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18.01.2001

05:59 Uhr

Insolvenzverwalter beantragt Konkursverfahren in Amsterdam

Internethändler Letsbuyit gibt auf

Die verzweifelte Suche nach einem Investor, der weiteres Kapital nachschießt, blieb erfolglos. Jetzt hat der Insolvenzverwalter von Letsbuyit.com die Eröffnung des Konkursverfahrens beantragt.

HANDELSBLATT, 18.1.2001

ant/tnt FRANKFURT/M. Der am Neuen Markt notierte Internethändler Letsbuyit.com N.V., Amsterdam, gibt auf. Der Vergleichsverwalter, der bereits Anfang Januar einen Schulden-Aufschub für das angeschlagene Unternehmen erwirkt hat, beantragte gestern die Eröffnung eines Anschlusskonkursverfahrens. Das Gericht werde den Antrag aber erst am kommenden Freitag verhandeln, teilte die mit der Verwaltung betraute Amsterdamer Anwaltskanzlei Trenitee van Doorne weiter mit. Die Aktie wurde an der Börse bis auf weiteres vom Handel ausgesetzt.

Unterdessen meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass sich Letsbuyit.com trotz des beantragten Konkurses in der letzten Phase von Verhandlungen mit Investoren befinde, um das Unternehmen doch noch zu retten.

Am Dienstag hatte die Agentur einen nicht namentlich genannten Sprecher der Vergleichsverwalter mit der Ankündigung zitiert, dass am Nachmittag eine Mitteilung über eine nicht näher erläuterte Transaktion veröffentlicht werde. Der Aktienkurs legte daraufhin in der Spitze um 30 % zu, aber eine Mitteilung folgte nicht. In der Nacht dementierte die Anwaltskanzlei, dass die von Reuters verbreitete Information von ihnen stammte. Zu weiteren Erläuterungen waren die Anwälte am Mittwoch nicht bereit.

Da die Haltefrist für die im Altbesitz befindlichen Papiere der Online-Einkaufsgemeinschaft Letsbuyit am 21. Januar endet, könnte der Kurs in der kommenden Woche unabhängig von der Entscheidung des Amtsgerichts noch einmal kräftig unter Druck geraten. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hatte bereits in der vergangenen Woche davor gewarnt, dass sich der Kurs der nach dem Kursplus vom Dienstag zuletzt für 46 Eurocents gehandelten Aktie durch Verkäufe der rund 70 Millionen Altaktien noch deutlich verringern könnte. Den Aktionärsschützern zufolge haben einige Altaktionäre für die Papiere im Nennwert von 0,01 Euro auch nur 0,01 Euro bezahlt. Erstzeichner hatten für die im vergangenen Juli emittierten Papiere 3,50 Euro gezahlt.

Bereits im Spätherbst hatten sich an den Märkten Gerüchte verdichtet, dass der in 14 europäischen Ländern vertretene Internethändler mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen habe. Innerhalb kurzer Zeit wollte Letsbuyit einen strategischen Partner finden, der dem Verluste schreibenden Internet-Händler frisches Kapital zur Verfügung stellt. Doch alle Gespräche mit potenziellen Investoren, darunter auch die Metro AG, verliefen erfolglos . Kurz vor dem Jahreswechsel hatte Letsbuyit bereits einen Antrag auf ein Schulden--Moratorium gestellt. Zu diesem Zeitpunkt verfügte das Unternehmen noch über liquide Mittel in Höhe von 18 Mill. Euro. Nach Schätzungen eines Branchenkenners sollen zuletzt die Fixkosten des Unternehmens über dem Umsatz gelegen haben.

Mit einer Beteiligung von 16 % ist die Pro Sieben Sat 1 Media AG , Unterföhring,  der größte Einzelaktionär des Internet-Händlers. Pro Sieben SAT 1 wird wegen des Konkursantrags von LetsBuyIt.com eine Wertberichtigung in Höhe von 20 Mill. Euro vornehmen. Das Unternehmen müsse aber seine Ergebnisprognosen deswegen nicht ändern, sagte ein Sprecher. Nur verhaltene Freude kommt beim Konkurrenten Primus-Online über den beantragten Konkurs von Letsbuyit auf. "Nach dem Ausscheiden unseres Konkurrenten liegen unsere Umsätze im Januar zwar über denen im Weihnachtsgeschäft", ließ Udo Maier, Geschäftsführer von Primus-Online, wissen. Doch natürlich mache man sich Gedanken, ob das Geschäftsmodell tragfähig ist.

Letsbuyit.com räumte Rabatte ein, wenn sich mehrere Käufer im Internet zu Bestellgemeinschaften zusammenschließen. Doch im Gegensatz zum Wettbewerber Letsbuyit habe Primus Online mit der Metro AG und RTL zwei starke Partner, die auch weiterhin die Finanzierung sicherten. "Wir gehen davon aus, dass wir Mitte 2002 die Gewinnschwelle erreichen", sagte Maier. Denn der Trend zur Schnäppchenjagd per Internet sei weiterhin intakt.

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