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21.06.2000

09:43 Uhr

Reuters NEW YORK. Die Stadt New York hat eine mehrere Mill. $ schwere Klage gegen mehrere nationale und internationale Waffenhersteller eingereicht. Den Herstellern wird vorgeworfen, ihre Produkte so zu vermarkten, dass sie schließlich bei Verbrechen benutzt werden. Neben New York haben noch 30 weitere amerikanische Städte und Kreise Klage gegen Waffenhersteller und Vertreiber wegen der Schäden erhoben, die illegaler Waffeneinsatz verursacht. In der New Yorker Klageschrift werden insgesamt 26 Hersteller beklagt.

Zu den Beklagten gehören unter anderen Smith and Wesson Corp (ein Ableger der Tomkins Plc und der größte Waffenhersteller der USA), Sturm, Ruger&Co, Glock Inc. (Tochter der österreichischen Glock GmbH), Colt's Mfg.Co. und Beretta U.S.A. Corp..

In der Klageschrift heißt es, die Stadt fordere Schadenersatzzahlungen und wolle zudem die Möglichkeit erhalten, einstweilige Verfügungen gegen die Firmen zu erlassen, die wissentlich und freiwillig und zu ihrem eigenen finanziellen Vorteil Schusswaffen herstellten, sowie auf eine Art und Weise vermarkteten und verkauften, die absehbar der Stadt und ihren Einwohnern schade.

Die Verkaufspraktiken stellten zudem ein öffentliches Ärgernis dar, weil zugelassen werde, dass die Waffen auf einem illegalen zweiten Markt verkauft würden, auf dem sie Kriminellen in die Hände fielen, hieß es weiter.

Bei 66 % der Morde in New York seien Schusswaffen im Spiel, hieß es in der Klageschrift. So seien im vergangenen Jahr 391 New Yorker mit einer Schusswaffe getötet worden. Wenn die Beklagten es wollten, wären sie in der Lage, die Zahl der an Kriminelle verkauften Waffen zu senken, hieß es weiter.

Die Stadt hat angekündigt, sie fordere Schadensersatz von mindestens zehn Mill. und mehr $.

Die im US-Bundesstaat Connecticut ansässige Waffenfirma Sturm, Ruger erklärte, der Fall solle abgewiesen werden. Wenn der Richter dies aber ablehne, so sei die Firma zuversichtlich, dass jedes vernünftige Geschworenengericht zugeben werde, dass die Firma ein verantwortungsbewusster Hersteller hochwertiger Schusswaffen für den gesetzestreuen Bürger sei.

Die Nationale Schießsport-Stiftung, die 1800 Schusswaffenhersteller, Groß- und Einzelhändler vertritt und ebenfalls beklagt wird, teilte mit, die Klage sei politisch motiviert und nicht aus Sorge um die Sicherheit der Bürger eingereicht worden. Mit der Klage werde kein einziges Leben gerettet und kein einziges Verbrechen verhindert. Es werde lediglich Geld der Steuerzahler verschwendet, das stattdessen zur Verbrechensbekämpfung eingesetzt werden solle.

Im Mai hatten Waffenhersteller Gespräche über einen Vergleich bei Schadensersatz-Ansprüchen der Städte Philadelphia, Chicago, New Orleans, San Francisco und Boston platzen lassen. In Medienberichten hieß es, die Firmen hofften darauf, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat, der Gouverneur von Texas, George W. Bush, die Präsidentschaftswahlen am 7. November gewinnen und eine den Waffenherstellern gewogene Regierung bilden werde. Bush gilt als Verfechter der Rechte der Waffenbesitzer.

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