Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2001

20:22 Uhr

Insgesamt ruhiger Handelstag

Gewinnserie am Neuen Markt reißt am sechsten Handelstag

Nach fünf Tagen hintereinander im Plus, musste das Wachstumssegment heute wieder Verluste hinnehmen. Im späten Handel hatte der Markt wieder etwas Boden gut gemacht.

dpa-afx FRANKFURT. Bei den Wachstumswerten am Frankfurter Neuen Markt ist am Dienstag die Gewinnserie gerissen. Fünf Handelstage in Folge schloss das Wachstumssegment im Plus, dann ging es erstmals wieder in die Verlustzone. Der Nemax 50 verlor 1,58 % auf genau 2 559,00 Punkte. Phasenweise war die Verluste auf über 3 % angewachsen, im späten Handel ging es dann aber wieder etwas aufwärts. Der alle Werte umfassende Nemax All-Share büßte 1,21 % auf 2 581,10 Zähler ein.

"Die Verluste sind kein Beinbruch", sagte Guiseppe-Guido Amato, Analyst der Wertpapierhandelsbank Lang & Schwarz. Nach einigen Gewinntagen in Folge seien Kursabschläge normal. Hauptsache der NEMAX 50 falle nicht unter 2 500 Punkte, denn "dann könnte es erneut richtig abwärts gehen". Wichtig sei jetzt, dass der Index in den nächsten Tagen die 2 600er Hürde nehme, dann sei ein kleinerer Widerstand bei 2 750 Punken zu erwarten, ehe in absehbarer Zeit die 3 000 anvisiert werden könnten.

Insgesamt ist der Handelstag ruhig verlaufen, denn der Markt blickt nach Händlerangaben wie so oft in Richtung der US-Computerbörse Nasdaq. Dort werden am Dienstagabend die Zahlen des Chipherstellers Intel erwartet. Komme es daraufhin zu einem Kursrutsch, hänge viel davon ab, ob dann die gesamte Chiphersteller-Branche mit hinuntergezogen werde. Passiere das nicht, dann sei dies "ein weiteres Mosaikteilchen, das auf eine Bodenbildung hindeutet."

Zu den größten Gewinnern im Nemax 50 zählte das Medienunternehmen Intertainment mit einem Plus von 31,01 % auf 9,04 Euro. Das Papier profitierte laut Händlern weiterhin von einer Analyse des Investmenthauses Morgen Stanley, in der die Aktie als unterbewertet bezeichnet wurde. Den Kursanstieg müsse man aber in der richtigen Relation sehen, sagte Analyst Amato. Nämlich im Vergleich zum Tiefsstand von 4,01 Euro Ende Dezember und dem 52-Wochen-Hoch, das bei 114,99 Euro liegt.

Nach deutlichen Einbrüchen im Vormittagshandel konnte sich auch die Aktie von EM.TV wieder etwas erholen und notierte nur noch mit 0,79 % auf 6,25 Euro im Minus. Erneut belasteten Presseberichte, wonach der Einstieg der Kirch-Gruppe beim angeschlagenen Münchner Filmrechtehändler stark gefährdet sei, den Kurs. Zudem gab EM.TV-Chef Thomas Haffa den Verkauf von 200 000 Aktien in Februar und damit den Verstoß gegen die vorgeschriebene Haltefrist zu.

Mit Verkäufen reagierten die Anleger auf die Geschäftszahlen der Comdirect Bank . Der Titel büßte 7,62 % auf 20,00 Euro ein. Die Online-Tochter der Commerzbank hatte Ende 2000 weniger Kunden als erwartet gehabt. Die Bank hatte 600 000 Depots prognostiziert, am Ende waren es aber rund 23 000 weniger. Die Zahlen von der Direkt Anlage Bank (DAB) seien besser gewesen, wenngleich auch nicht berauschend, hieß es am Markt. Das nutzte der DAB am Dienstag nichts, auch dieser Kurs rutschte um 0,84 % auf 35,40 Euro ab.

Hoch und runter ging es am diesem Handelstag mit der Aktie des Mobilfunkanbieters Mobilcom . Das Unternehmen hatte am Nachmittag mitgeteilt, dass es beim Aufbau des UMTS-Netzes möglicherweise mit Siemens , Nokia oder Alcatel zusammenarbeiten werden. Derzeit prüfe das Unternehmen, ob es neben Ericcson noch einen weiteren Lieferanten mit ins Boot nehmen, teilte Mobilcom mit. Danach belasteten aber Marktgerüchte, wonach der Deal mit Ericcson bereits gescheitert sei, den Kurs. Der Wert büßte 8,81 % auf 36,02 Euro ein.

Unter Gewinnmitnahmen litten die Adori-Aktien , die 12,26 % auf 6,01 Euro verloren. Erst am Freitag war der Titel um 155 % gestiegen und trotzte auch am Montag den enttäuschenden Geschäftszahlen. Am Dienstag nun rieten die Analysten des Wertpapierhandelshauses Hornblower Fischer zum Verkauf der Aktien.

Rettungsfantasien beflügelten den Kurs des finanziell angeschlagenen Internet-Händlers Letsbuyit.com . Sie ließen die Aktie phasenweise auf 0,57 Euro ansteigen. Am Ende kam ein Plus von 10,26 % auf 0,43 Euro heraus. Angeblich wollte das niederländische Unternehmen am späten Nachmittag eine entsprechende Mitteilung veröffentlichen. Dies erfolgte jedoch nicht, ein Sprecher sagte gegenüber einer Nachrichtenagentur, die Entwicklungen hätten sich im Verlauf des Tages verändert. Bislang hatten die Internethändler Dealpartners.com und CoShopper Interesse an Letsbuyit.com und entsprechende Gespräche bestätigt.

Nach dem schnellen Aufstieg vom Montag folgte am Dienstag der schnelle Fall: OTI On büßten 15,19 % auf 6,53 Euro ein. Am Montag hatte der Wert von einem millionenschweren Auftrag profitiert.

Mit einem Plus von 15,61 % auf 56,30 Euro reagiert die Börse auf die Pflichtmitteilung der CDV Software Entertainment AG , die nach vorläufigen Berechnungen für das Jahr 2000 nicht wie bislang angekündigt mit einem Verlust, sondern mindestens mit einem ausgeglichenen Ergebnis rechnet.

Die Papiere des Anbieters von Musik-Software eJay kletterten um 53,85 % auf 4,00 Euro nach Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen für das Jahr 2000. Der Umsatz stieg im Jahr 2000 nach eigenen Angaben um 396 % auf 10,7 Mill. Euro. Allein im vierten Quartal 2000 erwirtschafteten die Stuttgarter Rekordumsätze in Höhe von 5,4 Mill. Euro (Januar bis September 2000: 5,3 Mill. Euro). Der Verlust vor Zinsen und Steuern habe dagegen im Jahr 2000 bei 1,8 Mill. Euro gelegen, nach einem Vorjahresplus von 0,1 Mill. Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×