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06.02.2003

12:24 Uhr

Inlandsnachfrage stabil

Starker Einbruch bei Industrieaufträgen im Dezember

Ein deutlicher Rückgang der Auslandsnachfrage hat die Auftragseingänge der deutschen Industrie im Dezember unerwartet stark einbrechen lassen. Der Auftragseingang verringerte sich nach vorläufigen Daten preis- und saisonbereinigt um 4,1 Prozent, wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Reuters BERLIN. Die Bestellungen aus dem Ausland nahmen um 8,7 % zum Vormonat ab, während die Orders aus Deutschland stabil blieben. Volkswirte betonten, dass der Auftragseingang oft stark schwanke. Gleichzeitig zeigten sich einige Experten aber über die Höhe des Rückgangs des wichtigen Frühindikators für die wirtschaftliche Entwicklung besorgt. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit einer Abnahme der Auftragseingänge um 1,2 % gerechnet.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) weitete nach der Veröffentlichung der Daten seine Verluste zunächst aus, während der Future für die Zehn-Jährige-Bundesanleihe weiter zulegte.

Großaufträge im Exportgeschäft fehlten

Das BMWA erklärte, der scharfe Einschnitt bei den ausländischen Bestellungen hänge offensichtlich auch mit Schwankungen im Umfang von Großaufträgen im Exportgeschäft zusammen. Im November waren die Bestellungen vor allem wegen ungewöhnlich vieler Großaufträge aus dem Ausland noch um 1,4 % gestiegen. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich November/Dezember zu September/Oktober zeigt der Auftragseingang einen Rückgang um 0,2 %.

"Auf den ersten Blick sehen die Zahlen sehr dramatisch aus", sagte Ulla Kochwasser von der Mizuho Corporate Bank. Da die Auftragseingänge aber sehr schwankungsanfällig seien, dürfe man die Daten nicht überinterpretieren. Sie hob zudem hervor, dass die Inlandsorders zum Vormonat stabil geblieben seien. Ihr Kollege Jörg Lüschow von der WestLB bezeichnete dagegen den Rückgang der Auslandsbestellungen als Anlass zur Sorge. "Da die Wirtschaft nur auf dem außenwirtschaftlichen Standbein steht, würde ein Einbruch hier bedeuten, dass die Konjunktur insgesamt einbricht." Ganz entscheidend für den weiteren Verlauf seien daher die Entwicklung im Irak und der Trend des Euro.

Investitionsgüter weniger nachgefragt

Den stärksten Rückschlag musste die deutsche Industrie bei den Aufträgen für Investitionsgüter einstecken. Hier nahmen die Bestellungen zum Vormonat um 5,8 % ab. Dabei brachen die Aufträge aus dem Ausland um 11,6 % ein. Die Inlandsnachfrage nach Investitionsgütern zog dagegen um 1,2 % an. Die Bestellungen von Vorleistungsgütern gingen insgesamt um 2,2 % zurück. Dabei verringerte sich die Auslandsnachfrage um 3,9 %. Konsumgüterproduzenten verbuchten 3,4 % weniger Aufträge als im Vormonat.

Im alten Bundesgebiet verringerten sich die Auftragseingänge der Industrie um 4,3 %. In Ostdeutschland wurden 0,9 % weniger Bestellungen verbucht. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen die Bestellungen im Dezember in Deutschland auf Basis von Bundesbank-Daten nach Berechnungen von Reuters um zwei Prozent ab.

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