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10.03.2006

09:30 Uhr

Ingenieure

Hohe Zahl der Abbrecher bereitet Sorge

VonBarbara Gillmann

Ingenieurwissenschaften ist kein beliebtest Studienfach mehr. Zum laufenden Wintersemester 2005/2006 haben sich weniger Studenten eingeschrieben als in den Jahren davor. Um drohendem Nachwuchsmangel zu begegnen, will die große Koalition nun die Hochschulen künftig auch für Bewerber ohne Abitur öffnen.

BERLIN. Das Desinteresse junger Deutscher an den Ingenieurwissenschaften verschärft sich – allen Werbeaktionen der Industrie zum Trotz. Zum laufenden Wintersemester 2005/06 haben sich in allen einschlägigen Fächern weniger Studenten eingeschrieben als im Jahr zuvor. Damit endet ein hoffnungsvoller Trend, denn von 1997 bis 2003 war die Zahl der Erstsemester noch stetig gestiegen. Verschärfend kommen steigende Abbrecherquoten hinzu.

Besonders hoch war der Rückgang mit elf Prozent bei den Elektrotechnikern, gefolgt von den Bauingenieuren mit minus zehn Prozent. Doch auch der Maschinenbau registrierte sieben Prozent weniger Neulinge. Die Informatik – Wachstumsbranche par excellance – kam mit einem Minus von vier Prozent noch glimpflich davon. Ein herausragender Faktor ist das nach wie vor geringe Interesse junger Frauen: Ihr Anteil an den Studienanfängern liegt seit Jahren bei rund einem Fünftel. In Frankreich oder Südkorea ist es immerhin schon ein Viertel.

Um drohendem Nachwuchsmangel zu begegnen, will die große Koalition die Hochschulen künftig auch für Bewerber ohne Abitur öffnen, sofern sie eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Noch ist das aber Zukunftsmusik, zumal die Länder laut der geplanten Föderalismusreform von einer entsprechenden Bundesregelung abweichen dürften.

Kurzfristig wichtiger als die Zahl der Anfänger ist für die Wirtschaft ohnehin die Zahl der Ingenieurabsolventen: Diese entwickelt sich seit 2003 erstmals nach vielen Jahren wieder positiv. Dieser Trend wird auch noch ein paar Jahre halten. Alarmierend ist jedoch das Niveau: Zuletzt lag die Zahl der Ingenieure, die die Uni verließen, ein gutes Fünftel unter dem Stand von 1994. Besonders krass war die Entwicklung in der Elektrotechnik, wo sich die Zahl der Abgänger auf 7 400 nahezu halbierte. Im Maschinenbau brach sie von gut 20 000 auf noch 13 000 ein. Ursache ist die hohe Arbeitslosigkeit der Ingenieure in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre. Entsprechend weniger Schulabgänger wagten die Aufnahme eines solchen Studiums. Das rächt sich jetzt.

Das Problem mit den Ingenieuren ist Teil eines generellen Phänomens: Akademiker sind in Deutschland eine relativ seltene Spezies. Insgesamt studieren derzeit knapp 37 Prozent eines Jahrgangs. Das ist zwar viel mehr als noch vor zehn Jahren, als es noch 27 Prozent waren. International liegt die Bundesrepublik damit dennoch ganz weit hinten: In Großbritannien sind es 48 Prozent, in den USA 63, in Polen gar 70 Prozent. In Neuseeland und Schweden studieren gar vier Fünftel eines Jahrgangs.

Und unter der kleinen Schar deutscher Akademiker sind die Ingenieure zusätzlich zurückgefallen: 1995 wählte noch jeder Fünfte ein Ingenieurstudium, heute sind es nur noch 16 Prozent. Ihren früheren dritten Platz verloren die „Dipl.-Ings“ an die Naturwissenschaftler.

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