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05.03.2003

19:05 Uhr

INSIDE WALL STREET

Kolumne: „Eisiger“ Konflikt zwischen USA und Europa

VonLars Halter (Wall Street Correspondents)

Die USA kämpfen weiter um Unterstützung für ihren Krieg, doch eine Allianz der Deutschen, Franzosen und Russen macht Bush, Powell und Komplizen nun vielleicht endgültig einen Strich durch die Rechnung. In der Sicherheitsratssitzung an diesem Freitag steht ein Veto zumindest im Raum. An der Börse spielen diese Details kaum eine Rolle, doch wirkt sich der transatlantische Streit auf einzelne Aktien aus.

Dass Boeings CEO Phil Condit einen Merger in Europa derzeit abhaken kann, ist leicht nachvollziehbar - selbst wenn der "interessante Übernahmekandidat" BAE Systems aus Großbritannien kommt und damit die Brücke zum einzigen wirklichen Verbündeten der Amis schlagen würde. Mit europäischen Partnern plant Condit zur Zeit auf jeden Fall nicht, auch wenn man das nur allzu gern täte. Regulatorische Probleme stünden einem transatlantischen Deal entgegen, so der Chef des US-Flugzeugbauers, den zur Zeit allein die Rüstungssparte vor einem weiteren Absturz bewahrt.

Dass man sich militärisch nicht eben in Europa nach Partnern umsehen will, scheint in Anbetracht der heiklen Lage am Golf nicht überraschend. Doch auch ein anderer transatlantischer Merger stößt am Mittwoch auf ein Veto der Amerikaner: Der Eiskrem-Riese Dryer?s wäre allzu gerne unter die Fittiche von Nestle´ geschlüpft, und hätte damit die eigenen Marken Dryer?s, Eddy?s und Dreamery mit dem Lukull-Eis Häagen-Dazs vereint. Allein, die US-Behörden sagen "No!".

Der Wettbewerb sei aus dem Gleichgewicht, heißt es von Seiten der US-Wettbewerbsbehörde. Eine Union aus Nestle´ und Dryer?s sei zu groß, um den Konkurrenten Unilever oder Coolbrands International eine gewisse Marktstellung zu sichern. Coolbrands könnte nun von dem Veto aus Washington profitieren: Laut ersten Gerüchten könnte Dryer?s den Merger doch durchführen, wenn es einen Teil seiner Marken, darunter die Fruchtsorbets und der belgische Schoko-Ableger Godiva, an den kanadischen Konzern abtreten würde.

Der holländische Konzern Unilever kann unterdessen von Glück reden, dass er seinen US-Merger schon lange vor der Irakkrise hinter sich gebacht hat: Das Unternehmen hinter Langnese und Iglo hat sich die US-Marke Ben & Jerrys schon vor drei Jahren einverleibt - da gab es noch keine Reibereien zwischen der Alten und der Neuen Welt. Und auch wenn es sie gegeben hätte: Ben & Jerry geht auf zwei übrig gebliebene Hippies und Weltverbesserer zurück. Die hätte man wohl auch heute noch ziehen lassen.

Warum stellen sich die Behörden nun bei Dryer?s quer? Liegt es wirklich an wettbewerbsrechtlichen Bedenken? Oder gönnen die Amerikaner den Europäern etwa das gute Eis nicht? Schon gar nicht das Kaffee-Sorbet von Starbucks, das an Dryer?s lizenziert ist? Wollen sie erst in Sachen Irak und Weltpolitik die Kuh vom Eis holen, bevor sie uns das süße Zeug schlecken lassen? Oder muss die Marke vorerst noch amerikanisch bleiben, damit sie vom Verteidigungsministerium per EPA an die Krieger im Wüstensturm verfüttert werden kann?

Wo auch immer die wahren Gründe im Eiskrieg liegen - Dryer?s bleibt vorerst einmal amerikanisch. Und die Troika gegen den Krieg wird ihren Kurs vor der Uno wohl weiter fahren, ohne ins Schlittern zu kommen.

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