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21.01.2003

18:59 Uhr

Inside Wall Street

Quartalszahlen: Schein oder Sein, das ist hier die Frage

VonLars Halter (Wall Street Correspondents Inc.)

Was für ein Wochenauftakt: Citigroup über den Erwartungen, Johnson & Johnson über den Erwartungen, 3M über den Erwartungen, Ford über den Erwartungen... es war eine Zahlenflut wie man sie sich nicht schöner hätte ausdenken können. Doch was macht der Markt? Er bleibt schwach - aus gutem Grund.

NEW YORK. Wieder einmal steht in den Quartalsberichten der Unternehmen mehr zwischen den Zeilen als auf den ersten Blick erkennbar ist. Weshalb die Aktien in den ersten Handelsminuten auch geschlossen im Plus notierten. Ins Minus rutschten sie erst, als Experten die Möglichkeit hatten, einmal hinter die Kulissen zu blicken.

"Die Zahlen waren ja ganz gut", fasst auch Art Hogan zusammen, der Chef-Analyst von Jefferies & Co. "Aber in den Telefonkonferenzen kamen einige Details zur Sprache, die nicht mehr so rosig stimmen." Hogan sieht den Markt zwar auch durch die anhaltende Unsicherheit in der Irak-Krise, durch den steigenden Ölpreis und den schwachen Dollar unter Druck. Und außerdem wäre da noch eine Prognose von Merrill Lynch, in der die Analysten am Morgen ihre Wachstumsprognosen für das Bruttoinlandsprodukt von ohnehin schwachen 1,3 % auf 0,8 % senken. Doch dürften es vor allem die Quartalszahlen sein, die auf die Wall Street drücken.

Also zurück zu den Unternehmen und zu einem, das gleich im doppelten Sinne (ent)täuschte. Zunächst klang nämlich alles ganz gut, was der Autohersteller Ford zu berichten wusste. Ein Gewinn von 150 Mill. $ oder 8 Cent pro Aktie lag über dem was das Management angekündigt und Analysten geglaubt hatten. Doch entspricht, wie so oft, der Gewinn nicht dem, was wirklich übrig bleibt - denn er ist pro forma. Sonderkosten eingerechnet bilanziert Ford ein Minus von 130 Mill. $ oder 7 Cent pro Aktie. Und selbst die vermeintlichen Gewinne kamen nicht aus dem Kerngeschäft sondern von der Finanzierungseinheit Ford Motor Credit.

Fazit: Ford fährt weiter bergab, und viele Experten sehen die Talsohle nicht, weil sie zunehmend an der Produktpalette und der Strategie des Unternehmens zweifeln, das jüngst bei der Automesse in Detroit zwar eine Rekordmenge von 15 neuen Modellen vorstellte - aber keines, das wirklich zu überzeugen vermochte.

Zwar noch im Plus beendete die Citigroup das abgelaufene Quartal - und ebenfalls über den Erwartungen. Allerdings waren die zunächst einmal tief angesetzt, weshalb oberflächlich betrachtet ein Gewinnrückgang auch nicht. Das entspricht gerade einmal einem Drittel des Gewinns aus dem Vergleichsquartal. Massiv haben die Entschädigungszahlungen der Citigroup im Zusammenhang mit den Analystenskandalen um die Tochterfirma Salomon Smith Barney die Kasse belastet - den Faktor aus der Analyse herauszurechnen ist aber nicht angeraten.

Keine roten Flaggen lassen sich unterdessen in der Bilanz von Johnson & Johnson erkennen. Ein Gewinnwachstum von 30 % bei einem Umsatzwachstum von 14 % spricht für sich - doch macht das Unternehmen sein Geld mit Grippemitteln und Pflastern, mit Medikamenten gegen Blutarmut und Arthritis. Wenn es der Pharmabranche gut geht, hat das mit der Konjunktur und mit anderen Unternehmen gar nichts zu tun. Der Sektor ist weitgehend krisenfest, und die guten Zahlen von Johnson & Johnson können dem Markt aus eben diesem Grund überhaupt nicht helfen.

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