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24.01.2003

19:16 Uhr

INSIDE WALL STREET- Die Börsenkolumne aus New York

Super Bowl: Märchen und Fakten zu Football und Börse

VonLars Halter (Wall Street Correspondents, Inc.)

Es mag absurd, leichtfertig oder zumindest ein bisschen albern klingen, wenn sich Investmentstrategen ernsthaft über den Super Bowl-Indikator auslassen - schließlich spricht wirklich gar nichts dafür, dass der Ausgang des Football-Finals am Sonntag den Aktienmarkt irgendwie beeinflussen könnte. Vielleicht ist es aber auch nur eine nette Spielerei in einem ohnehin völlig unübersichtlichen Markt.

NEW YORK. Am Sonntagnachmittag um 15 Uhr Ortszeit (24 Uhr MEZ) wird das wichtigste Football-Spiel der Welt in San Diego im Bundesstaat Kalifornien angepfiffen. Und wenngleich sich der Kolumnist (Deutscher mit einer Aversion gegen US-Sport und Sympathien zum SC Freiburg) eines sportlichen Tipps enthalten muss, so sei zumindest der vielzitierte Zusammenhang zur Börse noch einmal erklärt: Beim Super Bowl treffen die Gewinner der American Football Conference (AFC) und der National Football Conference (NFC) aufeinander. Gewinnt das Team der NFC, dann steht ein gutes Börsenjahr bevor - gewinnt das Team der AFC, dann kündigen sich neue Verluste an. In 29 von bisher 36 Jahren war das so, nur wenige andere Indikatoren können eine solche Trefferquote aufweisen.

Bei den Buchmachern sind die Oakland Raiders aus der AFC gegenüber den Tampa Bay Buccaneers favorisiert - das würde ein weiteres Jahr im Bärenmarkt bedeuten. Schon deshalb drücken viele an der Wall Street den "Buccs" die Daumen, darunter auch Robert Stovall von Celmente Asset Management. Er gilt als der Vater des Super Bowl-Indikator, seit 1979 verfolgt er Football und Börse. Einen Zusammenhang zwischen beidem lässt er sich nicht ausreden, immer wieder verweist Stovall auf eine Trefferquote von 82 %, obschon die vor allem in der jüngsten Vergangenheit gelitten hat. Ausgerechnet in vier der vergangenen fünf Jahre lag der Indikator daneben.

Diese Fehlerquote hat auch einige Experten bekehrt, deren Liebe zum Football mindestens so groß ist wie die zur Börse, darunter Eugene Profit von Profit Investment Management. Der ehemalige Cornerback der Washington Redskins und der New England Patriots musste seine Karriere vor zehn Jahren beenden, weil seine Achillessehne nicht mehr mitmachte. Jetzt verwaltet der Yale-Absolvent einen 100 Mill. $ schweren Fond - und achtet dabei "mehr auf konjunkturelle Indikatoren und auf die Performance der Unternehmen, um den Markt einzuschätzen."

Dass Profit das Spiel am Sonntag verfolgt, ist dennoch selbstverständlich, zumal er dabei auch abseits umstrittener Indikatoren einiges über die Wirtschaft erfahren kann - nämlich in den Werbepausen. Bekanntlich ist TV-Werbung nie so teuer wie während des wichtigsten Footballspiels der Welt. Das Investment in einen 30-Sekünder kann sich für ein Unternehmen allerdings lohnen, schließlich sieht die halbe Nation zu.

Für den Getränkeriesen Pepsi ist das genau die richtige Basis, um "Sierra Mist" vorzustellen, die Sprite-ähnliche Brause, die im Sommer den Markt erobern soll. Insgesamt drei Minuten hat der Konzern gebucht, eine halbe geht indes an die Tochter Gatorade, die erstmals beim Super Bowl mitmischt. "Unsere wichtigste Werbezeit ist eigentlich der Sommer", meint Gatorade-Sprecher Andy Horrow, aber ein Spot mit Basketball-Gott Michael Jordan sei schon in den Play-Offs so gut angekommen, dass man ihn eben noch einmal senden wolle.

Mit Michael Jordan steht übrigens ein Gewinner des diesjährigen Super Bowl fest. Der Mann tritt nicht nur für Pepsi an - wo er in einem Computer-generierten Sport gegen sich selbst Basketball spielt -, sondern er preist auch Unterwäsche für Sara Lee an. Über sein Honorar kann nur wild spekuliert werden. In einem hochkarätigen Umfeld treten unterdessen auch der Country-Barde Willie Nelson für den Steuerberater H&R Block, die Rock- und Chaos-Familie Osbourne für Pepsi und die Chanteuse Celine Dion für DaimlerChrysler an. AOL Time Warner schicht den Terminator ins Rennen, um den neuen Film zu bewerben, und Vivendi tut dasselbe mit dem Hulk.

Zu den Unternehmen, die ebenfalls mit Investitionen in Millionenhöhe um die Gunst der Konsumenten buhlen, gehören wie immer Anheuser-Busch (Budweiser), Philip Morris, Pfizer mit der eben verkauften Kaugummisparte Trident sowie General Motors, FedEx und Charles Schwab. Nach einigen Jahren Pause meldet sich Reebok zurück, dafür haben sich Volkswagen und E*Trade aus der Runde der Werber verabschiedet.

Auch General Electric ist nicht mehr mit von der Partie. Zwar hat der Dow-notierte Industrie-Multi eben erst eine neue Kampagne vorgestellt und sogar den 25 Jahre alten Firmenslogan modernisiert, doch ließ man die neuen Spots bereits in der Vorwoche bei den Golden Globes laufen. "Beim Super Bowl ist der Andrang zu dicht, und der Zuschauer nimmt einzelne Marken gar nicht mehr wahr", erklärt GE-Werbechefin Judy Hu. "Bei den Golden Globes konnten wir auffallen und haben auch noch gespart." Die Verleihung lief auf dem hauseigenen Netzwerk NBC, da blieb die Kohle im Konzern. Der Super Bowl wird in diesem Jahr auf ABC übertragen, Einnahmen wandern folglich zu Disney - und der Konzern steht ebenfalls im Vorfeld als Sieger des Super Bowl fest.

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