früher prognostiziert bei 145 Mill. Euro, sondern bei 172 Mill Euro gelegen haben.

Deutsche Post erholten sich von den starken Abgaben am Vortag. Der kurze Aufwärtstrend ist laut Händlern nach wie vor intakt. Ausgelöst worden ist das Interesse an der Aktie Gelb durch gute Nachrichten Anfang des Monats. Dazu gehören die Expansionspläne in Italien, Großbritannien und China ebenso wie die vom Vorstandsvorsitzenden Zumwinkel in Aussicht gestellten höheren Kostensenkungen im laufenden Jahr. Die Papiere verbesserten sich um 0,7 Prozent auf 11,15 Euro.

Deutsche Telekom profitierten Händlern zufolge von einer Hochstufung durch die Analysten von ABN Amro auf "Hold" von "Sell". Die Aktie stieg um 1,8 Prozent auf 13,09 Euro. Daneben hat sich europaweit das Umfeld für die Branche verbessert, nachdem Merrill Lynch Vodafone und Telefonica auf "Buy" von "Hold" hochgestuft und die Kursziele für France Telecom und British Telecom erhöht hatte.

Technologiewerte tendierten uneinheitlich: Siemens rückten vor den Motorola-Zahlen am Abend um 1,1 Prozent auf 39,39 Euro vor; Infineon verloren am Tag der Hauptversammlung dagegen 4,8 Prozent auf 7,35 Euro. Die Analysten von Goldman Sachs haben ihre Gewinnprognose für 2003 deutlich reduziert. Sie erwarten im laufenden Jahr jetzt einen Verlust; bisher waren sie von einem Gewinn ausgegangen. Siemens hingegen profitierten von einem positiven Kommentar von CSFB zu den europäischen Telekommunikationsausrüstern.

Die Autowerte litten unter dem starken Dollar. Daimler-Chrysler rutschten gar in Richtung ihres Zehn-Jahres-Tiefs. Dieses liege bei rund 27,20 Euro, hieß es im Handel. Sollte diese Marke nachhaltig unterschritten werden, dürfte der Verkaufsdruck zunehmen. Eine größere Adresse war auf der Abgeberseite zu erkennen, die recht aktiv Stücke auf den Markt warf, hieß es weiter. Anleger sollten daher beginnen, ihre Short-Positionen aufzustocken.



Daimler-Chrysler fielen um 1,4 Prozent auf 27,61 Euro, VW gaben um 0,6 Prozent auf 36,99 Euro ab. Nur BMW legten um 0,7 Prozent auf 28,48 Euro zu.

Bei den Branchen führten die Finanzwerte die Verluste an. Hier wurde wieder auf die schwachen Aktienmärkte verwiesen. Neben Commerzbank waren MLP in diesem Segment die schwächsten Titel. "Das erklärt sich durch die Tatsache, dass diese beiden Unternehmen die größen Probleme haben", hieß es. Commerzbank verloren 4,4 Prozent auf 7,20 Euro und MLP gaben 4,1 Prozent auf 9,84 Euro ab. Die Verluste bei der HypoVereinsbank und der Deutschen Bank waren dagegen vergleichsweise gering.

Der MDAX-Titel Drägerwerk hat im Verlauf ein neues Allzeithoch bei 23,23 Euro markiert und ging mit einem Aufschlag von 6,6 Prozent auf 22,90 Euro aus dem Tag. Der Kurs ist nach Angaben eines Händlers Anfang des Jahres in einen Aufwärtstrend eingeschwenkt, der nach wie vor intakt ist. Daher gebe es derzeit keine signifikanten Widerstände mehr über dem Hoch. Da bei 23,30 Euro am Berichtstag die obere Begrenzung des Aufwärtstrends liege, befinde sich dort ein Widerstand. Doch dieser Wert werde mit dem Trend ansteigen, hieß es. Unterstützt sei der Titel bei der unteren Kanalbegrenzung von 20,80 Euro und dann bei 20,40 Euro. Darunter liege die nächste Zone bei 19 Euro.

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