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04.01.2001

19:17 Uhr

Institut für Marktbearbeitung stellt die Jahresbilanz 2000 des deutschen Investmentfondsmarktes vor

Flut neuer Fonds ruft Skeptiker auf den Plan

VonIngo Narat

Die Zahl der Investmentprodukte steigt mit bisher nicht gekannter Dynamik. Zweifelhaft vor allem deshalb, weil es sich in vielen Fällen bei den Neuheiten um sehr speziell ausgerichtete Aktienfonds mit hohem Risiko handelt.

HB FRANKFURT/M. Trotz der Börsenturbulenzen setzen die Investmentfonds ihren Siegeszug fort - vor allem die Aktienfonds. Im vergangenen Jahr wurden den Deutschen noch weit mehr neue Produkte angeboten als 1999. Eine weitere Steigerung im laufenden Jahr ist allerdings unwahrscheinlich. Das glaubt zumindest Pia Frei, Chefin des Instituts für Marktbearbeitung (IMA), Kelkheim bei Frankfurt. Sie stellt Ende Januar ihre Studie zum deutschen Fondsmarkt vor. Dem Handelsblatt liegen die wichtigsten Ergebnisse der "Fondsstatistik 2000" bereits vor.

Die Zahl der in Deutschland neu aufgelegten bzw. zum Vertrieb zugelassenen Produkte sprang von 385 im Jahr 1999 auf 624 im vergangenen Jahr (Grafik). Wiederum waren die meisten Produkte Aktienfonds. Dachfonds wurden populärer, denn ihr Anteil an der Gesamtzahl der lancierten Investmentfonds stieg von 12 % auf 20 %. In der Betrachtung der Aktienfonds nach Anlageausrichtung gewannen die Branchenprodukte an Attraktivität. Ihre Quote erhöhte sich von 31 % auf 36 %.

Der starke Zuwachs an Investmentfonds angesichts der bereits angebotenen über 4 000 Produkte ruft Skeptiker auf den Plan. Rolf Drees, Sprecher der drittgrößten und zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörigen deutschen Investmentgesellschaft Union Investment, spricht von "Fonds-Inflation".

Schwierige Orientierung im Produkt-Dschungel

Tatsächlich scheint für die Fondsfirmen die Neuauflage insbesondere von Aktienprodukten lukrativ zu sein, denn der Großteil der frischen Anlegergelder wird in neuen Fonds eingesammelt.

Den Anlegern verspricht das Etikett "neu" aber keinen überdurchschnittlichen Erfolg. Das belegt die vorläufige Performance-Statistik für das Kalenderjahr 2000 (Handelsblatt vom 29.12.2000). Gerade viele der im vergangenen Jahr lancierten Branchenfonds, etwa für Werte aus den Sektoren Technologie und Telekommunikation, erfüllten die hohen Erwartungen bisher nicht. Auch deshalb plädiert Drees für Zurückhaltung bei der Auflage neuer Fonds: "Die Pflege der bestehenden Produktpalette sollte im Vordergrund stehen - auch damit kann man als Investmentgesellschaft neue Gelder ins Haus holen und Geld verdienen." Frei sieht die Gefahren ebenfalls, "denn die Übersichtlichkeit für Anleger und Berater leidet". Auf der anderen Seite sorge Produktvielfalt jedoch für Wettbewerb und das sei zu begrüßen.

Reform der Altersvorsorge könnte Impulse geben

Udo Behrenwaldt glaubt, dass Aktienfonds auch im laufenden Jahr bei den Produktlancierungen im Vordergrund stehen werden. Nach Meinung des Sprechers der Geschäftsführung der zur Deutsche-Bank-Gruppe gehörigen DWS, Deutschlands Marktführer im Fondsgeschäft, werden allerdings Dachfonds und Branchenfonds nicht mehr mit weiter steigenden Anteilen an den neuen Produkten glänzen: "Viele Anbieter haben bereits Dachfonds lanciert; die Gewichtsverlagerung von den Regionen- zu den Branchenfonds wird zwar anhalten, aber die wichtigsten Sektoren sind schon abgedeckt." Ein Fragezeichen stehe hinter den Reformplänen für die private Altersvorsorge. "Es bleibt abzuwarten, wie der Anforderungskatalog für die steuerliche Förderung ausfällt; möglicherweise gibt das Anlass zur Auflage spezieller Produkte neben den vorhandenen", meint Behrenwaldt.

Frei erwartet bei weiteren Börsenturbulenzen eine zurückhaltendere Auflagepolitik bei Aktienfonds, gerade bei speziell ausgerichteten Branchenfonds: "Eine Gesellschaft brachte gleich drei Produkte für Internet-Aktien, das wäre dann kaum noch vorstellbar." Den Markt für Dachfonds sieht sie ebenfalls als eher gesättigt an. Weitere Bedenken äußert Horst Eich, Investment Director bei der Dresdner-Bank-Fondsfirma DIT: "Die Produkte müssen sich wegen ihrer hohen Kostenbelastungen, die an der Performance zehren, erst beweisen."

Impulse dürften ihrer Meinung nach in unsicherer Börsenlage von Garantie- und Absicherungsprodukten kommen - eine Produktgruppe, die im letzten Jahr fast völlig vernachlässigt worden sei. Indexfonds, Produkte von Versicherungen und Vermögensverwaltern sowie das Eintreten weiterer ausländischer Gesellschaften in den deutschen Markt könnten ebenfalls beflügeln.

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